„Wir können nicht in dem Umfang weiterbauen“

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Über den Entwurf der Fortschreibung des Regionalplanes im Bereich Bodensee diskutieren Verbandsdirektor Wilfried Franke (links)
Über den Entwurf der Fortschreibung des Regionalplanes im Bereich Bodensee diskutieren Verbandsdirektor Wilfried Franke (links) und FDP-Kreisvorsitzender Hans-Peter Wetzel. (Foto: brigitte walters)
Brigitte Walters

Nach den Sommerferien wird der Entwurf zur Fortschreibung des Regionalplans für den Bereich Bodensee-Oberschwaben öffentlich ausgelegt. Mit dieser Planung wird die weitere bauliche Entwicklung in den 87 Kommunen der drei Landkreise Bodensee, Ravensburg und Sigmaringen für die nächsten 20 Jahre festgelegt. Über die rechtlichen Grundlagen und über die Kriterien zur Auswahl der Flächen informierte der Direktor des Regionalverbandes, Wilfried Franke, in einer Informationsveranstaltung des FDP-Kreisverbandes in Markdorf.

Der Regionalplan sei das Bindeglied zwischen der Landes- und Kommunalplanung, in dem die Siedlungsstruktur, also die Flächen für Wohnen und Gewerbe in den Kommunen festgelegt werden, erklärte Franke. Mit den Grüngürteln werden die Flächen für Natur- und Landschaftsschutz ausgewiesen. Weitere wichtige Festlegungen sind die Abbauflächen für Rohstoffe wie Kies, und die Trassen für die Infrastruktur wie Schiene und Straßen. Es gebe eine riesige Flächenkonkurrenz, diese werde noch stärker, je näher der See komme. „Alles wächst, außer der Fläche, die ist nicht vermehrbar und deshalb hoch wertvoll“, stellte der Verbandsdirektor fest.

Zehn Prozent Wachstum

Für die nächsten zwei Jahrzehnte werde mit einem Bevölkerungswachstum von etwa zehn Prozent gerechnet, dieser Zuwachs begründe sich auf Zuwanderung, nicht aufgrund von Flüchtlingen, sondern aus europäischer Freizügigkeit. Dies bedeute für den Bodenseekreis, es werden etwa 300 Hektar Wohnbaufläche benötigt. Der Zuwachs solle in dem Bereich Friedrichshafen/Weingarten und den größeren zentralen Orten angesiedelt werden, da wo die Infrastruktur und die Arbeitsplätze sind, so der Vorschlag des Regionalverbandes. So werden für Überlingen zwei neue Wohnbaugebiete geplant.

Wesentlich schwieriger sei es, den Bedarf an Gewerbeflächen zu errechnen. Dabei werden von Fachleuten für den Bodenseekreis 225 bis 710 Hektar prognostiziert. Diese im Landkreis zu verwirklichen, sei nicht möglich: Daher sei es erforderlich, interkommunale Gewerbegebiete zu schaffen und dabei auch mit dem Landkreis Sigmaringen zusammenzuarbeiten. In Überlingen-Andelshofen sei ein Gewerbegebiet geplant, in Friedrichshafen sind es zwei. Bei der Verkehrs-Infrastruktur müssen unbedingt die Planungen für die Bodensee-Gürtelbahn, die B 30 und B 31 im Kreis vorangetrieben werden. Deshalb sollte der Kreis die Planung mit anderen Partnern übernehmen, wünschte sich Franke. In der anschließenden Diskussion erklärte Franke, dass es für Deggenhausertal und Oberteuringen Freiräume an den bisherigen Gewerbegebieten gebe, sodass eine maßvolle Erweiterung möglich sei. In Markdorf sehe er derzeit kein Flächenpotential für ein Gewerbegebiet. Sein Fazit: „Wir können nicht in dem Umfang weiterbauen wie bisher.“

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