Windkraft: Architekten sorgen sich ums Landschaftsbild

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Windkraft: Architekten sorgen sich ums Landschaftsbild
Schwäbische Zeitung

In die zumindest öffentlich etwas abgeebbte Diskussion um mögliche Windkraftanlagen auf dem Gehrenberg - und an anderen Standorten in der Region - kommt in den nächsten Wochen wieder etwas Bewegung: Am 21. März wird sich der Landtag mit der beabsichtigten Änderung des Landesplanungsgesetzes befassen. Wie bereits mehrfach berichtet, können demnach künftig nicht nur Regionalverbände, sondern auch die Kommunen über Standorten von Windkraftanlagen entscheiden. Im Regionalplan sollen nur noch Vorranggebiete für Windkraftanlagen ausgewiesen werden, aber keine Gebiete mehr, in denen das Errichten von solchen Anlagen ausgeschlossen wird. Im Vorfeld der Diskussion im Landtag laden die Architektenkammer Baden-Württemberg und der Bund Deutscher Landschaftsarchitekten zu einem „Hearing“, einer Anhörung verschiedener Fachleute, ein. Thema der Veranstaltung am 8. März im Berggasthof Höchsten: „Windkraft und Landschaft“.

Jede Menge Diskussionsstoff dürften allein schon die Fotomontagen liefern, die der Überlinger Landschaftsarchitekt Ulrich Bielefeld präsentieren wird. Diese sollen einen möglichst realistischen Eindruck davon verschaffen, wie knapp 200 Meter hohe Windkraftanlagen das Landschaftsbild verändern. Denn genau darum geht’s den Architekten bei der Veranstaltung: dem Thema Landschaft in der Diskussion um geeignete Windkraft-Standorte ein höheres Gewicht zu geben. Was ganz im Sinne des Markdorfer Gemeinderats sein dürfte, der seine ablehnende Haltung zum Gehrenberg als Standort für bis zu zwölf Windkraftanlagen vor allem mit der erheblichen Beeinträchtigung des Landschaftsbildes begründet hatte.

„Für die Standortbestimmung für Windkraftanlagen ist es wünschenswert, dass das Landschaftsbild in seiner kulturellen und ästhetischen Dimension die gleiche Bedeutung und Wertschätzung erfährt, wie etwa Belange des Artenschutzes“, sagt Prof. Dr. Beate Jessel, Präsidentin des Bundesamtes für Naturschutz, die im Rahmen Anhörung auf dem Höchsten über das Verständnis von Landschaft als Kulturgut und den Zusammenhang mit Siedlungsqualität referieren wird. Hilfreich könne es sein, so Jessel, entsprechende Kriterienkataloge und Entscheidungshilfen zu entwickeln. Darüber hinaus könne gerade in einer Region wie dem Bodensee mit ihrer Tradition und Geschichtlichkeit die Windkraft-Debatte als Katalysator einer Diskussion über Wert und Identität von Landschaft dienen.

Weitere Referenten sind Prof. Peter Droege vom Institut für Architektur und Raumentwicklung an der Universität Liechtenstein, der Überlinger Landschaftsarchitekt Johann Senner, Rechtsanwalt Dr. Markus Edelbluth aus Freiburg, Wilfried Franke, Direktor des Regionalverbands Bodensee-Oberschwaben, und Landschaftsarchitektin Bernadette Siemensmeyer aus Überlingen. „In dieser hektischen Diskussionsphase wollen wir keine ideologische Betrachtung, sondern eine nüchtern-sachliche. Dazu wollen wir uns die Positionen verschiedener Top-Fachleute anhören“, sagt Markus Müller, Vorsitzender der Kammergruppe Bodenseekreis innerhalb der Architektenkammer Baden-Württemberg, zum Hintergrund der Veranstaltung. Eingeladen zu dieser nicht öffentlichen Anhörung sind Fachleute sowie verschiedene Vertreter von Politik und Behörden. Wie groß das Interesse an dem Thema ist, zeigt die stattliche Zahl von 70 Anmeldungen, die laut Müller bislang vorliegen.

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