Vorbildlich: Leben retten kann so einfach sein

Lesedauer: 5 Min
Jens Lindenmüller

„Es ist schön, einem anderen Menschen das Leben retten zu können“, sagt Monika Hoffmann. Die in Hepbach lebende 39-jährige Mutter von zwei Kindern ist nicht etwa Ärztin, Rettungssanitäterin oder Mitglied bei der Feuerwehr. Nein, eine spezielle Qualifikation war in diesem Fall gar nicht erforderlich, um ein Menschenleben zu retten. Lediglich ein bisschen Zeit und ein bisschen Mut. Monika Hoffmann hat Knochenmark gespendet. Damit ein 58-jähriger Mann, der in Australien an Leukämie erkrankt ist, überleben kann. „Meine Zwillingsschwester und ich waren weltweit die Einzigen, die für eine Spende infrage kamen“, erzählt Monika Hoffmann. Mehr weiß sie von dem Australier nicht. Dennoch hat sie nicht gezögert, ihm zu helfen.

Einen Lebensretter wie sie benötigt ganz aktuell der kleine Lucas Tylla aus Salem (die SZ hat mehrfach berichtet). Um anderen Menschen die Angst vor einer Knochenmark- beziehungsweise Stammzellspende zu nehmen und sie dazu zu ermuntern, sich am Sonntag in Salem typisieren zu lassen, erzählt Monika Hoffmann in der SZ ihre Geschichte.

Diese beginnt im Sommer 2009 vor dem Fernseher. Durch einen TV-Spot mit den beiden Starkickern Philipp Lahm und Lukas Podolski wird die Markdorferin auf die Deutsche Knochenmarkspenderdatei (DKMS) aufmerksam, ruft bei der Hotline an und beschließt, sich typisieren und als mögliche Stammzellspenderin registrieren zu lassen. Ein gutes Jahr später kommt der Brief der DKMS, tags darauf der Anruf eines Mitarbeiters der weltweit größten Stammzellspenderdatei: Am anderen Ende der Welt ist ein genetischer Zwilling von Monika Hoffmann an Leukämie erkrankt und benötigt eine Stammzellspende. Die regelmäßige Blutspenderin zögert nicht lange, geht zum Hausarzt und lässt sich Blut abnehmen, um es nochmal genauer untersuchen zu lassen. Knapp drei Wochen später steht fest: Die Gewebemerkmale passen tatsächlich zu 100 Prozent. Erneut wird Monika Hoffmann gefragt, ob sie das wirklich durchziehen möchte. Die Antwort lautet „Ja“.

Drei Wochen vor dem Tag X, der auf den 21. Dezember festgelegt worden ist, fährt Hoffmann nach Ulm, wo sie komplett durchgecheckt und über mögliche Risiken aufgeklärt wird. Und darüber, dass sie immer noch aussteigen kann – bis zehn Tage vor der Stammzellentnahme. Dann beginnen für den Empfänger der Spende nämlich die medizinischen Vorbereitungen. Dann gibt es kein Zurück mehr.

Für Monika Hoffmann beginnen diese Vorbereitungen fünf Tage später. Damit der Körper genügend Stammzellen produziert und diese über das Blut entnommen werden können, benötigt die Spenderin zwei Spritzen pro Tag. „Davor hatte ich am meisten Angst. Aber es war dann eigentlich ganz harmlos“, erzählt Hoffman – und ergänzt mit einem Lächeln: „Migräne ist viel schlimmer.“ Überhaupt nicht schlimm sei dann auch die eigentliche Stammzellentnahme gewesen: „Das ist wie Blut spenden.“ Während der fünfstündigen Prozedur könne man lesen, fernsehen oder DVD schauen – alles recht entspannt. „Man wird die ganze Zeit total umsorgt“, sagt Monika Hoffmann und bezieht das auf den gesamten Zeitraum zwischen dem ersten Anruf der DKMS und der Blutuntersuchung, bei der vier Wochen nach der Spende nochmal kontrolliert wird, ob alles in Ordnung ist. Kosten entstehen für den Spender übrigens keine. Untersuchungen, Fahrten, Hotel, Arbeitsausfall – alles wird übernommen.

Ob Monika Hoffmann den Mann, dem sie vermutlich das Leben gerettet hat, eines Tages kennenlernen darf, wird dieser im Fall einer erfolgreichen Heilung selbst entscheiden. Unabhängig davon steht für sie fest: Wenn er oder irgendein anderer genetischer Zwilling ihre Stammzellen benötigt, dann wird sie erneut spenden.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen