„Uns geht es um die Wertschätzung von Landwirten“

Lesedauer: 5 Min
Malchus Kern ist Gründer der Online-Plattform „Yes! We can Farm“.
Malchus Kern ist Gründer der Online-Plattform „Yes! We can Farm“. (Foto: pr)
Schwäbische Zeitung

Geringe Einkünfte, harte Arbeit und ein 24-Stunden-Job: Landwirte geben viel und verdienen oft wenig. Vielerorts mangelt es an Nachwuchs, doch es gibt auch Menschen, die sich ganz bewusst für eine Zukunft in diesem Bereich entscheiden. Warum das so ist und welche Perspektiven es gibt, hat Malchus Kern, Gründer von „Yes! We can Farm“, einer Online-Plattform für „zukunftsweisende Landwirtschaft“ in der Region Bodensee-Oberschwaben, im Interview verraten.

Welches Ziel verfolgt „Yes! We can Farm“?

Mit „Yes! We Can Farm“ verfolgen wir mehrere Ziele. Zum einen möchten wir zeigen, welche Methoden, Konzepte, Produkte es gibt. Und wie sich Landwirtschaft gestalten lässt, die sich lohnt, bei der man sich nicht komplett überarbeitet. Für mich ist aber auch ganz wichtig, dass wir die Menschen miteinander bekannter machen. Wir konzentrieren uns möglichst stark auf unsere Region Bodensee-Oberschwaben – für Menschen, die hier leben oder neu hierher ziehen. Außerdem geht es uns um die Wertschätzung von Landwirten, die einfach enorm viel arbeiten für andere.

Was bewegt junge Menschen heute noch dazu, sich für die Landwirtschaft zu begeistern?

Von denen, mit denen ich Kontakt habe, hatten die wenigsten über die Familie einen Bezug dazu. Die meisten wollen die Welt verbessern, näher an der Produktion von Lebensmitteln sein oder einfach im Rhythmus der Jahreszeiten leben.

Wieder andere kommen über Praktika zum Thema Landwirtschaft oder über verwandte Studiengänge wie beispielsweise Ökomanagement.

Was sind die größten Herausforderungen, mit denen junge Landwirte und Neueinsteiger im Moment zu tun haben?

Es gibt von der EU ein Forschungsprogramm, das untersucht hat, welches die größten Probleme für junge Landwirte sind. Das Finanzielle ist da ganz klar ein großer Punkt, außerdem Zeitmanagement, die eigenen Fähigkeiten und schließlich, wie man überhaupt an Land kommt.

Welche Potenziale gibt es für die Zukunft? Wie kann ein Landwirt Ökologie und Ökonomie verbinden?

Großes Potenzial sehe ich in direkteren Vertriebswegen und darin, Produkte selbst weiterzuverarbeiten. Man hat geringfügig mehr Aufwand, aber dafür auch deutlich mehr Ertrag. Als weitere Alternative sehe ich gemeinschaftliche Ansätze wie die solidarische Landwirtschaft. Hier liegt das Risiko bei allen und es gibt eine Abnahmegarantie für die Produkte. Inzwischen gibt es auch Genossenschaften, die Land kaufen und an Menschen verpachten, die ökologisch wirtschaften. Beispiele sind die Ökonauten in Berlin-Brandenburg, die Regionalwert AG in Freiburg und die Bioboden Genossenschaft.

Vielleicht kann man auch erstmal nebengewerblich starten. Man könnte beispielsweise eigene Tiere dort halten, wo andere Bauern Stallungen frei haben. Oder man nimmt deren anfallende Produkte, Mist zum Beispiel, und verkauft sie weiter, dann als Kompost. Viele Landwirte geben gerne ihr Wissen und ihre Erfahrungen weiter. Dort kann man sich auch an einen bestehenden Kundenstamm ranhängen, wenn der Bauer selbst andere Produkte vermarktet. Eine Verbindung mit Tourismus oder Bildung ist ebenfalls möglich. Wichtig ist, kreativ zu denken. Offen zu sein für neue Ideen und kreative Produkte.

Was sind die Pläne von „Yes! We can Farm?“ für die Zukunft?

Langfristig möchten wir diese auch ganz direkt in Marketingfragen unterstützen, zum Beispiel mit Social Media oder Crowdfunding. Viele Höfe findet man online gar nicht – wir wollen sie sichtbarer machen.

Weitere Infos über das Projekt „Yes! We can Farm“ sowie die ersten Hofporträts aus der Region gibt es online unter

yes-we-can.farm

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen