Ungewohnte Aufführung begeistert Publikum

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An die Hundert Sänger geben in St. Nikolaus Verdis Requiem zum Besten.
An die Hundert Sänger geben in St. Nikolaus Verdis Requiem zum Besten. (Foto: Juliane Nagy)
Schwäbische Zeitung
Juliane Nagy

Stimmiges Bild am letzten Sonntag des Kirchenjahrs: Bei der Aufführung von Verdis Requiem in der St. Nikolaus-Kirche ist über den Instrumentalisten das Abbild des Gekreuzigten und dahinter, im Gesprenge des Altars, die Darstellung von Christus als Auferstandener zu sehen gewesen. Die brillante musikalische Darbietung des Requiems, der Totenmesse Verdis, durch den Chor der Musikfreunde Markdorf, den Dornier-BSG-Chor- und Instrumentalmusik sowie Cantate Rordorf aus der Schweiz war damit auch bildlich in Szene gesetzt und hätte passender nicht aufgeführt werden können.

Denn die Hoffnungslosigkeit des Todes verbunden mit dem hoffnungsvollen Blick auf das ewige Leben sind die zentralen Themen des Musikstücks. Von Verdis Zeitgenossen wurde das 1874 entstandene Werk auch als „Oper in liturgischem Gewand“ bezeichnet, da es nicht zum alleinigen liturgischen Gebrauch bestimmt war. Seitdem zählt es zu den eindrücklichsten und berühmtesten Totenmesse-Vertonungen der Musikgeschichte.

Das fulminante Werk benötigt eigentlich einen philharmonischen Chor wie auch ein großes Orchester und ist deshalb nur selten zu hören. In Markdorf bewies man Mut und wählte eine Fassung für kleinere Ensembles aus dem Jahr 2012 von Michael Betzner-Brandt. Der Kirchenmusiker Reiner Schuhenn, der bis 1994 als Kantor in Ravensburg tätig war und heute an der Hochschule für Musik und Tanz in Köln unterrichtet, verwirklichte 2013 erstmals diese Fassung für kleine Ensembles.

Nur fünf Instrumentalisten übernehmen in dieser Fassung die packende Dynamik des Orchesters. Wobei dem Klavier eine tragende Rolle zukommt, dient doch der Klavierauszug als Grundlage dieser Fassung. Der Markdorferin Andrea Kahlo-Ringendahl gelang diese Aufgabe meisterhaft. Marion Hafen am Marimbafon, die bereits bei der Uraufführung dieser Fassung in Berlin mitwirkte, konnte für die Aufführung in Markdorf gewonnen werden. Auch die weiteren Instrumentalisten – Rosa Schell am Horn, Song Choi am Kontrabass und Claus Furchtner an den Pauken – gaben meisterhaft die Klangfarben eines sonst riesigen Orchesters wieder.

Im Gegensatz zu den Instrumentalsätzen bleiben die Partien des Chores und der Solisten in dieser kleinen Fassung im Originalzustand. Die hochkarätigen Gesangssolisten Leila Trenkmann (Sopran), Kaja Plessing (Mezzosopran), Johannes Gaubitz (Tenor) und Eric Fergusson (Bass) bestritten ihre Auftritte ohne Fehl und Tadel. Das Offertorio, das nur von den Gesangssolisten dargeboten wurde, war ein feierlicher Höhepunkt, bevor im triumphalen „Sanctus“ der Chor und die Solisten wieder vereint wurden. Der Wechsel zwischen Solisten und Chor mit sanfter Begleitung des Klaviers beim „Agnus dei“ zeigte das hervorragende Zusammenspiel aller Beteiligten.

An die Hundert Sänger umfasste der Kammerchor aus Markdorf und der Schweiz. Aber auch in diesem, für das Requiem Verdis kleinen Chor, entfaltete sich eindrücklich die Kraft des Musikstücks. Alle Beteiligten glänzten mit meisterlicher Finesse und gleichzeitig einer Leichtigkeit, die das sonst eher brachiale Werk spielerisch in Szene setzte.

Hatte von Beginn an der Dirigent der Musikfreunde, Uli Vollmer, den Chor dirigiert, so trat nach dem Offertorio der Dirigent aus Rohrdorf, Thomas Friedrich auf das Dirigentenpodest. Nach dem Sanctus hielt der Chor inne und das Glockengeläut der katholischen Kirche unterstrich die Feierlichkeit des Requiems. Auch am Ende des Konzertes setzten die Kirchenglocken ein großes Ausrufezeichen hinter diesen gelungenen Konzertabend. Die Zuhörer waren von der ungewöhnlichen Aufführung begeistert. Bereits vor vier Jahren hatten die Chöre ein Konzert gemeinsam ausgerichtet und man darf sich hoffentlich auf weitere Auftritte der befreundeten Chöre freuen.

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