Therapeutisches Reiten steht vor dem Aus

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Der Verein theraputisches Reiten Markdorf braucht dringend Geld, um weiterhin existieren zu können. Der vierjährige Anton auf de
Der Verein theraputisches Reiten Markdorf braucht dringend Geld, um weiterhin existieren zu können. Der vierjährige Anton auf der Araberstute Kirah und Lea Raphaela auf dem Kaltblut Hanno profitieren bereits vom Angebot des Vereins. (von links) Anika Schneider, Tina Frick und Astrid Presser hoffen auf Spendengelder. (Foto: Lydia Schäfer)
Lydia Schäfer

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Benny, Arina und Hanno haben bis heute vielen Menschen geholfen – jetzt benötigt der Verein Therapeutisches Reiten selbst Hilfe. Der Verein bietet in Hepbach beim Reitstall Köhl Hippotherapie und heilpädagogisches Reiten an und ihre Klienten kommen aus dem gesamten Bodenseeraum.

Heute ist er eine vom „Deutschen Kuratorium für Therapeutisches Reiten“ in den Bereichen Hippotherapie und Heilpädagogische Förderung mit Pferden anerkannte Therapieeinrichtung. Die Nachfrage an Therapieplätzen ist groß, doch Therapeutenmangel und der Unterhalt der Pferde hat den Verein, der sich hauptsächlich über Spendengelder finanziert, in eine finanzielle Schieflage gebracht.

Benny ist nach 22 Jahren als Therapiepferd in den Ruhestand gegangen. Nicht nur, dass er das mit seinen 28 Jahren verdient hat, er ist zudem chronisch herzkrank und benötigt Medizin. Für ihn hat der Verein jetzt Arina gekauft. Als neues Therapiepferd begleitet sie, ebenso wie das rheinische Kaltblut Hanno, Patienten, die einen Schlaganfall erlitten haben, Spastiken aufweisen oder Menschen, die mit einer geistigen oder körperlichen Beeinträchtigung leben. Hinzu kommt die Araberstute Kirah, die ihre Besitzerin Tina Frick, für einige Therapiestunden zur Verfügung stellt, um den Verein zu unterstützen.

Rumpfkoordination wird gefördert

Die Hippotherapie ist eine Form der Krankengymnastik zu Pferd. Während der Patient auf dem Pferd sitzt und im Schritt durch die Reithalle geführt wird, korrigiert die begleitende Physiotherapeutin Sitz und Haltung des Patienten. Der Schritt des Pferdes erfordert vom Reiter ständiges Ausgleichen, hierbei wird nicht nur der Gleichgewichtssinn ununterbrochen gefordert, sondern auch die gesamte Körpermuskulatur. „Es fördert die gesamte Rumpfkoordination“, sagt Anika Schneider, Vorsitzende des Vereins. „Wir haben viele Patienten mit neurologischen Problemen“, das schließe unter anderem Menschen mit multipler Sklerose, Schlaganfallpatienten oder auch Patienten nach einer Hirnblutung mit ein, benennt sie als Beispiele.

Als gelernte Physiotherapeutin könne man eine Ausbildung zum Hippotherapeuten machen. Das gilt auch für Erzieher oder andere soziale Berufe, die dann heilpädagogisches Reiten anbieten können. Diese finden in Kleingruppen statt und hier spielt neben dem Reiten auch die Pflege des Pferdes eine Rolle. Verantwortung werde hier spielerisch geschult. Zudem haben die Reiter zu Pferd oft taktile Aufgaben zu erledigen, wie beispielsweise farbige Reifen auf Stäbe zu stecken.

Doch die Zusatzausbildung ist teuer. Gut 6000 Euro kostet die zweijährige Weiterbildung, die von den Therapeuten jeweils selbst getragen wird. „Unsere Therapeuten erhalten zwar eine Aufwandsentschädigung für die Therapiestunden, aber die zusätzlichen Aufgaben, wie die Pflege und Gymnastizierung der Pferde ist ehrenamtlich“, so Schneider. Es sind nicht einmalige Anschaffungskosten, wie jetzt im Fall eines weiteren Therapiepferdes, sondern die laufenden Kosten, die dem Verein zusetzen. Stallmiete, Futter- und Tierarztkosten schlagen hier besonders zu Buche.

Hinzu komme, dass Therapieeinheiten gekürzt werden müssen, „da wir zu wenig ausgebildete Therapeuten haben“, erklärt Schneider. Weniger Therapiestunden bedeutet gleichzeitig weniger Geld in der Kasse des Vereins, dabei sei die Nachfrage groß. „Wir finanzieren uns hauptsächlich über Spenden“, die jetzt dringend benötigt würden, um weiterhin therapeutisches Reiten anbieten zu können.

Der Unterhalt von drei Pferden sei trotz des großen ehrenamtlichen Engagements des gesamten Teams so nicht mehr zu stemmen und der Fortbestand des Vereins in Gefahr, der im kommenden Jahr sein 40-jähriges Bestehen feiert.

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