Tüftler verbünden sich

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Gemeinsam für Technik begeistern wollen Karl Werkmeister (rechts), Reinhard Nedela (Zweiter von rechts) und Renate Hold (links)
Gemeinsam für Technik begeistern wollen Karl Werkmeister (rechts), Reinhard Nedela (Zweiter von rechts) und Renate Hold (links) (Foto: Schaffelke)
Schwäbische Zeitung
Christina Schaffelke

Kreieren und Reparieren: Das wollen die Technik-Profis des Reparatur-Cafés des Markdorfer Mehrgenerationenhauses (MGH) mit den jungen Kreativköpfen des Markdorfer Vereins Toolbox Bodensee. Beim Aktionstag am 17. Januar soll das Alt-Jung-Bündnis getestet werden. Das langfristige Ziel: Raus aus dem Werkstattkeller und rein in jüngere Zielgruppen.

Auf 25 Quadratmetern stapeln sich allerlei Gerätschaften, Werkzeuge und Pläne. Die Werkstatt des Reparatur-Cafés im Keller des Elektrogeschäfts MSB Nedela an der Markdorfer Poststraße ist eins: heimelig. „Wir platzen aber mittlerweile aus allen Nähten“, sagt Initiator Karl Werkmeister. Und: Manche Besucher finden die Technik-Profis erst gar nicht. „Wir reparieren in einem Lagerraum im Keller des Geschäfts, und Besucher trauen sich teilweise nicht in den Laden rein, weil sie denken, sie wären falsch.“ Deshalb überlegen die Reparaturhelfer, in die Räume der Kreativwerkstatt Toolbox ins Markdorfer Gewerbegebiet Riedwiesen umzuziehen. Heißt: Weg von der Stadtmitte und dem Wohnzimmerflair, dafür aber auf 250 Quadratmetern viel Platz und Parkplätze vor der Tür.

Mehr Platz, mehr Wissen

„Wir haben uns noch nicht hundertprozentig entschieden“, erklärt Werkmeister. Deshalb ist der Aktionstag an einem Samstag nicht nur die Chance für alle, die es unter der Woche nicht ins Reparatur-Café schaffen, sondern auch ein Test für die Helfer: Können sie mit dem anderen Equipment in den neuen Räumen arbeiten? „Die Kommunikation im kleinen Keller neben Kaffee und Kuchen war sehr familiär. Hier werden wir uns vielleicht verlaufen“, sagt der 64-Jährige und lacht.

Doch nicht nur das Mehr an Platz könnte entscheidend sein. Das Reparatur-Café will mit den Mitgliedern der Toolbox auch die jüngere Zielgruppe ansprechen. Denn bisher seien die Besucher des Cafés meist 40 Jahre oder älter. Für Renate Hold vom MGH ist klar: Alt und Jung könnten voneinander profitieren. „Das Reparatur-Café läuft sehr gut, und wir könnten natürlich einfach so weitermachen“, sagt Hold. „Aber wir wollen uns entwickeln und das Erfahrungswissen der Jungsenioren mit der jungen kreativen High-Tech-Welt verknüpfen.“

Die jungen Mitglieder der Toolbox würden sich dann nicht nur an 3D-Druckern, Platinen und Hardware austoben, sondern könnten auch lernen, einen Schaltplan zu verstehen. „Diese Verknüpfung von neuem Wissen und Industriewissen ist hochspannend für uns“, sagt Thomas Kekeisen, zweiter Vorsitzender des Vereins Toolbox. „Das Ziel ist auch für uns, dass hier das ultimative Zentrum für Kreative von Jung bis Alt entsteht.“

Weihnachtsaktion erfolgreich

Dass das Bündnis funktioniert, hat schon die Weihnachtsaktion von Reparatur-Café und Toolbox gezeigt. Mit Kindern haben sie LED-Sterne gelötet – ein Renner, besonders bei Mädchen. Schon am ersten Abend ist das Material ausgegangen. „Wir hatten einfach nicht mit dem großen Erfolg gerechnet“, gesteht Werkmeister. „Das war unser erster gelungener Brückenschlag mit Toolbox.“ Denn das Tüfteln an Computer und Co. soll Jugendliche für Technik begeistern und das Interesse für IT-Berufe wecken. Toolbox ist Zukunftswegweiser und Spielwiese in einem: „Wir machen den Nachwuchs fit für die Industrie“, sagt Kekeisen. Daher versuchen sie Partner aus der Industrie zu gewinnen, um etwa die Miete für den Vereinsraum zu finanzieren.

Auch für das Reparatur-Café sind solche Koooperationen entscheidend, um die Räume bei Toolbox anzumieten. Daher wollen sie ihre Projekte ortsansässigen Firmen vorstellen. „Wenn das erreicht ist und Firmen sehen, was wir in der Nachwuchsarbeit leisten, werden wir auch Schulen auf Kooperationen ansprechen. Denn sie hinken in ihrer technischen Ausstattung noch völlig hinterher“, erklärt Reparatur-Helfer Reinhard Nedela.

Altes wieder flottmachen

Am Aktionstag aber nehmen sich die Tüftler erstmal wieder längst aufgegebenen Geräten an – egal ob die geerbte Lampe von der Großtante einen Wackelkontakt hat, der Mixer nicht mehr anspringt oder das geliebte Spielzeug streikt. Einen besonderen Ansporn gibt es auch: Die Besucher können die Technikprofis mit einem besonders alten Gerät herausfordern. Wer das älteste Lieblingsstück vorbeibringt, gewinnt einen Gutschein für eine Torte aus dem Mehrgenerationenhaus.

Der nächste reguläre Termin des Reparatur-Cafés findet am Dienstag, 20. Januar, wieder an der Poststraße statt. Im Keller wird’s dann noch mal heimelig.

Der Aktionstag des Reparatur-Cafés mit der Toolbox Bodensee ist am Samstag, 17. Januar, von 10 bis 16 Uhr im Markdorfer Gewerbegebiet Riedwiesen an der Bergheimer Straße 4.

Weitere Infos unter:

www.toolbox-bodensee.de und www.mgh-markdorf.de

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