Streit beim Narrenring: Präsident wirft das Handtuch und verlässt die Sitzung

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Überraschung und Knatsch beim ANR: Gusti Reichle tritt als Präsident zurück.
Überraschung und Knatsch beim ANR: Gusti Reichle tritt als Präsident zurück. (Foto: Brigitte Walters)
Brigitte Walters

Knatsch beim Frühjahrs-Konvent des Alemannischen Narrenrings (ANR) am Samstag in der Leimbacher Mehrzweckhalle.

Kurz und knapp hat Narrenmeister und Präsident Augustin Reichle das Handtuch geworfen: „Ich trete nicht noch mal an“, er dankte für die letzten sieben Jahre, zog wütend die Krawatte aus und verließ die Halle durch den Seiteneingang. Die Wahl wurde abgesagt.

Hintergrund sind wohl Streitigkeiten 

Die Interessengemeinschaft Häfler Narrenzünfte, die Zünfte aus Ravensburg, Langenargen, Kressbronn, Nonnenhorn, Immenstaad, Kippenhausen, Ulm, Heiligenberg, Ahausen, Weißenau, Weingarten und einige andere haben, statt zu wählen, einen außerordentlichen Konvent des ANR gefordert, bei dem das Präsidium sich erklären soll und bei dem festgestellt werden soll, ob dieses Präsidium überhaupt noch arbeitsfähig ist.

Abgezeichnet hatte sich der Ärger nach vorliegenden Informationen aus einigen Zünften bereits vor einigen Tagen, als das Präsidium sich zu einer Sitzung traf.

Gusti Reichle hatte dort bereits angekündigt, nicht mehr antreten zu wollen, Hintergrund seien Streitigkeiten und verschiedene Auffassungen in zwei Lagern innerhalb des Präsidiums.

Jubiläum ohne Präsident?

Das wirft kein gutes Licht vor allem auf das im Sommer geplante Jubiläum des ANR, der vor 50 Jahren in Friedrichshafen gegründet worden war. In Kluftern soll im Juni dieses Jubiläum groß gefeiert werden. Ein Jubiläum dieser Art ohne einen Präsidenten?

Gusti ist bestimmt nicht fröhlich und zufrieden gegangen

Oliver Venus, Zunftmeister der Seegockel Friedrichshafen

Reichle, der aus der Narrenzunft „Hugeloh“ Leimbach kommt, wurde 2013 zum Narrenmeister und Präsidenten des ANR gewählt. Das Präsidium hatte nach Reichles Abgang Markus Stark, den bisherigen Vize-Narrenmeister, zur Wahl vorgeschlagen. Das aber kam nicht gut an.

„Gusti ist bestimmt nicht fröhlich und zufrieden gegangen“, meldete sich Oliver Venus, Zunftmeister der Seegockel Friedrichshafen, beim Konvent zu Wort. Es sei offenbar einiges im Präsidium in den vergangenen Monaten schiefgelaufen.

Präsidium äußert sich nicht

Der ANR sei der Zusammenschluss der Zünfte und man werde den Eindruck nicht los, dass das Präsidium sich von den Zünften entferne. Und jetzt sei sicher nicht der richtige Moment, zu wählen, das Präsidium solle sich zu den Vorkommnissen äußern und dann solle es eine Aussprache dazu geben. Doch von den Mitgliedern des Präsidiums kam kein Wort.

Die Wahlen kamen nicht zustande, Wahlleiter Wolfgang Dieminger sah sich nicht mehr in der Lage, diese Wahlen stattfinden zu lassen. Bei dem außerordentlichen Konvent, das von den genannten Zünften gefordert wurde, hat das Präsidium Gelegenheit, sich zur Lage zu äußern.

Zu Beginn des Konvents hatten Augustin Reichle und Oliver Venus positive Bilanz des Ringtreffens in Friedrichshafen gezogen. Viele Zuschauer habe es beim Kinderumzug am Samstag gegeben, bei dem gut 60 Zünfte mit ihrem Nachwuchs vertreten waren. Die Seegockel seien sehr zufrieden mit dem Ringtreffen, erklärte Venus, einziger Wermutstropfen sei das Wetter gewesen.

Ringtreffen kommen an Grenzen

Für die Zukunft sei zu klären, ob Ringtreffen noch geeignet seien, sich zu präsentieren, auch mit dem Blick auf die immer strenger werdenden gesetzlichen Auflagen. Bei der Teilnahme von 90 Zünften sei die Veranstaltung am Rande der Kapazität, eine Deckelung sollte überlegt werden, regte Venus an.

Es sei großer Aufwand, ein Ringtreffen durchzuführen, und es sei mit großem finanziellen Risiko verbunden. Für die Seegockel habe es jedoch einen Überschuss gegeben.

Livestream Narrensprung Ringtreffen

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