Socialbit ist „am Versuch zu wachsen gescheitert“

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Socialbit meldet Insolvenz an

Knapp sieben Jahre nach der Firmengründung hat die Firma Socialbit aus Markdorf Insolvenz angemeldet

Schwäbische Zeitung

Hohe Kosten und offene Kundenforderungen auf der einen, ein zu kleines Eigenkapital und zu geringe Kredite auf der anderen Seite: Das junge Markdorfer Unternehmen Socialbit hat knapp sieben Jahre nach Firmengründung Insolvenz angemeldet.

„Es war der Versuch zu wachsen, an dem wir gescheitert sind“, erklärt Thomas Kekeisen, Geschäftsführer von Socialbit, die Insolvenz des jungen Markdorfer Unternehmens (die SZ berichtete). Letztlich hätten diverse Gründe dafür gesorgt, dass er gemeinsam mit Andre Thum, dem zweiten Geschäftsführer der Agentur, Ende 2016 die Reißleine ziehen musste, sagte Kekeisen am Donnerstag auf Nachfrage der Schwäbischen Zeitung. Unter anderem seien die laufenden Kosten zu hoch gewesen, zudem hätten einige Kunden die Forderungen nicht begleichen. „Im Einzelnen wären die Posten nicht relevant gewesen, aber in der Summe war’s letztlich zu viel“, sagte der 27-Jährige. Das Stammkapital, das im August vergangenen Jahres sogar noch erhöht werden konnte, habe hingegen nur rund 32000 Euro betragen. „So gesehen schon wenig“, wie er sagte.

Im Dezember 2016 habe Kekeisen die Zahlen des Unternehmens neu evaluiert, „und da stand dann fest, dass wir in einer Krise stecken“. Abgezeichnet habe sich die Problematik nicht. „Es passierte alles ziemlich kurzfristig,“ sagte Kekeisen. Weder die Auftragslage noch der Standort hätten mit der Pleite etwas zu tun. „Das war zu keinem Zeitpunkt ein Problem, eher im Gegenteil.“

Einen Tag vor Weihnachten entschieden die Geschäftsführer gemeinsam mit ihren Anwälten, „dass das Weiterführen der Firma einfach keinen Sinn mehr hat“. Am selben Tag stellten sie den Antrag auf Insolvenz. Zu diesem Zeitpunkt waren zwischen acht und zehn Mitarbeitern in der Agentur beschäftigt. Zwischenzeitlich sei der Großteil von ihnen bereits vermittelt worden und habe einen neuen Job. Wie es bei Kekeisen beruflich weitergeht, steht indes noch offen. „Sobald die Insolvenz abgewickelt ist, werde ich entscheiden, ob ich künftig als Arbeitnehmer oder als Arbeitgeber arbeiten werde.“ Im Vorstand des Vereins Toolbox Bodensee, den Socialbit gegründet hat, wolle Thomas Kekeisen weiterhin bleiben.

„Sie hatten sehr viel Potenzial“

Ein positives Signal, das auch in der Markdorfer Stadtverwaltung auf Zustimmung stößt. „Die Toolbox ist zu einem wichtigen Pfeiler für die Jugendlichen in der Stadt geworden“, sagte Bürgermeister Georg Riedmann. Von der Nachricht über die Insolvenz sei er „vollkommen überrascht“ worden. Er bedauere die Entwicklung des Unternehmens, das über viele Jahre Preise und Auszeichnungen einheimste. „Sie hatten sehr viel Potenzial“, sagte Riedmann.

Potenzial und Können, das auch die Stadt Markdorf nutzte. Die Applikation zum Stadtfest programmierte Socialbit, auch die Online-Anmeldung für die Aktion Ferienspiele wickelte die Agentur ab. Dass für Letzteres eine Alternative gefunden werden muss „ist nicht ganz unproblematisch. Wir müssen relativ schnell eine Lösung dafür finden.“

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