Seven bringt Markdorf zum Kochen

Lesedauer: 7 Min
Tim Jonathan Kleinecke

Dankeschön, Wetterfrosch! Eine gute Stunde vor Beginn sah der Himmel noch ganz schön düster aus, doch dann verzogen sich die Wolken. Allerdings hielt sich im Gegensatz zu den Vortagen der Andrang arg in Grenzen. Etwa 500 Besucher waren gekommen, um Seven und Flo Mega zu sehen. Schade, denn beide Konzerte haben sich absolut gelohnt.

Flo Mega weckt die Besucher gleich auf: „Leute vom See, wo seid Ihr? Leute vom See, könnt Ihr übers Wasser gehen?“ Der Bremer Sänger und seine vierköpfige Band heizen ein mit einer Kombination aus altem Soul, knackigem Funk und Disco, mit deutschen Texten und lustigen Ansagen. Nur mit Piano-Begleitung erzählt er spontan Geschichten über eine Spinne, die ihr Netz gegenüber zwischen Antennen baut, und sie „schaut auf Eure kleine Stadt. Und ich behaupte, sie tut es aus Liebe. Auch wenn sie nicht weiß, was das ist.“

Die Band, alle im Schneeleopardenhemd, groovt vorzüglich. Mega erweist sich als absolute Rampensau, mit Tarnhemd, Karo-Kappe und dazu passenden Socken ist er auch modisch ein Trendsetter. Ab und zu scheint seine Rap-Vergangenheit durch, sein Gesang kann mit den Entertainer-Qualitäten nicht ganz mithalten. Aber er schreibt gute Texte und hat Humor: „Markdorf, habt Ihr alle Arbeit?“ fragt er vor einer Ballade, die Hoffnung macht: „Du bist eine Blume, aber niemand hat es Dir gesagt. Hab keine Scheu, denn Schönheit blüht im Verborgenen.“

Während der Umbaupause erzählt Frank (51), der in der Nähe von Duisburg wohnt und mit seiner schwangeren Frau Corinna schon am Vortag in Liechtenstein bei Seven war, dass dies sein 94. Seven-Konzert ist und sie der Band sogar schon nach Bulgarien gefolgt sind – Edel-Fans, die auch die Band-Mitglieder schon kennengelernt haben.

Großer Jubel, als Seven und seine Band die Bühne betreten. Der Schweizer hat zuhause und in England eine weit größere Fan-Gemeinde als in Deutschland. Aus Soul, Pop, R&B und Funk braut er einen tanzbaren Cocktail, der auch auf dem Markdorfer Marktplatz zündet. Der 40-jährige wechselt zwischen Englisch und Deutsch, macht einen Samy DeLuxe-Song zu seinem eigenen: „Ich hab gehört“ beschreibt die vielen Gerüchte, die über Promis geschrieben werden und oft erlogen sind. Dann macht Seven etwas, wovon er selbst abrät: Er covert Stings „Bring On The Night“! Den Titelsong „eines der besten Alben überhaupt“ packt er zusammen mit seinem eigenen „Informed“ in ein jazzig-virtuoses Medley.

Seven ist ein richtig guter Sänger mit einer breiten Palette von Ausdrucksmöglichkeiten. Seine Band ist hervorragend eingespielt: Extrem cool, sowohl wegen des Miles Davis-Shirts und passendem schwarzen Lederhut wie auch wegen seines Spiels, ist der Gitarrist Raphael Jakob. Die Keyboarderin Rose Ann Dimalanta spielte einst sogar mit Prince. Apropos: Dass der ein großer Held für Seven ist, hört man öfters. Wenn der Schweizer allerdings gelegentlich ins Falsett wechselt, wirkt er eher wie eine Westentaschenausgabe des früh verstorbenen Genies – und der hätte sicher auch nie in Jogginghose ein Konzert gespielt.

Egal, Seven spielt viele Hits und kommuniziert vergnügt mit dem Publikum: Die Parkplatz-Linien deutet er um in ein „Schachbrett der Liebe“ und schmachtet Balladen mit Piano und Cello. Gegen Ende gibt’s nochmal viel Funk, viel Power und viel Glückseligkeit im Publikum.

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