Sänger sollen sich in der Höhe „wirklich wohlfühlen“

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Nikolaus Henseler probt mit der Camerata Serena für das Passionskonzert am 2. März in St. Magnus Fischbach. (Foto: Helmut Voith)
Schwäbische Zeitung
Christel Voith

Kaum sind die Fasnetsgirlanden abgehängt, hört man bereits Jesu schmerzliche Klage am Kreuz: „Mein Gott, warum hast du mich verlassen?“ Wer ein Passionskonzert aufführen will, steckt längst in den Proben, so auch die „Camerata Serena“, die unter ihrem neuen Leiter Nikolaus Henseler für Samstag, 2. März, ihr zweites Konzert in St. Magnus in Fischbach angesagt hat.

Ein Passionsprogramm hat Henseler zusammengestellt, das Frühbarock und Romantik verbindet und von Christi Schmerz zu Heinrich Schütz’ tröstlicher, friedensvoller Motette „Selig sind die Toten, die im Herrn sterben“ führt. Seit dem Auftaktkonzert der neuen Camerata Serena im vergangenen November sind weitere Sängerinnen und Sänger hinzugekommen, so dass Henseler in dem reinen A-cappella-Konzert sogar ein doppelchöriges Werk aufführen kann, Johann Sebastian Bachs Motette „Ich lasse dich nicht“ für zwei vierstimmige Chöre.

Welch schönen, kultivierten Chorklang der neue Leiter anstrebt und einfordert, war am Samstagnachmittag bei einer Probe im Bildungszentrum Markdorf zu erfahren. Ungeachtet der Beobachter von der Schwäbischen Zeitung beginnt er mit umfangreichen Lockerungs- und Atemübungen, höher, tiefer, auf- und abschwellend: „Für jeden Ton Zeit lassen, nicht explodieren - ihr müsst versuchen, euch in der Höhe wirklich wohlzufühlen – nun wieder Moll und piano, ganz geheimnisvoll...“ Große Beachtung schenkt er auch der Sprache, der sauberen Intonation: „Wir wollen den Zuhörern ja was erzählen.“

Mit Mendelssohn Bartholdys Psalmmotette op. 78 zu Psalm 22 „Mein Gott, warum hast du mich verlassen?“ wird ein zentrales Stück des Konzerts geprobt. „Wir wollen die ganze dynamische Bandbreite ausnützen“, sagt Henseler und schon setzt der Tenorsolist mit dem klagenden Ruf des Psalmisten ein und der Chor nimmt die Klage auf. Im zweiten Teil der Motette steht ein Solistenquartett dem Restchor gegenüber, dynamisch alternieren sie. Und wieder wird an der Intonation gearbeitet, ganz gestochen wünscht Henseler den dringlichen Ruf: „Und errette ihn“. Doppelchörig geht das Werk zu Ende. Ein kleiner Einblick in ein klug konzipiertes Konzert, das weitere Höhepunkte verspricht, angefangen beim etwa zwanzigminütigen klangschönen „Requiem in Es“ von Josef Gabriel Rheinberger. Johann Sebastian Bachs Choräle „Komm, o Tod, du Schlafes Bruder“ und „O Haupt voll Blut und Wunden“ rahmen die polyphone achtstimmige Motette „Crucifixus etiam pro nobis“ aus dem Credo in F-Dur von Antonio Lotti ein. Mit der doppelchörigen Motette „Ich lasse dich nicht“ folgt auf Mendelssohn noch einmal Bach. Zwei Cello-Duos runden das Passionskonzert ab, das mit Heinrich Schütz tröstlich ausklingt.

Das Passionskonzert findet am Samstag, 2. März, in St. Magnus in Friedrichshafen-Fischbach statt, Beginn 16 Uhr. Eine zweite Aufführung ist am Sonntag, 3. März, in der Franziskanerkirche in Überlingen um 17 Uhr.

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