Rathausareal: Hotel bräuchte ein klares Konzept

Lesedauer: 6 Min
Auf dem Rathausareal könnte ein Hotel entstehen.
Auf dem Rathausareal könnte ein Hotel entstehen. (Foto: Barbara Baur)

Robert Cordes rechnet damit, dass für den Bau des Hotels 18,5 Millionen Euro investiert werden müssten, eine Tiefgarage ist dabei nicht berücksichtigt. Der Investor müsste rund 30 Prozent Eigenkapital aufwenden, also 5,5 Millionen Euro. Den Jahresumsatz schätzt er auf rund 6,4 Millionen Euro. Die jährlichen Kosten belaufen sich auf rund 6,1 Millionen Euro, wobei die Pacht auf gut 1,2 Millionen Euro angesetzt wird. Der Pächter hätte Investitionskosten in Höhe von 200 000 Euro zu übernehmen. Bei einer Auslastung von 68 bis 70 Prozent könnte das Hotel nach Abzug der Steuern jährlich rund 175 000 Euro Gewinn erzielen.

Cordes wies darauf hin, dass mit dem Hotel 50 bis 60 Arbeitsplätze geschaffen werden, die wiederum Kaufkraft nach Markdorf bringen. Wie die Kosten für die Tiefgarage aufgeteilt werden könnten, ist laut Riedmann schwierig zu berechnen, weil sie auch als Fundament für das Hotel dienen würde.

Ein Hotel auf dem Markdorfer Rathausareal mit etwa 100 Zimmern und einem Restaurant könnte wirtschaftlich erfolgreich betrieben werden. Zu diesem Ergebnis kommt das Fachbüro Cordes und Rieger aus Kiel, das den Standort untersucht hat. Das Stuttgarter Büro Baldauf hat einen Entwurf erarbeitet, wie solch ein Hotel aussehen könnte. Beide Büros stellten ihre Arbeiten am Dienstag dem Gemeinderat vor.

Hintergrund ist der geplante Umzug der Verwaltung in das Bischofsschloss. Kommt es dazu, wird ein großes Grundstück in der Innenstadt frei. Beide Planungen hängen davon ab, ob es einen Bürgerentscheid zu dem Thema geben wird und wie dieser dann ausfallen würde. Würde das Rathaus umziehen, soll die Planung für das Rathausareal im Frühjahr fortgesetzt werden – mit einer erneuten Bürgerbeteiligung. Deshalb war es Bürgermeister Georg Riedmann wichtig zu betonen, dass das Projekt noch nicht in die entscheidende Phase eingetreten ist. „Das ist ein Modell, wie es aussehen könnte“, sagte er. Eine Alternative wäre ein Vollsortimenter in Verbindung mit Wohnbebauung. Eine Supermarktkette habe ernsthaftes Interesse bekundet.

Tiefgarage als Fundament

Markus Gräter vom Büro Baldauf erläuterte, wie das Hotel aussehen könnte. Demnach sollte die Zufahrt von der Ravensburger Straße aus erfolgen. Der U-förmige Bau hätte einen Hotelgarten auf der Freifläche in der Mitte. In den Gebäuden wäre Platz für Veranstaltungsräume und ein Restaurant. Das Foyer wäre zur Marktstraße hin ausgerichtet, genauso wie das Restaurant, das mittels einer Glasfassade einen direkten Bezug zu Markdorf bekommen sollte. Als Fundament könnte eine Tiefgarage mit bis zu zwei Ebenen gebaut werden.

Das ehemalige Gasthaus Adler könnte als Boarding House in den Hotelbetrieb integriert werden. Der englische Begriff bezeichnet einen Beherbergungsbetrieb mit Zimmern oder kleinen Appartements mit jeweils eigenen Kochmöglichkeiten. Das Angebot würde sich vor allem an Geschäftsleute richten, die sich etwas länger in einer Region aufhalten und sich selbst versorgen wollen.

Gräter beschrieb, wie das Hotel optisch in die Altstadt integriert werden könnte. „Die Gebäude wären unterschiedlich hoch“, sagte er. Auch von den Formen her orientieren sich die Planer an der Umgebung und den bestehenden Gebäuden – der Haupttrakt würde dem aktuellen Rathaus sehr ähnlich sehen. Ein Walmdach könnte mit Flachdächern kombiniert und diese intensiv begrünt werden. Er will keinen „langen Riegel“ in die Innenstadt einschieben, sondern die Gebäude mit Vor- und Rücksprüngen versehen. „Wir sehen die Basis für eine Hotelnutzung aus städtebaulicher Sicht als gegeben“, zog er sein Fazit.

Robert Cordes und Ute Rieger aus Kiel sind spezialisiert auf Gastronomie-, Hotellerie- und Tourismusberatung. Sie haben geprüft, ob Markdorf ein geeigneter Standort für ein Hotel dieser Größe ist. Für ihre Analyse bezogen sie die Region und bestehende Hotels mit ein. Ihr Fazit: Potenzial sei vorhanden, die Innenstadt würde profitieren, Markdorf könnte seine Attraktivität steigern. „Es kann funktionieren, wenn das Hotel ein alle Bereiche umfassendes Gesamtkonzept vorweist, das die Gäste begeistert“, sagte Ute Rieger. Möglich wäre etwa, die Stadtgeschichte aufzugreifen, Historisches und Modernes miteinander zu verbinden und das Hotel daran angelehnt opulent auszustatten. Andererseits könnte es unter diesem Motto aber auch sehr reduziert und urban gestaltet werden. Darüber hinaus könnte das Hotel davon abgekoppelt und der Fokus auf Nachhaltigkeit und Gesundheit gelegt werden.

Einen Beschluss hatte der Gemeinderat nicht zu fassen, doch die vorgestellten Entwürfe stießen in den Fraktionen auf Anklang. Susanne Sträßle (CDU) nannte die Pläne „sehr gelungen“, Martina Koners-Kannegießer (CDU) lobte, wie die Architekten ihre Planungen in die Altstadt integrieren. Arnold Holstein (Freie Wähler) wies darauf hin, dass es noch Jahre dauern würde, bis das Hotel fertig wäre. Deshalb sollte die Stadt versuchen, die Gewerbetreibenden unterstützen und „die hotellose Zeit mit möglichst wenig Schaden zu überbrücken“.

Robert Cordes rechnet damit, dass für den Bau des Hotels 18,5 Millionen Euro investiert werden müssten, eine Tiefgarage ist dabei nicht berücksichtigt. Der Investor müsste rund 30 Prozent Eigenkapital aufwenden, also 5,5 Millionen Euro. Den Jahresumsatz schätzt er auf rund 6,4 Millionen Euro. Die jährlichen Kosten belaufen sich auf rund 6,1 Millionen Euro, wobei die Pacht auf gut 1,2 Millionen Euro angesetzt wird. Der Pächter hätte Investitionskosten in Höhe von 200 000 Euro zu übernehmen. Bei einer Auslastung von 68 bis 70 Prozent könnte das Hotel nach Abzug der Steuern jährlich rund 175 000 Euro Gewinn erzielen.

Cordes wies darauf hin, dass mit dem Hotel 50 bis 60 Arbeitsplätze geschaffen werden, die wiederum Kaufkraft nach Markdorf bringen. Wie die Kosten für die Tiefgarage aufgeteilt werden könnten, ist laut Riedmann schwierig zu berechnen, weil sie auch als Fundament für das Hotel dienen würde.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen