Rathaus: Bürger uneinig über Sanierung oder Neubau

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 Die Teilnehmer des Bürgerdialogs warten auf den Start zur Besichtigung des Rathauses.
Die Teilnehmer des Bürgerdialogs warten auf den Start zur Besichtigung des Rathauses. (Foto: Brigitte Walters)
Brigitte Walters

Deutlich weniger Bürger als zur Auftaktveranstaltung des Bürgerdialogs in Markdorf sind am Freitag zur zweiten Veranstaltung zur Stadtentwicklung gekommen. Etwa 120 Interessierte wollten in der Stadthalle über die Zukunft des Rathausgebäudes informiert werden und diskutieren. Beim ersten Termin im März waren es etwa doppelt so viele.

Nach dreieinhalb Stunden Information, Besichtigung und Diskussion, wurde bei der Nachfrage zum Stimmungsbild deutlich, wie schwer eine Entscheidung ist. Es gab etwa eine Drittelung der Stimmen, als es um die Frage Sanierung, Neubau oder keines von beiden ging. Dabei hatten die Stimmen für die Sanierung des Rathauses eine leichte Mehrheit.

Ziel des Abends war es, verschiedene Szenarien zum Rathaus zu erörtern und neue Ideen zu entwickeln. Soll das Rathaus saniert werden mit einer Erweiterung nach Süden oder sollen Ämter ausgelagert werden? Oder soll das Rathaus abgerissen und am jetzigen oder einem anderen Standort in der Innenstadt neu gebaut werden? Dabei sind die bewilligten Fördermittel von 4,6 Millionen Euro aus dem Landessanierungsprogramm ein wichtiger finanzieller Faktor. Das Regierungspräsidium Tübingen will bis zum Sommer wissen, ob Planung und Realisierung bezüglich Rathaus innerhalb von drei Jahren zu schaffen ist.

Kämmerer Michael Lissner gab einen kurzen Überblick über die städtischen Finanzen, welche Rücklagen vorhanden sind, welche Vorhaben in den nächsten Jahren anstehen, wie Sanierung und Umbau der Jakob-Gretser-Grundschule und der Kindergarten in Markdorf-Süd. Sein Fazit: Die Stadt ist handlungsfähig, Investitionen können nur bei weiterhin guter Konjunkturlage und optimalen Zuschüssen umgesetzt werden. Das erfordere einen erheblichen zeitlichen Vorlauf.

52 Jahre altes Rathaus weist Bauschäden auf

Welche Planungen es zum Rathaus in den letzten zehn Jahren gab, erläuterte kurz Tina Hekeler von der Konstanzer Agentur Translake. Das Büro moderiert den Bürgerdialog für die Stadt. Danach ging es zum Rathaus. In mehreren Gruppen ging es rund um das Gebäude. Innen wurden einige Büroräume und der kleine und große Sitzungssaal besichtigt. Dabei wurde auf die Bauschäden, fehlende Dämmung und den Brandschutz hingewiesen. Fenster und Installationen sind so alt wie das Gebäude, 52 Jahre. Ebenso wurde deutlich, dass die Büros nicht mehr den heutigen Ansprüchen an einen modernen Arbeitsplatz genügen.

Nach der Rückkehr in die Stadthalle wurde in Tischgruppen eifrig über Vor- und Nachteile von Sanierung oder Neubau des Rathauses diskutiert. Deutlich spürbar war eine Unsicherheit bei den Anwesenden, da bisher keinerlei Kosten für Sanierung oder Neubau errechnet wurden. Einige Bürger bevorzugten den Neubau am jetzigen Standort, mit Tiefgarage an der Ravensburger Straße. Andere wollten mit der Sanierung sofort anfangen, obwohl damit die anstehende Planung für die zukünftige Stadtentwicklung eingeschränkt werde.

Dialog wird nach der Sommerpause fortgesetzt

„Weder Sanierung noch Neubau. Wir haben eine gute Lösung mit dem Umzug ins Bischofsschloss“, stellte eine Bürgerin fest. Andere bevorzugten zuerst eine Ermittlung der Kosten, um danach über Sanierung oder Neubau zu entscheiden. Das Ergebnis des Abends wird im Gemeinderat diskutiert. Der Bürgerdialog wird nach der Sommerpause fortgesetzt, kündigte Bürgermeister Georg Riedmann am Freitag an.

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