Probleme in Markdorf und Konstanz sind vergleichbar

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Ernst Arnegger (links) begrüßt den Konstanzer OB Uli Burchardt zur Gesprächsrunde „I mein‘ halt“.
Ernst Arnegger (links) begrüßt den Konstanzer OB Uli Burchardt zur Gesprächsrunde „I mein‘ halt“. (Foto: Brigitte Walters)
Brigitte Walters

Die Größe der Städte Konstanz und Markdorf ist unterschiedlich, doch die Probleme sind ähnlich, so ein Fazit der „I mein‘ halt“-Gesprächsrunde am Mittwoch im Obertor. Diesmal hatte der ehemalige Kreisrat Ernst Arnegger den Oberbürgermeister von Konstanz, Uli Burchardt als Gesprächspartner eingeladen. Sei es die historische Kernstadt, der Verkehr, knapper Wohnraum und ganz aktuell der Beschluss zum Klima-Notstand, in Konstanz ist alles etwas größer, allerdings ist die Stadt in Bezug auf Bürgerbeteiligung bereits einen Schritt weiter, es gibt einen Mitarbeiter im Rathaus der für Bürgerbeteiligung zuständig ist und diese Aufgabe bei den verschiedenen Vorhaben bisher gut erfüllt hat.

Mit den Themen Wirtschaft, Verkehr und Wohnen sei er beim OB-Wahlkampf 2012 angetreten, sagte Uli Burchardt. Zudem wollte er das Konzil-Jubiläum gebührend feiern und ein Veranstaltungshaus sollte entstehen. Die beiden letzten Punkte seien nun erledigt. Beim Thema Wirtschaft gehe es nicht so schnell, die Stadt habe kaum noch Industrie, es gelte, den Wirtschaftsstandort neu zu entwickeln. Dazu wurde ein Handlungsprogramm vom Gemeinderat beschlossen. Ein Vorteil für die Unternehmen, denn es gebe Tausende hochqualifizierte junge Leuten an den beiden Hochschulen. Ein Teil dieser Fachkräfte solle in Konstanz gehalten werden.

Das Problem dabei: es gebe kaum mittelpreisigen Wohnraum für junge Familien. In einem Handlungsprogramm hat der Gemeinderat deshalb beschlossen, bis 2035 7900 neue Wohnungen zu bauen.

Mit den heutigen Flächen sei dies nicht machbar, stellte Burchardt fest, deshalb soll es im Westen der Stadt einen neuen Stadtteil geben, mit 45 Hektar für Wohnungen und 15 Hektar für Gewerbe. Dabei habe die Stadt von Beginn an die Bürger in die Überlegungen und Planungen miteinbezogen, ebenso wie in andere städtebauliche Entwicklungsmaßnahmen. Der neue Stadtteil soll klimaneutral gebaut und der Spekulation entzogen werden.

Dabei setze Konstanz verstärkt auf das Fahrrad, und es habe bereits erste Fortschritte gegeben. Im Masterplan Mobilität habe der Gemeinderat eine Fülle von Maßnahmen beschlossen. So soll im nächsten Jahr die Straße zwischen Lago und Konzil für den Autoverkehr gesperrt werden. Angestrebt werde, den Verkehr einen Ring weiter rauszuschieben und das Auto stehen zu lassen. Städte sollten nicht für Mobilität, sondern für Aufenthaltsqualität für alle Generationen geschaffen werden, wünschte sich der OB.

Der Beschluss zur Erklärung des Klima-Notstandes habe enorme Aufmerksamkeit erregt und es habe viele Rückmeldungen gegeben – von „den Urlaub in Konstanz streichen“ bis zu Lob und Bewunderung. Irgendwann werde der Beschluss zu Konflikten führen, nämlich dann, wenn es Geld kostet, sagte Burchardt. Bisher sei alles getan worden, was für Kinder gut ist, Straßen saniert und Schulden abgebaut. Jetzt sollten Überlegungen angestellt werden, ob es nicht besser sei, ein Investitionsprogramm für den Klimaschutz zu starten, das über Darlehen finanziert werde. Darüber werde in den nächsten Monaten im Gemeinderat diskutiert.

In der anschließenden Diskussion ging es beim Thema Verkehr um die Kosten der Fähre und die Verbesserung der Taktzeiten für den Städteschnellbus. Hier müsse sich das Land mehr beteiligen, wie in anderen Bereichen des ÖPNV, entgegnete Burchardt. Über die Einstimmigkeit beim Klimabeschluss sei er genauso überrascht gewesen, wie die Gemeinderäte, antwortete Burchardt auf die entsprechende Frage eines Gastes.

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