„Nicht lachen, immer schön weiteressen“

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Kuchen klauen beim imaginären Nachbarteller: Die Proben zum Opernprojekt verlangen den Musikfreunden Markdorf einiges ab, machen

Herausfordernd und zugleich bereichernd ist die Vorbereitungsarbeit für ein besonderes Projekt der Musikfreunde in Zusammenarbeit mit Regisseur Mathias Behrends. Am 29. und 30. November wird „Eine fantastische Reise durch die Welt der Oper“ im Graf-Zeppelin-Haus in Friedrichshafen aufgeführt.

Erwartungsvoll schauen die Chormitglieder Professor Behrends an. „Wie wird er die Brautszene aus Wagners Oper Lohengrin interpretieren?“, scheinen sie sich zu fragen. Sie kennen und schätzen ihn aus ihrer sieben Jahre zurückliegenden Zusammenarbeit in der Ausarbeitung der Johannes-Passion. Der Regisseur klatscht kurz in die Hände und gibt mit strahlendem Gesicht knappe, szenische Handlungsanweisungen. „Sucht Euch einen Teller und eine Kuchengabel mit imaginärem Gebäck“, weist er die Chormitglieder an. Sie beginnen zunächst zögerlich, dann immer deutlicher, rhythmisch zu kauen. „Das ist kein Aldi-Kuchen“, tönt es aus der Regieecke. Die rund 60 Sänger und Sängerinnen wissen sofort, was gemeint ist und genießen ab sofort das köstliche Gebäckstück, das auf ihrem Papier-Blatt-Teller zu sein scheint. Schnell lernen sie und saugen förmlich auf, was der in der szenischen Arbeit erfahrene Professor ihnen vorgibt.

Gleichzeitig kauen und singen

Was Behrend ihnen abverlangt, ist nicht gerade wenig. Nicht genug, dass sie gleichzeitig kauen und singen müssen. Musikalisch fein abgestimmt mit dem musikalischen Leiter Uli Vollmer wird nun die gesamte Stehparty zur Hochzeit szenisch umgesetzt. Das bedeutet für die Akteure, mit einem Auge beim Regisseur, mit dem anderen beim Dirigenten zu sein. Zur ursprünglichen Opernhandlung gegenläufige Momente wie das Klauen vom Nachbarkuchenteller sorgen für Unruhe und Amüsement. „Nicht lachen, immer schön weiteressen.“ Den Regisseur hält es nicht mehr auf seinem Stuhl. Schon schnappt er sich eine Kuchengabel und schreitet der Chorparty voran.

Nach zweistündigem intensiv-tapferen Kauen, Singen, Klauen und Drehen ist Behrend mit dieser Sequenz zufrieden. Die Sänger bekommen ihre wohlverdiente kleine Verschnaufpause - aber nur für fünf Minuten. Dann geht es weiter mit einem der 13 Opernsegmente. Angestrengt zwar, aber offensichtlich glücklich stehen sie in der Pause in Grüppchen zusammen oder sitzen einfach nur entspannt da. „Es ist total schön, so zu arbeiten“, lautet ihre einhellige Meinung zu dem opernkonträren Ansatz Behrends, statt der Solisten den Chor in den Mittelpunkt zu rücken. Natürlich wird es auch Solisten wie die Sopranistin Alessandra Boer und Mezzosopranistin Isabel Devaux geben. Die spielen diesmal aber nicht die Hauptrolle. „Sie sind sozusagen das Salz in der Suppe“, erklärt Behrend.

Wer das ungewöhnliche Opernprojekt „Eine fantastische Reise durch die Welt der Oper“ der Musikfreunde Markdorf sehen und hören möchte, kann ab sofort Karten bei der Buchhandlung Wälischmiller in Markdorf, im Musikhaus Fischer in Friedrichshafen und an der Abendkasse bekommen.

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