Naturschutz mit Geschichtsbewusstsein

 Franz Beer (rechts) begrüßt über 20 Helfer des BUND und des Rotary Clubs Markdorf zur Pflege der „Siechenwiesen“.
Franz Beer (rechts) begrüßt über 20 Helfer des BUND und des Rotary Clubs Markdorf zur Pflege der „Siechenwiesen“. (Foto: RC)
Schwäbische Zeitung

Mitglieder der BUND-Ortsgruppe und des Rotary Clubs Markdorf haben sich zur gemeinsamen Landschafts- und Geschichtspflege bei den „Siechenwiesen“ am Ortsrand in Richtung Bermatingen getroffen.

Die Entholzungsaktion der Feuchtwiesen dient der Erhöhung der Artenvielfalt dieses Biotops, heißt es in einer Pressemitteilung. Durch die lichten Stellen siedeln sich mehr Insekten und Kleinlebewesen an, die die Grundlage für ein gut funktionierendes und vielfältiges Öko-System bieten, erläutert Franz Beer als Vorstandsmitglied der BUND-Ortsgruppe.

Die „Siechenwiesen“ boten einst eine wirtschaftliche Grundlage für die beiden Siechenhäuser außerhalb der Stadtmauern Markdorfs, wo in vergangenen Jahrhunderten „dahinsiechende“ Kranke aus Angst vor Ansteckung versorgt wurden. Ein östlich beim alten Friedhof gelegenes Siechenhaus, später Werkstatt der Zimmerei Viellieber, befand sich hinter dem Heilig-Geist-Spital bei der bereits im 14. Jahrhundert erwähnten Mauritiuskapelle. Mangels wirksamer medizinischer Mittel gegen Pest, Pocken und Lepra war die ab 1515 erwähnte Markdorfer Heilquelle bei den Auen ein gefragter Krankenmagnet, deren 1775 attestiert hoher Schwefelgehalt eine gewisse Heilwirkung – neben dem Heilmittel „Glaube“ – erklärbar macht, so die Mitteilung weiter.

Die Quelle – heute vom Schulamt überbaut – verglich der Markdorfer Arzt Schedler in ihrer Heilwirkung mit der Überlinger Quelle, die sogar die „Plattern (Pocken) vertreybt“. Mit dem heilsamen Quellwasser wurden sicher auch die Kranken des westlichen Markdorfer Siechenhauses bei den noch heute daran erinnernden „Siechenwiesen“ versorgt, um deren Pflege sich BUND und Rotary Club derzeit bemühen.

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