Narren polieren Landauer auf

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Die neuen Kotflügel des Landauers wurden nach Vorbild der historischen gefertigt und benötigen noch ihren Anstrich. Auch darum w
(Foto: Fotos: Julia Freyda)

Ein Hingucker wird beim diesjährigen Umzug der Historischen Narrenzunft fehlen. Denn der Landauer wird derzeit restauriert. Seit August werkeln Zunftmitglieder an der historischen Kutsche. Derzeit bekommt sie neue Polsterung und Dach und wurde dafür nach Polen transportiert.

Auf rund 120 Jahre schätzt Achim Schirrmann das Alter der Kutsche. „Ganz genau wissen wir es leider nicht. Denn leider fehlt auf der Achse das Baujahr, das dort sonst üblicherweise steht“, erklärt er. Der Hobbyreiter und Restaurierungsfan hatte sich nach der Fasnet im vergangenen Jahr die Kutsche genauer angesehen und einige Mängel entdeckt. Beim Aufklappen des Faltdaches zeigten sich dann noch umfangreichere Schäden. Schnell stand für die Zunft fest: der alte Landauer benötigt neuen Glanz. Schirrmann tauschte sich intensiv mit Kutschenexperten aus, um für die geplante Sanierung alle wichtigen Details berücksichtigen zu können, und fand rasch Mitstreiter.

Acht Wochen Schleifarbeiten

Im August legten sie schließlich los. Nach einer gründlichen Reinigung wurden von Fahrgestell und Einzelteilen die Farbschichten entfernt. „Es waren insgesamt drei Farbschichten. Vor allem die letzte war sehr aufwendig“, erinnert sich Schirrmann. Insgesamt rund acht Wochen haben die Schleifarbeiten gedauert, mussten bei Unterboden auch im Liegen über Kopf geleistet werden. Scharniere und Schlösser wurden ausgebessert, Grundierungen und neue Farbe aufgetragen. Statt grün ist der Landauer nun wieder schwarz. „Das war er ursprünglich auch“, sagt Schirrmann.

Wichtig ist dem Markdorfer, dass die Restaurierung möglichst originalgetreu gemacht wird. Eine Herausforderung waren da unter anderem die Kotflügel. Zwar boten Handwerker an, sie in Schichtverleimung zu bauen. Aber Schirrmann wollte wie bei der ursprünglichen Kutsche ganze Teile, die per Wasserdampf gebogen werden. In der Schweiz fand er schließlich einen entsprechenden Fachmann. „Der war zudem noch günstiger als die anderen Anbieter“, freut sich Schirrmann. Denn die Zunft schaut bei der Kutschenrestaurierung natürlich auch auf die Kosten.

Spendenaktion läuft

Rund 5000 Euro wird sie voraussichtlich kosten. Um diese Summe zu decken, hat Klaus Köhler eine Sammlung über die Aktion „Viele schaffen mehr“ der Volksbank Überlingen gestartet. Der Clou: Für jede eingegangene Spende über fünf Euro gibt die Bank jeweils fünf Euro hinzu. Allerdings nur, wenn bis zum 10. Februar die 5000 Euro erreicht wurden. Bislang sind rund 2500 Euro zusammengekommen. „Es läuft ganz gut, aber wir hoffen auf Unterstützung der Bürger, die sich sicher über den Anblick des Landauers freuen“, sagt Klaus Köhler.

Nicht nur die Kutsche, sondern auch deren Geschichte soll aufgearbeitet werden. Der ehemalige Zunftmeister Hans Ströhle hat ihn vermutlich während seiner Amtszeit von 1949 bis 1966 der Zunft geschenkt. „Wir sind aber noch in der Recherche und freuen uns über jeden Hinweis“, sagt Herta Köhler.

Voraussichtlich im Frühjahr kommt der Landauer vom Polsterer wieder nach Markdorf. Dann werden unter anderem noch Verzierungen aufgemalt, Lampen und restliche Teile wieder montiert. Und fest steht: Beim Landschaftstreffen 2017 wird der Landauer wieder als Hingucker im Umzug mitrollen.

Gespendet werden kann über die Sammellisten, die unter anderem im Bekleidungshaus Kappeler und bei Heimtextilien Ehrmann ausliegen oder übers Internet unter www.volksbank-ueberlingen.viele-schaffen-mehr.de/landauer.

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