Nach Bürgerentscheid: Aufruf zum Dialog

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Dialog statt pauschaler Ablehnung, sachliche Diskussionen statt Beharren auf eigenen Ansichten: Diesen Appell hat Bürgermeister Georg Riedmann in seiner Ansprache beim Neujahrsempfang der Stadt Markdorf am Samstag in der vollen Stadthalle zum Ausdruck gebracht.

Es liege ein sehr forderndes und aufregendes Jahr hinter ihm und dem Gemeinderat, sagte er mit Blick auf den geplanten Umzug der Stadtverwaltung ins Bischofsschloss, der beim Bürgerentscheid im Dezember mit einer knappen Mehrheit der Projekt-Gegner von den Markdorfer Wählern abgelehnt worden ist. Mehr als drei Jahre seien Verwaltung und Gemeinderat nicht nur bemüht gewesen, dieses Projekt zu realisieren, sondern auch die Öffentlichkeit darüber zu informieren. „Leider ist es uns nicht gelungen, diese positive Sicht an eine Mehrheit unserer Mitbürger zu vermitteln“, sagte er. Manchen Gegnern hingegen sei es gelungen, Bedenken zu säen. „Wir wähnten uns am Ende einer teilweise pauschalen Ablehnung gegenüber“, sagte er. Seine Aufgabe werde es sein, aus dieser misslichen Lage ein Aufbruchssignal zu senden. „Das will und werde ich gerne tun“, sagte er.

Neuer Stadtpunkt für Innenstadt

Der nun einzuschlagende Weg werde angesichts des überaus knappen Ausgangs des Bürgerentscheids nicht einfach. Dennoch müsse aus dieser Meinungs- und Interessensvielfalt ein stabiles Fundament für einen guten Lösungsweg gebildet werden. „Die Herausforderung werden wir annehmen und als neuen Startpunkt für die Aufgaben in unserer historischen Innenstadt definieren“, sagte er. „Wir alle gemeinsam haben jetzt die Aufgabe, alle denkbaren Alternativen herauszuarbeiten und eine Bewertung vorzunehmen, welche Lösung für unser Schloss die Richtige sein kann oder muss, und wo sich dann ein solches Projekt schließlich auf der langen Prioritätenliste städtischer Investitionsaufgaben wiederfinden soll.“

Deshalb sei es wichtig, gemeinsam und positiv im Sinne einer Ideensammlung – und nicht im Sinne einer Ideenverhinderung – an die Arbeit zu gehen. Eine öffentlich aufbereitete und diskutierte Sammlung von Optionen wäre seiner Ansicht nach ein gutes Ergebnis eines Beteiligungsprozesses. Dass aufgrund des Bürgerentscheids das Interesse vieler Markdorfer für das Thema Stadtentwicklung geweckt worden sei, sei positiv. „Halten Sie dieses Interesse wach“, sagte Riedmann.

Denn auch ohne Bischofsschloss werde das Jahr 2019 ein Jahr der Großbaustellen. Die Sanierung der Kreuzgasse gehe weiter, die Erschließung von Möggenweiler werde begonnen außerdem werden zwei neue Kindergärten entstehen: ein Waldkindergarten und ein sechsgruppiger Kindergarten in Markdorf-Süd. Außerdem schreiten die Planungen für ein weiteres Großprojekt voran: die Sanierung und Erweiterung der Jakob-Gretser-Schule. Was den Bahnübergang betrifft, sind die Planungen für eine abknickende Vorfahrt auf der Achse Gutenbergstraße/Ensisheimer Straße laut Bürgermeister mit der Bahn „endabgestimmt“. Sie gehen nun zur Genehmigung an das Eisenbahnbundesamt.

Am Ende seiner Rede bedankte sich Riedmann – erstmals in diesem Rahmen – bei seiner Frau und seinen Kindern. Insbesondere dafür, aber auch für seine Rede, erhielt er viel Applaus von den Zuhören.

Ehrungen fürs Engagement

Als Vertreterin der französischen Partnerstadt Ensisheim übermittelte Brigitte Kühlburger alle guten Wünsche für das neue Jahr. Sie freue sich besonders darauf, weil die Partnerschaft zwischen Markdorf und Ensisheim 45 Jahre alt werden und dieses Ereignis mit zwei Treffen gefeiert wird. Kühlburger berichtete auch kurz von der Entwicklung des Gewerbes: Ensisheim hat einen neuen Gewerbepark von 100 Hektar geschaffen. Zehn Hektar davon seien bereits an ein deutsches Unternehmen vergeben worden, das im Online-Handel tätig sei.

Im zweiten Teil des Neujahrsempfangs wurden wieder viele Markdorfer für ihr Engagement geehrt. Sei es im sozialen Bereich, in Vereinen, in Kultur und Sport oder in Schule und Ausbildung: Zahlreiche Markdorfer erhielten als Anerkennung Urkunden. Musikalisch wurde der Neujahrsempfang von der Musikkapelle Riedheim unter Leitung von Benjamin Fuchs umrahmt. Außerdem sang die 22-jährige Paula Stützenberger zwei Lieder vor, bevor das Orchester der Musikfreunde Markdorf ein Stück spielte. Beim anschließenden Stehempfang gab es die Gelegenheit, auf das neue Jahr anzustoßen und sich auszutauschen.

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