Musikfreunde treffen den Humornerv

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Humorig wissen die Musikfreunde Markdorf in der Stadthalle zu überzeugen. (Foto: Wolters)
Schwäbische Zeitung
Martina Wolters

Wie im Nu sind die beiden Konzertstunden bei der humorvoll- kurzweiligen Veranstaltung „Humor trifft Chor“ am Samstagabend in der Stadthalle verflogen. Schon der ungewöhnliche Einzug der Sänger ließ erahnen, welch ungewöhnliches Konzertereignis die Musikfreunde Markdorf und ihr musikalischer Leiter Uli Vollmer ihrer Zuhörerschaft zu bieten hatten. Mit mehrstimmig intoniertem „Bim Bam Bum“ in Anlehnung an das gleichnamige Galgenlied Christian Morgensterns zogen sie durch die Halle. Dabei winkten sie fröhlich lächelnd und begrüßten manch verblüfften Besucher per Handschlag.

Humorig und gleichsam musikalisch-literarisch ging es weiter Schlag auf Schlag. Mit spürbarer Begeisterung setzten die Sänger die Gedichtvertonungen von Ringelnatz und Morgenstern der Komponisten Uli Führe und Hermann Müllich acapella um. Eine Herausforderung ob des ungewöhnlichen Reimgutes gepaart mit ebensolchen Akkorden und rhythmischen Unterbrechungen. Aber gerade die Unterbrechungen im Rhythmus sind es, die die Spannung aufbauen. Ähnlich wie die von Ringelnatz geschrieben und vom Markdorfer Ensemble besungenen „Löcher, die die Hauptsache in einem Sieb ausmachen“.

Viele Lacher

Vollmer leitete sie sicher und punktgenau durch die musikalischen Klippen beim Gesang über allerlei Getier wie das zählende Morgensternsche Perlhuhn. Erst ganz am Schluss des Liedes wird klar, was das Tier nun wirklich zählt. Sicher, das Publikum hätte drauf kommen können. „Es zählt von Wissensdrang entzückt die Anzahl seiner Perlen“ singen die Musikfreunde und haben offensichtlich Spaß an den glucksenden Lachern aus dem Publikum.

Denn das war erklärtes Ziel des abwechslungsreichen Abends, dass der Humor nicht nur den Chor sondern auch die Zuhörer treffe. So hatte es Moderatorin Angelika Hermann keck vorausgeschickt. Ihre spitzfindig deklamierten Verse und Hintergrundinformationen taten ihr Übriges dazu, Verbindungen herzustellen zwischen den gereimt- gesungenen spritzigen Lebensweisheiten. Dem zählenden Huhn hatte sie beispielsweise noch ein Mondschaf, eine Kamelente und gar eine Tag-Tigall hinzuzufügen.

Ihre Ausführungen setzten das Gesungene in einen Zusammenhang ähnlich wie die virtuosen Klänge, die Marion Hafen den Holzklangstäben ihres Marimbaphons entlockte. Die von ihr geführten vier Schlegel brachten mit einzigartig vollem und warmem Klang imaginäre Frösche zum Hüpfen und Visionen von Sommerwindbrisen in die gut gefüllte Stadthalle.

Die Zuhörer zeigten sich begeistert und applaudierten kräftig. „Super“ und „ein wirklich gelungener Abend“, tönte es aus den Besucherreihen als die Musiker fröhlich singend und zum Abschied winkend von dannen zogen. Der Humor hatte sie augenscheinlich getroffen, das ließ sich nach den beiden Konzertstunden mit Sicherheit sagen.

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