Michael Hatzius und seine Echse erklären im Theaterstadel in Markdorf die Welt

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Michael Hatzius und die Echse in Aktion.
Michael Hatzius und die Echse in Aktion. (Foto: susanne backmeister)
Susanne Backmeister

Michael Hatzius packt das Publikum von der ersten Sekunde an: „Achtung, das Programm enthält einen Clown“, so startet die grandiose Show des Puppenspielers mit seinem aktuellen Programm „Echsoterik“ im Theaterstadel.

Mit den Schweinen Steffi und Torsten, die einen kleinen Rap hinlegen, folgt dann mit großem Applaus der Auftritt der Echse: „Vielen Dank, ist angemessen. Freue mich, dass ich es gefunden habe“, lässt der Künstler seine Handpuppe sprechen. Der fast zweistündige Ausflug in die Esoterik beginnt. In ihrer Allwissenheit erklärt die machohafte Echse die Welt, frei nach dem Motto: „Die egoistische Welt braucht einen Heiler“.

Sie muss es wissen, denn immerhin ist sie schon seit dem Urknall dabei. Und der war übrigens „tierisch laut“. Sie weiß, dass die Erde mal eine Scheibe war und so „begrenzt wie Meersburg“, die Arche Noah eine riesen Abzocke gewesen sei und der Mensch toleranter werden müsse, weil er nur eine Gattung sei. Viel Wahres packt Michael Hatzius in sein Puppenspiel und strapaziert dabei die Lachmuskeln seines Publikums aufs Äußerste. Die cholerische Zecke ist durch die Erderwärmung auch noch im Herbst aktiv und kann das andersartige Tier neben sich – ein Dromedar – eigentlich nicht akzeptieren. Das schüchterne Huhn, das von der Echse unterdrückt wird – und das Handpuppenspiel bei der Zugabe – zeugen von der Vielfalt seiner Puppenspielkunst. Michael Hatzius ist ein Meister der Improvisation. Virtuos bindet er das Publikum ein und wenn sich mal kein Freiwilliger findet, kommt das „Suchschwein“ zum Einsatz, das auf Freiwillige spezialisiert ist und garantiert einen Unfreiwilligen findet. An diesem Abend trifft es unter anderem einen Elektriker aus dem Erzgebirge, der in Markdorf zur Montage ist. Zusammen mit dem Bär, den er Atomio tauft, müssen sie ein Problem lösen: einen platten Reifen. Die Lösung: aufpumpen. Manchmal sind die Dinge eben auch einfach.

Die Frage, ob er nicht Angst habe, dass eine Interaktion mit dem Publikum auch mal in die Grütze gehen könnte, beantwortet der Künstler entspannt: „Aus Grütze kann auch Pudding werden. Selbst wenn es schlecht läuft, kann sich das genau zum Positiven wenden. Das ist wie im Leben“, meint er. Es war am Samstagabend bereits der 70. Auftritt mit seinem aktuellen Programm und der zweite Auftritt im Theaterstadel von Michael Hatzius in Markdorf: „Ich mag die Region hier. Das Publikum ist klasse, das Theater publikumsnah und die Stimmung immer ausgelassen. Da ist es im Norden manchmal nicht so einfach.“ Geduldig vergibt er noch Autogramme nach seiner Show und wenn ein Fan eines von der Echse haben will, wird das wortwörtlich mit links gemacht. „Die Echse schreibt mit der linken Hand. Rechts gibt es keinen Arm“, erklärt er. Und so sieht die Schrift dann auch aus, wenn ein Rechtshänder links schreibt.

Seit elf Jahren steht Michael Hatzius mit seiner Echse auf der Bühne. Entstanden ist die Figur anlässlich eines Theaterfestivals, bei dem sie den allwissenden Intendanten verkörperte. Drei bis vier Monate brütet der Puppenspieler über sein Programm. „Das geht nur im Sommer, wenn ich nicht unterwegs bin“, erläutert er. Für alle, die mehr von Michael Hatzius sehen wollen, gibt es eine gute Nachricht für 2020: „Wir sind gerade dabei, ein neues Fernsehprogramm zu entwickeln, das im nächsten Jahr starten soll.“ Den Sender will er aber noch nicht verraten.

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