In Cape Canaveral in den USA wird das Paket auf seine Reise zu Alexander Gerst ins Weltall geschickt.
In Cape Canaveral in den USA wird das Paket auf seine Reise zu Alexander Gerst ins Weltall geschickt. (Foto: DLR)

Ein Team von Airbus funkt zur Zeit jeden Tag mit der Internationalen Raumstation ISS, einer von ihnen ist der Markdorfer Ulrich Knirsch. Grund dafür ist das Mikroskop Flumias, das von Airbus in Immenstaad mitentwickelt wurde. Es schickt zur Zeit hochauflösende 3D-Aufnahmen lebender Zellen auf die Erde. Der Auftraggeber, das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR), hofft auf Aufschlüsse darüber, wie menschliche Zellen auf Schwerelosigkeit reagieren.

Airbus hat das Mikroskop zusammen mit der Münchner Firma Till I.D. entwickelt. „Die Kollegen von Till I.D. sind die Experten, was die Mikroskop-Technik angeht und Airbus hat sein Expertenwissen aus der Raumfahrt eingebracht“, sagt Rainer Treichel, Fulmias-Projektleiter bei Airbus. Die Herausforderung sei gewesen, das Mikroskop so zu bauen, dass den Weg ins Weltall übersteht und dort nicht von der Schwerelosigkeit zerstört wird. Doch es müsse nicht nur besonders stabil sein, sondern auch extrem klein. Außerdem sei der Zeitplan sehr ambitioniert gewesen: Sie hatten nur zehn Monate Zeit, um das Gerät für die derzeit laufende Horizons-Mission zu entwickeln und bauen.

„Unser Mikroskop ist nur so groß wie ein Schuhkarton, während vergleichbare Modelle auf der Erde schon etwa so groß sind wie ein Kühlschrank“, sagt Ulrich Knirsch, der als Ingenieur bei Airbus für die Qualität von Flumias zuständig ist. „Auf dem Boden hat man eigentlich keine Platzbeschränkung, aber auf der Raumstation kommt es auf jeden Millimeter an.“

Flumias wurde vor einer guten Woche mit einer unbemannten Rakete, die noch mit anderen Transportgütern beladen war, ins Weltall geschickt. Damit sowohl das Mikroskop als auch die lebenden Zellen die Reise zur ISS gut überstehen, wurde es speziell verpackt, damit es vor Vibrationen und schwankenden Temperaturen geschützt ist. „Wichtig war die Temperatur, sonst wären die Zellen abgestorben, bevor sie überhaupt am Ziel angekommen wären“, erläutert Ulrich Knirsch. Aus diesem Grund waren die Beladung der Rakete und ihr Start in Cape Canaveral im US-Staat Florida exakt getaktet. „Von dem Moment an, in dem wir das Mikroskop der Nasa übergeben und es in der Rakete verstaut wurde, war es nicht mehr in unserer Hand“, sagt er.

Zwei Tage bis zur Raumstation

Das Team aus Immenstaad durfte beobachten, wie die Rakete startet. „Es war Nacht, deshalb konnten wir es gut sehen“, berichtet Knirsch. Schon beim ersten Startversuch habe alles „bilderbuchmäßig“ geklappt. Zwei Tage lang war die Rakete unterwegs zur Raumstation. Ein amerikanischer Astronaut packte das Mikroskop aus und brachte es an seinen Platz und schaltete es ein. Und dann war der Kontakt nach Immenstaad bald wieder aufgebaut: Schon wenige Stunden nach dem Einbau funkte es die ersten Bilder auf die Erde. Für Ulrich Knirsch ist das Projekt eine sehr spannende und schöne Erfahrung, sowohl beruflich als auch persönlich. „Den Start zu sehen war einer der Höhepunkte“, sagt er. „Da hatte ich schon Gänsehaut.“

Bei Flumias handelt es sich um ein 3D-Fluoreszenz-Mikroskop, das automatisch arbeitet. Damit es funktioniert, müssen die Zellen mit fluoreszierendem Farbstoff versehen werden. „Es funktioniert ähnlich wie Schwarzlichtfarben in der Disco“, erläutert Rainer Treichel. Mit dieser Technik könnten erstmals Vorgänge in lebenden Zellen in Echtzeit unter Schwerelosigkeit beobachtet und Veränderungen sichtbar gemacht werden. Das Ergebnis sind 3D-Filme und Bilder. Übrigens wird das Mikroskop von der Erde aus bedient. Mit dem Ergebnis ist Treichel bisher sehr zufrieden. „Es liefert sehr gute Bilder“, sagt er. Laut einer Beschreibung des Forschungsprojekts auf der Internetseite des DLR sollen die Erkenntnisse dabei helfen, Ursachen globaler Gesundheitsprobleme zu erkennen und zu therapieren.

Wenn das Experiment glückt – wonach es im Moment aussieht – soll basierend auf den Erkenntnissen ein noch ausgefeilteres Mikroskop gebaut werden. Dieses soll dann über eine Zentrifuge verfügen, die im Weltall eine künstliche Schwerelosigkeit erzeugen kann. Doch bevor es soweit ist, muss Flumias zuerst noch zur Erde zurückkehren. Geplant ist, dass es wieder in einer Kapsel transportiert wird, die dank eines Fallschirms sanft landen kann. „Dann werden die ganzen Daten erst einmal vollständig ausgewertet“, sagt Knirsch. Das Experiment hat eine Laufzeit von wenigen Wochen. Denn dann werden die Zellen ohnehin absterben.

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