In mitreißendem Rhythmus schwirren zwei Gitarren

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Atemberaubendes Gitarrenspiel mit Alexander Kilian und Jan Pascal (von links).
Atemberaubendes Gitarrenspiel mit Alexander Kilian und Jan Pascal (von links). (Foto: Helmut Voith)
Helmut Voith

Wenn die „Klangwelt Rittersaal Markdorf“ Gitarren und Flamenco ankündigt, ist ein volles Haus eigentlich schon garantiert, so am frühen Sonntagabend beim Konzert des Duos „Café del Mundo“ im Pfarrsaal in der Mittleren Kaplanei. Es musste kräftig nachgestuhlt werden.

Welch ein Gegensatz zum Konzert der beiden Musiker, die sich „Deutschlands angesagteste Flamenco-Gitarristen“ nennen, vor knapp zwei Jahren in Wolfegg. Ohne einen Hauch von Elektronik füllten sie mühelos die Alte Pfarr. In Markdorf dagegen eine perfekte Installation. Wenn man die Augen schloss, hatte man das Gefühl, mitten in einer Galaxis der Töne zu sitzen, absolut perfekt wie eine exquisite Studioaufnahme. Technikfreaks kamen hier voll auf ihre Kosten. Wenn man die Augen öffnete, erlebte man, wie der ältere Jan Pascal die Kommunikation suchte, der jüngere Alexander Kilian mehr in sich hineinhörte, in streckenweise atemberaubendem Tempo alles aus seiner Gitarre herausholte, während der Partner sich immer wieder den Schweiß abwischte. Die beiden wissen, wie man das Publikum gewinnt. Einige lockere Sprüche, skizzenartig ihr Werdegang, sie sind längst international angekommen. Ihre neueste CD „Beloved Europa“, die auch dem Abend den Titel gab, war nach der Pause ausverkauft.

Flamenco, das weckt Urlaubsträume, gerade an so einem hässlichen Novemberabend. Mit ihrem Flamenco gehen sie neue Wege, beziehen Eindrücke von ihren Reisen mit ein. Auf der Flüchtlingsinsel Samos kam ihnen die Assoziation zum antiken Mythos von der Entführung der Europa. Auch heute sehen sie Europa in Gefahr, nicht durch den Stier, sondern durch Politiker oder Nationalismus, daher „Beloved Europa“. Sie aber suchen in Songs, Balladen oder Tangos, ob aus der Toskana, Polen oder Argentinien, das Verbindende in der Musik, komponieren auch selbst. Kenner genießen, wie sie Piazzolla-Tangos spielen, wie sie andere bekannte Werke auf ihre Weise interpretieren, wie sie sie am Ende des offiziellen Teils in einem Medley noch einmal Revue passieren lassen.

Das Duo „Café del Mundo“ hat trotz seiner Erfolge die Bodenhaftung nicht verloren, hat sich an die Ursprungsorte dieser Musik begeben. Gekonnt fahren sie den Schmusekurs mit dem Publikum, fast versteckt kommen auch kleinere Anspielungen auf die gegenwärtige Politik.

Jan Pascal und Alexander Kilian leben im Heute, ihr Spiel und ihr spielerischer Umgang mit dem Flamenco ist virtuos, dennoch waren sie vor zwei Jahren in Wolfegg unplugged viel direkter, echter, packender zu erleben.

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