In der Pflege gibt es viele Baustellen

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Bei Ernst Arneggers Gesprächsrunde „I mein’ halt“ sind Bundestagsabgeordneter Lothar Riebsamen (CDU), Dorothee Marckmann-Bauer
Bei Ernst Arneggers Gesprächsrunde „I mein’ halt“ sind Bundestagsabgeordneter Lothar Riebsamen (CDU), Dorothee Marckmann-Bauer von der Justus-von-Liebig-Schule in Überlingen und Wolfgang Jauch von der Bodensee-Sozialstation (von links) zu Gast. (Foto: Barbara Baur)
Schwäbische Zeitung

Bei der Markdorfer Gesprächsrunde „I mein’ halt“ ist im Zunfthaus Obertor über das Thema Pflege diskutiert worden. Moderator Ernst Arnegger hatte dazu Dorothee Marckmann-Bauer, Leiterin des Fachbereichs Altenpflege an der Justus-von-Liebig-Berufsfachschule in Überlingen, Wolfgang Jauch, Leiter der Sozialstation Bodensee, und den Bundestagsabgeordneten Lothar Riebsamen (CDU) eingeladen.

Ob es um den Mangel an Pflegekräften, ihre Bezahlung oder die Tages- und Nachtpflege gehe: fast jeden Tag sei in den Nachrichten von irgendeinem Thema aus diesem Bereich zu hören oder lesen, sagte Arnegger. Gleichzeitig würden die Probleme durch die älter werdende Bevölkerung Deutschlands noch verschärft.

Wolfgang Jauch stellte die Sozialstation Bodensee, deren Vorsitzender er ist, kurz vor. Sie bietet Tagesbetreuung an, Essen auf Rädern, ambulante Pflege und hat eine der ersten Demenz-WGs im Land Baden-Württemberg gegründet. „Wir haben 380 Mitarbeiter uns sehen uns in der Mitverantwortung, die Dinge nach vorne zu treiben“, sagte er. Vor zweieinhalb Jahren sei ein Szenario für das Jahr 2030 erstellt worden. Ein Ergebnis sei gewesen, dass der Sozialstation dann voraussichtlich 150 Pflegekräfte fehlen werden. „Wir müssen jetzt die Weichen stellen, um es auffangen zu können“, sagte Jauch. Einerseits werde Wert darauf gelegt, junge Menschen auszubilden. Andererseits werden Möglichkeiten geschaffen, sich zu einem späteren Zeitpunkt für die Pflege qualifizieren zu können.

Ein weiteres Ziel sei es, in allen Gemeinden des Bodenseekreises Pflegestützpunkte aufzubauen. Dort ist ein Pfleger angestellt, der zu 80 oder 85 Prozent für die Sozialstation arbeitet. Die restliche Zeit soll er in der Gemeinde bei pflegerischen Themen beratend tätig sein. Weil der Großteil der Menschen seine Angehörigen selbst pflegt, müsse man weg von Gedanken der vollstationären Pflege. Statt dessen gelte es, den ambulanten Bereich auszubauen und Strukturen in der Häuslichkeit aufzubauen.

Dorothee Mackmann-Bauer berichtete über die Ausbildungssituation. Bis 2020 soll die Pflegeausbildung in Deutschland generalistisch werden. Das heißt, Alten-, Kranken- und Kinderkrankenpfleger erhalten in weiten Teilen die gleiche Ausbildung. „80 Prozent der Inhalte sind identisch“, sagte sie. Um Menschen für die Pflege zu gewinnen, die sich in der Schule eher schwer taten, müsse auch die einjährige Altenpflegerhelferausbildung stärker beworben werden. Sie kritisierte die Hürden für Immigranten auf dem Ausbildungsmarkt. „Ausländerbehörden sollten mehr Spielraum nutzen können“, sagte sie.

Mehr Geld für Kurzzeitpflege

„Für die ambulanten Dienste wurde in der vergangenen Legislaturperiode mehr getan als für die stationäre Pflege“, sagte Lothar Riebsamen. Die drei Pflegestufen wurden abgeschafft und durch fünf Pflegegrade ersetzt. Außerdem wurden die Beträge für de Pflegeversicherung erhöht. Außerdem sei Geld für die Kurzzeit- und Tagespflege bereitgestellt worden. Das Problem sei aber, dass oft überhaupt keine Plätze verfügbar seien. Der neu gewählte Bundestag habe im Januar in einem Sofortprogramm 8000 Stellen geschaffen. „Wir haben aber 350 000 Stellen“, sagte er.

Die Pflegeversicherung decke in unserer Region etwa 50 Prozent der Kosten, wenn jemand im Heim untergebracht werde. „Die Beitragsschraube kann nicht endlos gedreht werden“, sagte er. „Wir müssen über das Thema Steuerbezuschussung reden.“

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