Im Holunder steckt eine Hausapotheke

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Conny Rick (links) erzählt beim Spaziergang durch den Wald Wissenswertes über die Bäume.
Conny Rick (links) erzählt beim Spaziergang durch den Wald Wissenswertes über die Bäume. (Foto: Jul)
Schwäbische Zeitung

Heilkräfte von Bäumen, Wissenswertes über die Verwendung des Holzes und ein bisschen Märchen – das ist die Mischung von Conny Ricks Baumspaziergängen. Die Markdorferin ist regelmäßig mit Gruppen unterwegs, um ihr Wissen zu teilen – und zum Abschluss zum Beispiel einen selbstgemachten Holunderblütenlikör probieren zu lassen.

Bis vor rund einem Jahr spazierte Rick immer mit einer Freundin durch den Wald, plauderte dabei munter über Bäume und Heilpflanzen. „Da meinte sie irgendwann, warum ich das immer nur ihr erzähle“, erinnert sich Rick. So entstand die Idee für die Führungen. Dass sie mit ihrer Mischung aus Wissen und Märchen belächelt wird, befürchtet sie nicht. „Zu den Spaziergängen kommen ohnehin diejenigen, die sich dafür interessieren. Und Skeptiker haben bislang auch nicht gemeckert“, berichtet Rick. Das Wissen über die Natur hat sie sich aus Interesse über viele Jahre angeeignet.

Beim rund zweistündigen Spaziergang durch den Wald am Wanderparkplatz Vogelsang in Möggenweiler plaudert Rick auf kurzweilige Art über Walnuss, Esche und Co. Die Hasel etwa sei ein Wunschbaum und mit einer Rute aus einem Haselzweig könnten Sagen zufolge Schätze gefunden werden. Die Markdorferin hat auch Erklärungen für Sprüche wie „Eiche weiche, Buche suche“ im Fall eines Gewitters. Denn Eichen wachsen gerne auf Wasser und daher schlage der Blitz dort öfters ein. „Buchen hingegen wachsen an Standorten, wo weniger Wasserquellen im Umfeld sind“, berichtet Rick.

Als wahre Hausapotheke bezeichnet sie den Holunder. „Er hat viel Vitamin C und bringt zum Schwitzen. Eine Tasse Holunderblütentee kann zum Beispiel bei einer Erkältung sehr gut helfen“, sagt Rick. Vom Zwergholunder, der im Markdorfer Wald ebenfalls am Wegesrand wächst, sollte man jedoch nur den Anblick genießen. „Der ist sehr giftig“, warnt Rick.

Walnuss zeigt Jahreswechsel an

Zwar wird derzeit viel über das Eschensterben diskutiert. Aber wer im Frühling durch den Wald geht und eine noch nicht ausgetriebene Esche sieht, dann muss es nicht unbedingt ein befallener Baum sein. „Eschen treiben erst aus, wenn sie ganz sicher sind, dass kein Frost mehr kommt“, erklärt Rick. Ein Jahreszeitenwechsel lasse sich auch am Walnussbaum erkennen. Denn der treibe auch spät aus und lasse als eine der ersten Bäume seine Blätter fallen. Von der Walnuss lasse sich nicht nur die Nuss verwenden. Etwa sei ein Sud aus den Blättern gut gegen Frostbeulen.

Der landläufigen Meinung, dass die rote Frucht der Eberesche – auch Vogelbeere genannt – grundsätzlich giftig ist, widerspricht die Baumkundlerin. „Das trifft nur in großen Mengen zu. Auch die Beere ist reich an Vitamin C und hilft zum Beispiel gegen Heiserkeit.“ Wer aber Ende August mal eine Beere probieren will, muss sich beeilen. Denn auch bei Vögeln sei die Frucht begehrt. „Aufgrund der Wirkung der Vogelbeere sagt man auch, dass die Vögel ihretwegen so schön singen können“, erklärt Rick.

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