Hollywood kommt ins Linzgau

Lesedauer: 5 Min
Mit einen anspruchsvollen und unterhaltsamen Programm begeisterte die Stadtkapelle Markdorf unter der Leitung von Reiner Hobe be
Mit einen anspruchsvollen und unterhaltsamen Programm begeisterte die Stadtkapelle Markdorf unter der Leitung von Reiner Hobe beim Jubiläumskonzert in der Stadthalle. (Foto: Brigitte Geiselhart)
Brigitte Geiselhart

Markdorf - Was für ein fulminantes Ausrufezeichen zum Ende eines begeisternden musikalischen Jahres: Mit dem Jubiläumskonzert in der Stadthalle präsentierten die Musiker der Stadtkapelle Markdorf unter der Leitung von Reiner Hobe ein anspruchsvolles und gleichzeitig höchst unterhaltsames Programm, das einen breiten Bogen spannte und die Spielfreude schnell aufs Publikum überspringen ließ.

Höhepunkte gab es in diesen gut zweieinhalb Stunden viele – zu allererst ist hier die Welturaufführung der „Markdorfer Streiche“ zu nennen. Steffen Thum, ein ehemaliger Musiker der Stadtkapelle, der nach seinem Musikstudium in Trossingen in Kalifornien gelandet ist und dort seit sechs Jahren als erfolgreicher Arrangeur und Komponist in Hollywood im Dunstkreis von Oscar-Preisträger Hans Zimmer – einem der weltweit bekanntesten Filmkomponisten – arbeitet, hat dieses Stück der Markdorfer Stadtkapelle gewidmet. Der Gaukler zieht durch die Straßen der Linzgaustadt. Er singt, springt und tanzt, macht seine zahllosen Streiche und wartet ständig mit überraschenden und ganz unterschiedlichen Gemütszuständen auf. Diese Intention des Komponisten umzusetzen, gelingt der Stadtkapelle immer wieder ganz hervorragend. Spielerisch und fast lausbubenhaft auch das Dirigat von Reiner Hobe, der den Drang des Gauklers nach Aufmerksamkeit transparent werden lässt und auch die abrupten Wechsel in Stimmung und Dynamik wie gewünscht zum Ausdruck bringt.

Musikalischer Regenbogen

Zahlen spielen an diesem Abend im Programmablauf eine nicht unwesentliche Rolle. Eine Hommage an den genialen Leonard Bernstein – der in diesem Jahr seinen 100. Geburtstag hätte feiern dürfen – ist seine eher selten gehörte „Candide Ouvertüre“, die mit Verve und Leidenschaft, aber auch mit dem nötigen Fingerspitzengefühl zu Gehör gebracht wird. Nicht weniger spannend ist die viersätzige Komposition „Noah’s Ark“ des Belgiers Bert Appermont. Ob die Affinität des Stadtkapellenleiters mit dem Komponisten damit zusammenhängt, dass beide am gleichen Tag Geburtstag haben? Man kann es nur vermuten. In jedem Fall lässt die Dramaturgie der vier Teile „Die Nachricht“, „Parade der Tiere“, „Der Sturm“ und „Lied der Hoffnung“ wohl niemand im Saal unberührt. Die anschwellende Dynamik, der fanfarenhafte Aufbruch, die spätere Ruhe und Beschaulichkeit und das finale Licht am Ende des Tunnels – der musikalische Regenbogen gelingt. Ganz auf den Leib geschrieben ist den Musikern auch der „Markdorfer Jahresreigen“, eine Auftragskomposition des Nürnbergers Matthias Wehr. Vom schmissigen Narrenmarsch über das getragene Prozessionslied bis hin zur symphonischen Blasmusik ist hier alles vertreten, was die Proben- und Konzertarbeit der Stadtkapelle Markdorf so abwechslungsreich und unverwechselbar macht.

Dazu gehören natürlich auch volkstümliche Weisen, die nach der Pause die Überhand gewinnen – etwa ein gepflegt gespielter Florentiner Marsch oder der Polka-Hit „Von Freund zu Freund“ aus der Feder von Martin Scharnagl. Beim mitreißenden Medley „Hootenanny“ und seinen Evergreens wie „Michael, Row the Boat“, „I’m On My Way“ oder „Down By The Riverside“ lässt sich eindeutig erkennen, dass der Spaßfaktor auf der Bühne mindestens genauso hoch ist wie im mitswingenden Parkett. Ebenso wie bei „Sing, Sing, Sing“. Hier dürfen Martin Weiss an der Klarinette und Bernd Eberhardt an der Trompete zeigen, dass sie perfekt in die Rolle von Benny Goodman und Louis Prima schlüpfen können. Am Ende des Programmes steht der „Markdorfer Jubiläumsmarsch“. Wie könnte es anders sein – er ist im Laufe des Jubiläumsjahres der Stadtkapelle schon fast zu einer Stadthymne geworden.

Aber Schluss ist zum Glück noch lange nicht. Bernstein und Bach kommen als herzergreifenden Zugaben. Reicher Applaus gibt’s schließlich für einen beglückenden Konzertabend.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen