Gospelchor bietet mitreißendes Konzert in der Nikolauskirche

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Ein mitreißendes Konzert singt der Gospelchor Markdorf in St. Nikolaus.
Ein mitreißendes Konzert singt der Gospelchor Markdorf in St. Nikolaus. (Foto: Christel Voith)

Vier Jahre war das letzte Markdorfer Konzert des Gospelchors Markdorf her – kein Wunder, dass am späten Sonntagnachmittag die Nikolauskirche so voll geworden ist, dass noch eilig jeder verfügbare Klappstuhl herbeigeschafft wurde.

Erwartungsvoll blickten die Zuhörer nach vorne, wo Reinhard Gunz am Klavier, Florian Zwiessler am Schlagzeug, Michael Muhry am Bass und Florian Loebermann mit dem Saxofon Platz genommen hatten. Von Ferne erklang eine Stimme und traditionell zogen die Männer in ihren blauen Hemden durch den Mittelgang und die Frauen in Schwarz mit blau-türkisfarbenen Accessoires durch die Seitengänge zum Altar. Kraftvoll strömte jetzt in Anlehnung an den Landesgospelchor „Gospelicious“ der Gesang ins Kirchenschiff: Gott hat uns die Musik gegeben, um ihn zu preisen. Und das taten die rund sechzig Chormitglieder unter der Leitung von Hans Jörg Walter eineinhalb Stunden lang mit ansteckender Begeisterung.

Freudig begrüßte Pfarrer Hund den Chor zum Benefizkonzert in seiner Kirche, soll doch ein Großteil der Spenden der Mittleren Kaplanei zufließen, deren Renovierung endlich abgeschlossen ist. „Sing and shout, praise the Lord“ ging es beschwingt weiter und schon sah man Zuhörer im Takt mitklopfen und Beine wippen. Ohne eigens aufgefordert zu werden, klatschte das Publikum beim eingängigen Refrain mit. Lebhafte Interaktion war auch im Chor zu erleben: Abwechselnd stimmten Frauen oder Männer ein Lied an, hin und her wanderte der Gesang, Solisten traten ans Mikro, in guter Call-and-Response-Manier warfen sie einander die Bälle zu, und immer war da die sehr dezente Begleitung der Musiker. Besondere Akzente setzte Loebermann mit seinem Saxofon, so im Gospel „Glory to God“. Chorleiter Walter animierte auch die Zuhörer und die sangen gerne mit beim Refrain zum bekannten Spiritual „Swing low, sweet chariot“, dessen Inhalt Walter nahebrachte. Wer möchte nicht gern in einer Kutsche dem Himmel entgegenfahren und von Engeln begleitet werden?

„I know you love me“, ich weiß, dass Du mich liebst, sang der Chor im Dialog mit zwei Solisten und legte eine besondere Betonung auf „I know“ – freudige Glaubensgewissheit spricht aus diesem Gospel, ebenso aus dem folgenden „Here I am“, einem stilleren, leise verklingenden Song, der davon spricht, dass das Herz sich der liebenden Begleitung öffnen muss. Stimmig schloss sich die rhythmisch bewegte Bitte an: „Open the eyes of my heart, Lord“ – öffne Du die Augen meines Herzens. Wie schön, dass die Augen der Sänger nicht an den Noten klebten, sondern hellwach aufschauten und die Begeisterung zu den Zuhörern trugen. Wunderbar vermittelten die Sänger nach gefühlvoller Saxofoneinleitung das Vertrauen, das das Lied „You raise me up“ ausdrückt. In gebotener Aggressivität kam dagegen der erbitterte Kampf in „Joshua fit the battle of Jericho“ herüber, berührend danach Kurt Bestors emotionales „Gebet der Kinder“, die im Krieg leiden.

Vielschichtig angelegt, Sehnsucht und Geborgenheit vereinend war der Gospel „Deep river“. Ungewöhnlich war der Blick zu den Nachbarn: In sehr gut verständlichem Französisch sang der Chor das freudige und beglückende Lied „Jésus, tu es ma vie, tu es la source de mon bonheur“: Jesus, du bist mein Leben, du bist die Quelle meines Glücks. Eine schöne Überleitung zu Cohens stimmungsvollem Halleluja am Ende des offiziellen Programms. Doch erst mit der dritten Zugabe, der südafrikanischen Hymne „Siyahamba“ ließ man die Sänger wieder aus der Kirche ausziehen. Draußen sangen sie noch weiter.

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