Gemeinwohl-Ökonomie steht im Mittelpunkt der Diskussion

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Diskutieren über die ersten Erfahrungen mit dem Wirtschaftsmodell der Gemeinwohl-Ökonomie: Sascha Damaschun (von links), Martin
Diskutieren über die ersten Erfahrungen mit dem Wirtschaftsmodell der Gemeinwohl-Ökonomie: Sascha Damaschun (von links), Martin Hahn, Antje von Dewitz und Thomas Henne. (Foto: Brigitte Walters)

Das neue Wirtschaftsmodell, die Gemeinwohl-Ökonomie (GWÖ) und erste Erfahrungen damit, standen im Mittelpunkt einer Diskussionsveranstaltung des Kreisverbandes Bündnis90/Die Grünen am Montag in Bermatingen. Über die Schwierigkeiten dieses Modell umzusetzen berichteten Antje von Dewitz, Geschäftsführerin von Vaude, dem Tettnanger Outdoor-Ausrüster, und Sascha Damaschun, Geschäftsführer des Naturkost-Großhandels Bodan. Moderiert wurde die Diskussion von Thomas Henne, vom Kreisverband der Grünen, der auch dem Verein zur Förderung der Gemeinwohl-Ökonomie angehört.

Kern des Wirtschaftsmodells ist, dass Unternehmen menschenwürdig, solidarisch und gerecht, ökologisch und nachhaltig, demokratisch und transparent agieren. Das Wohl des Menschen, eine lebensfähige Welt und Umwelt steht im Mittelpunkt des wirtschaftlichen Handelns, brachte es Thomas Henne auf den Punkt. Die GWÖ sei ein entwicklungsoffener Prozess, keine Revolution sondern schrittweise Veränderung. Die GWÖ sei ein Modell wie unternehmerisches Handeln aussehen soll, dies gelte am eigenen Standort ebenso wie bei den Lieferanten weltweit. Besonders bei der Textilindustrie sei dies schwierig und könne nur Schritt für Schritt umgesetzt werden, erklärte Antje von Dewitz.

Transparenz in allen Bereichen sei wichtig

Es sei Pionierarbeit, die Partner zu überzeugen sei kein Zuckerschlecken. Beim Bodan seien es weniger die Produkte, sondern vielmehr das Unternehmen, dabei gelte es Mitbestimmung, Transparenz, Offenheit und Glaubwürdigkeit umzusetzen. So habe es eine neue Arbeitszeitregelung und Veränderungen bei den Arbeitsverträgen gegeben, berichtete Sascha Damaschun. Allerdings sei das Unternehmen teilweise zu klein, um zum Beispiel Veränderungen bei der Züchtung von Tieren und Pflanzen wesentlich zu beeinflussen.

Ein wichtiges Thema zur Glaubwürdigkeit sei die Transparenz in allen Bereichen, sei es bei den Lieferanten oder gegenüber den Konsumenten, fügte von Dewitz hinzu. Bei den Produkten gebe es manchmal Konflikte, wie bei den PVC-Taschen, die Umstellung auf ein anderes, umweltverträglicheres Material habe deutlich höhere Kosten verursacht. Dem stimmte auch Damaschun zu, so sei bei Bodan im Bereich Logistik bereits einiges durch die Verbesserung der Antriebs- und Kühlungstechnik erreicht worden, aber Veränderungen beim Treibstoff seien durch die Politik gestoppt worden.

Die Vaude-Mitarbeiter seien zu Beginn skeptisch gewesen, nach zwei Jahren waren sie voll dabei, entgegnete von Dewitz auf eine Zuhörerfrage. Jeder Mitarbeiter sei ein Pionier in seinem Bereich. Die GWÖ gelte es zu gestalten, sie sei urdemokratisch angelegt, ein sinnerfülltes Arbeiten mache Spaß und bringe mehr Leistung, so ihre Beobachtung.

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