Fair gehandelte Grabsteine sollen Pflicht sein

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Gemeinsam gegen Grabsteine aus Kinderarbeit: Kreisrat Ernst Arnegger, Pfarrgemeinderatsvorsitzende Doris Käser und Pfarrer Andre (Foto: jüw)
Schwäbische Zeitung
Julian Würzer

Kinderarbeit wird normalerweise mit Textilindustrie in Verbindung gebracht: von Kinderhand gefertigte Schuhe, T-Shirts oder Teppiche. Weniger präsent sind die Kinder, die in Minen zur Herstellung von Grabsteinen ausgebeutet werden.

Um dieser Kinderarbeit entgegenzuwirken, hatte die grün-rote Landesregierung einen Gesetzentwurf in den Landtag eingebracht. Dieser soll verbieten, dass Grabsteine, die mit Hilfe von Kinderarbeit hergestellt worden sind, auf den Friedhöfen aufgestellt werden. Ende Juni stimmten die Abgeordneten diesem Gesetz einstimmig zu.

Aus diesem Grund haben die katholische und evangelische Kirche in Markdorf einen Antrag an die Stadt eingereicht. Dieser soll folgende Ergänzung der Friedhofssatzung beschließen: Es dürfen nur noch Grabsteine und Grabeinfassungen verwendet werden, die nachweislich aus fairem Handel stammen und ohne ausbeuterische Kinderarbeit im Sinne der ILO-Konvention 182 (Internationale Arbeitsorganisation der Vereinten Nationen) hergestellt sind.

Bei einem Konfirmandengottesdienst war die Kinderarbeit in den Fokus gerückt. Daraus resultierte die Erkenntnis, dass zwischen Kinderarbeit und Grabsteinen ein unmittelbarer Zusammenhang bestünden. „Das kann man nicht verantworten“, sagt Doris Käser, Vorsitzende des evangelischen Kirchengemeinderats. Deshalb beschlossen die beiden großen Kirchen den Antrag, in dem die Ergänzung der Friedhofssatzung vorgeschlagen wurde. „Das ist die Chance, ein Zeichen gegen Kinderarbeit zu setzen“, meint Doris Käser.

Wenn der Gemeinderat dem Antrag zustimmt, dürfen künftig lediglich Grabsteine mit einer Zertifizierung durch die anerkannten Siegel Xertifix oder Fair Stone aufgestellt werden. Diese seien zwar bis zu 30Prozent teurer: „Die Ehrung der Toten darf aber nicht auf Kosten von Kindern geschehen“, sagt Doris Käser. So werden laut des evangelischen Pfarrers Andreas Quincke auch Steinmetze der Region auf die Missstände aufmerksam gemacht.

Außerdem wollen die Kirchen darauf gedrängt, nicht immer das Billigste zu kaufen, da sich dahinter oft schwierige Arbeitsbedingungen verbergen würden. Laut CDU-Kreisrat Ernst Arnegger werbe die Gemeinde dadurch für die angestrebte Ziele. „Diese ziehen dann Kreise in Nachbargemeinden“, ist er überzeugt.

In der ersten Gemeinderatssitzung nach der Sommerpause soll über den Antrag abgestimmt. „Wir haben vor, das Anliegen der Kirchengemeinden zu unterstützen“, sagt Bernhard Brugger, Amtsleiter für Ordnung und Bestattungswesen in Markdorf. Die Zertifizierung der Steine sehe er zwar noch kritisch, dennoch könne lediglich so die Kinderarbeit in diesem Segment geächtet werden.

Die Zertifizierung wird von Umwelt- und Sozialstandardunternehmen vorgenommen. Diese begleiten Fabriken drei Jahre lang. Keine Schutzausrüstung, fehlendes Bewusstsein gegenüber der gefährlichen Arbeit und dem Steinstaub seien laut Fair Stone-Koordinatorin Karoline Herrmann die Verhältnisse, denen Arbeiter und Kinder in Steinbrüchen in Asien oftmals ausgeliefert seien. Angemeldete und unangemeldete Besuche dienten zur Kontrolle. „Nach drei Jahren sollten bessere Arbeitsverhältnisse geschaffen sein“, sagt Karoline Herrmann. Dann können sich die Betriebe zertifizieren lassen.

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