Eine Woche bei der SZ: Von der Meldung bis zum Polizeibericht

Lesedauer: 6 Min
 Am Anfang ist das Texten schon kompliziert: Praktikant Paul Hennings bei der Arbeit.
Am Anfang ist das Texten schon kompliziert: Praktikant Paul Hennings bei der Arbeit. (Foto: Ralf Schäfer)
Paul Hennings

Montag: Mein erster Tag beim Bogy und ich habe keine Ahnung, was mich erwartet. Bogy, das heißt Berufsorientierung am Gymnasium, ist eine Pflichtwoche, die jeder Schüler in der neunten, zehnten oder elften Klasse bei einem Betrieb seiner Wahl absolvieren muss. Ich habe mich entschieden, mein Bogy bei der „Schwäbischen Zeitung“ in Friedrichshafen zu machen. Sicher war ein wichtiger Punkt dabei, dass meine Eltern Journalisten sind und ich schon ein bisschen was weiß über diesen Beruf.

Es ist ein komisches Gefühl, morgens „zur Arbeit“ statt zur Schule zu gehen. Ich betrete die Redaktionsräume im ersten Stock und mein Tag fängt mit der morgendlichen Besprechung an. Dort stelle ich mich als „der Neue“ vom Bildungszentrum Markdorf vor. Bei dieser allerersten Redaktionskonferenz werden die Themen des Tages aufgelistet und diskutiert. Was steht morgen in der Zeitung drin? Jeder steuert Geschichten und Termine aus seinem Gebiet dazu bei. Was könnte der Aufmacher werden? Stück für Stück füllt sich so das Blatt.

Meine erste wirkliche Aufgabe als angehender Journalist ist das Verfassen einer Bildunterschrift zu einer Scheckübergabe an die Hilfsaktion Häfler helfen. Ich mache auch das Foto. Das Schreiben des Textes gestaltet sich am Anfang kompliziert. Wie fängt man an, damit der Leser gerne weiterliest? Doch dann habe ich den Dreh raus. Durch das Schreiben von kurzen Meldungen und Nachrichten gewinne ich schnell an Übung und Sicherheit.

Auch die Redakteure helfen mir beim Formulieren und zeigen mir zusätzlich weitere Dinge, die zu ihrem Beruf gehören, wie das Schneiden von Beiträgen für die Regionalnachrichten des TV-Senders Regio-TV oder das Verwalten der Onlineseite „schwäbische.de“. Auch auf verschiedenen Social Media-Kanälen sind die Redakteure unterwegs. Am Nachmittag bin ich dabei, wenn die Seiten layoutet und abgenommen werden. Passen die Überschriften? Entdeckt noch jemand Rechtschreibfehler?

Es gibt natürlich auch weitere Unternehmen, bei denen man einen Bogy-Platz finden kann. So gehen zum Beispiel einige meiner Mitschüler zu Airbus, ZF oder MTU. Ein Freund schreibt mir auf WhatsApp, dass er gerade eine Art Mikrochip für einen Satelliten programmiert. Jedoch ist es auch möglich, sein Bogy in einem Kindergarten oder in einem Restaurant zu machen. Am Ende der Praktikums-Woche besuche ich die Mantelredaktion in Ravensburg und informiere mich am News Desk, wie dort Nachrichten aus aller Welt bearbeitet werden.

Ich habe während meines Bogys gelernt, wie es ist, „richtig“ zu arbeiten und nicht nur in der Schule zu sitzen und Aufgaben zu lösen. Es war schon ein tolles Gefühl, den eigenen Namen unter einem Text in der Zeitung zu lesen. Außerdem habe ich einen guten Einblick erhalten, was ein Journalist jeden Tag zu tun hat und bin schnell zum Schluss gekommen, dass dieser Beruf abwechslungsreicher nicht sein kann. Von einer einfachen Meldung über interessante Interviews bis hin zum Berichten über Straftaten kann an einem normalen Arbeitstag alles passieren. Man trifft die unterschiedlichsten Menschen – jeder hat eine Geschichte zu erzählen – und tauscht sich mit netten Kollegen aus. Auch nach meinem Praktikum bin ich weiter fasziniert vom Beruf des Journalisten und hoffe, dass ich irgendwann nach meiner Schullaufbahn und dem Studium die Chance habe, diesen Job auszuüben.

Die Berufsorientierung am Gymnasium, kurz Bogy, ist eine für alle Schüler der Klasse 9, 10 oder 11 in Baden-Württemberg verpflichtende, einwöchige Berufsorientierungszeit. Die Schüler suchen sich anhand ihrer Interessen eigenständig einen Praktikums-Platz, berichtet Lehrer Jochen Jehle, der am Bildungszentrum Markdorf das Bogy betreut. In erster Linie sollten die Schüler Spaß und Freude haben, jedoch sei es auch ein wichtiges Ziel, dass sich die Jugendlichen auch Gedanken über ihren späteren Berufsweg machten. Die meisten Schüler finden das Bogy laut Jehle interessant und hilfreich. Vielen Schülern habe das Praktikum geholfen, einen passenden Beruf zu finden.

Meist gelesen in der Umgebung
Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen