Eine Sternstunde des A-cappella-Chorgesangs

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Unter der Leitung von Nikolaus Henseler singt das Vokalensemble Camerata serena in der Nikolauskirche: Cello (Alexander Dohna) u
Unter der Leitung von Nikolaus Henseler singt das Vokalensemble Camerata serena in der Nikolauskirche: Cello (Alexander Dohna) u (Foto: Christel Voith)
Schwäbische Zeitung
Christel Voith

Eine Sternstunde des Chorgesangs haben die zahlreichen Besucher am Samstagabend beim A-cappella-Konzert des Friedrichshafener Vokalensembles „Camerata serena“ in der Nikolauskirche erlebt.

Eine Zeitlang ließ Chorleiter Nikolaus Henseler die Hände noch erhoben, ehe der Beifall aufbrauste – kostbare Zeit, das Gehörte kurz nachklingen zu lassen. „Ein Hochgenuss, schöner kann man das ,Locus iste’ nicht singen“, sagten spontan Mitglieder des Markdorfer Kirchenchors. Rundum zeigte man sich beeindruckt vom ausgewogenen Chorklang, von der Pianokultur, von der makellosen Schönheit, die den Atem anhalten ließ.

Am Projektchor nehmen Sänger von weither teil

Nikolaus Henseler schöpft für den Projektchor aus einem Reservoir von rund hundert Sängern, die bis von Sigmaringen kommen. Zum bewährten Stamm kommen sangesbegeisterte Studenten der Zeppelin Universität Friedrichshafen. Zehn Männerstimmen und siebzehn Frauenstimmen fügten sich am Samstag zu einem besonders glücklichen Miteinander, zu einem ganz besonderen Konzert. Das Programm hatte Henseler (Jahrgang 1991), der nach abgeschlossenem Philosophie- und Germanistikstudium an der Musikhochschule Trossingen ein Musikstudium mit Hauptfach Klavier anschließt, seit Oktober auch ein Masterstudium in Chorleitung, ganz auf das Fest Allerheiligen abgestimmt. Noch duftete es in der Kirche nach dem Weihrauch der Abendmesse, da versetzte zum Auftakt der russisch gesungene Cherubim-Hymnus von Michail Glinka in die Klänge der orthodoxen Kirche mit ihren hellen Sopranen und tiefen Bässen.

Überraschend erhob sich der meditative Hymnus zum freudigen vielstimmigen Halleluja. In hochkultiviertem Gesang folgte Mendelssohns romantische Motette „Herr, nun lässest du deinen Diener in Frieden fahren“, friedvoll blühte die Hoffnung auf einen seligen Tod, auf das Licht der Ewigkeit auf. Als schöne Zäsur spielte Alexander Dohna, Cello-Student in Trossingen, in feierlichem Ernst Johann Sebastian Bachs Cello-Suite Nr. 2 d-Moll BWV 1008. Mit warmem Ton ohne Schärfe, mit kraftvollem Spiel durchmaß das Cello Höhen und Tiefen, war meditativ oder von überraschender Beweglichkeit in den schnellen Tänzen. Die Sonate umrahmte Bachs Motette „Komm, Jesu, komm“ für Doppelchor, hier stimmig begleitet vom Cello und von Andrea Antonel an der Laute. Kunstvoll modellierte der Chor die drei Teile, die Todesmüdigkeit des Sterbenden, das Sehnen nach Jesu Begleitung in der Verheißung von Wahrheit und Leben und den friedvollen Abschied. Vorbei war die flackernde Unruhe, ruhig floss der Gesang dahin.

Der letzte Gesangsblock brachte Juwelen geistlicher Literatur von Anton Bruckner. Immer neue Stimmgruppen leuchteten auf und vereinten sich wieder in der Motette „Christus factus est“, ergreifend sang der Chor die tiefe Ehrfurcht vor dem Geheimnis Gottes im „Locus iste“, schwingend vereinten sich im „Ave Maria“ die anfänglich getrennten Frauen- und Männerstimmen. Strahlenden Lob- und Preisgesang brachten zuletzt die Motetten „Vexilla Regis“ und „Os justi“. Und wie stimmig war der wunderbare Abschluss mit Max Regers „O Tod, wie wohl tust du“.

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