Eine bunte Reise durch die Zeit

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 Für Telemanns Kantate „Der Morgen“ musizieren Chor und Orchester der Musikfreunde Markdorf unter der Leitung von Johannes Eckma
Für Telemanns Kantate „Der Morgen“ musizieren Chor und Orchester der Musikfreunde Markdorf unter der Leitung von Johannes Eckmann, es singt Anuschka Schoepe. (Foto: Christel Voith)
Helmut Voith

Wahrscheinlich sind der Hitze wegen am Sonntagabend beim Konzert der Musikfreunde Markdorf doch einige Plätze in der Stadthalle frei geblieben. Schade, denn unter dem Motto „Alles hat seine Zeit“ waren vergnügliche und nachdenkliche Texte zu hören, die die musikalischen Beiträge auflockerten und dem Ganzen ein eigenes Format gaben.

Mit Ludwig Senfls „G’läut von Speyer“ läutet der Chor der Musikfreunde von der Empore aus den Abend ein, dann setzt sich Moderator Julian Stumpp in seinen Schaukelstuhl vor der Bühne, nimmt die Babypuppe in den Arm und liest einen Abschnitt aus Helga Sachse-Höfles „Peter sammelt die Zeit“. Der kleine Peter möchte beachtet werden, doch keiner hat Zeit für ihn, also schneidet er aus der Zeitung Stunden und Minuten aus und will sie gestressten Zeitgenossen verschenken oder verkaufen. Wenigstens geht zuletzt der Vater darauf ein und geht mit ihm zwei geschenkte Stunden lang zum Angeln. Eine hübsche Einführung ins Thema Zeit. Später steht Stumpp am Bügelbrett oder schreitet als Hemdglonker durch den Saal, immer passende Sprüche auf Lager, die er geschickt unters Volk streut.

Um die Zeit kreist auch das musikalische Programm, das der Chor unter Uli Vollmers Dirigat vorträgt. Der gemischte Chor der Musikfreunde Markdorf und der Airbus BSG Dornier zeigt dabei sehr ansprechende Gesangskultur und eine sehr gute Artikulation, wie man sie bei Laienchören nicht immer antrifft.

Von Haydn bis Peter Schindler reichen die Beiträge, die mit Schindlers eingängiger, stimmungsvoller Vertonung des Eichendorff-Gedichts „Mondnacht“ enden. Andrea Kahlo-Ringendahl hat bis dahin die Chorbeiträge begleitet, jetzt im zweiten Teil ist es das Orchester der Musikfreunde unter der Leitung von Johannes Eckmann, wobei Anuschka Schoepe mit ihrem warmen Sopran als Solistin hervortritt.

Schön und passend ist, dass Vollmer für die Chorbeiträge wieder Lieder aus Peter Schindlers szenischer Kantate „Sonne, Mond und Sterne“ aufgenommen hat, die er 2015 mit den Musikfreunden Markdorf als Ganzes aufgeführt hatte.

Das gesamte Orchester der Musikfreunde und der Airbus BSG Dornier leitet den zweiten Teil mit Joseph Haydns Sinfonie Nr. 90 C-Dur mit ihrem Wechsel von Tutti-Passagen und anmutigen Flöten- und Oboensoli ein. Indem das Programm verschiedene Zeiten vereint, macht es deutlich, dass die Menschen von jeher ihre Probleme mit der Zeit hatten. Mit Paulchen Panters vergnüglichem „Wer hat an der Uhr gedreht?“ als Zugabe endet die musikalische Zeitreise.

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