Eine Blaupause für Naturschutz

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Die Lenkungsgruppe des Biotopverbunds Bodensee berät sich mit Heinz Sielmann und Peter Berthold. Das Bild entstand im Jahr 2003
Die Lenkungsgruppe des Biotopverbunds Bodensee berät sich mit Heinz Sielmann und Peter Berthold. Das Bild entstand im Jahr 2003 zu Beginn des Projekts. (Foto: Heinz-Sielmann-Stiftung)
Schwäbische Zeitung

Die Heinz-Sielmann-Stiftung feiert ihr 25-jähriges Jubiläum und damit ein Vierteljahrhundert erfolgreiche Naturschutzarbeit in Baden-Württemberg und deutschlandweit. Ihr wichtigstes Projekt im Land ist der Biotopverbund Bodensee.

Am 2. Juni 1994 gründeten Inge und Heinz Sielmann ihre Stiftung. Am gleichen Tag feierte der berühmte Naturfilmer und überzeugte Naturschützer seinen 77. Geburtstag. Heinz Sielmann war immer ein Vordenker und Vorreiter im Naturschutz, heißt es in einer Mitteilung der Stiftung. So ist es nicht verwunderlich, dass er und der renommierte Ornithologe Peter Berthold das Projekt Biotopverbund Bodensee gemeinsam umsetzten. Die beiden kannten sich bereits seit 1955, Sielmann war für Peter Berthold mittlerweile zum väterlichen Freund geworden. In der frühen Planungsphase im November 2003 wandte er sich Hilfe suchend an Sielmann. Dieser war von der Grundidee der Renaturierung begeistert und sagte seine Unterstützung zu. Das Projekt ist heute Vorbild für weitere Maßnahmen in Deutschland, die einen Beitrag zum Erhalt der biologischen Vielfalt leisten, heißt es weiter.

Naturschutz vor der Haustür

Der erste Baustein des Biotopverbunds war der Heinz-Sielmann-Weiher bei Owingen-Billafingen. Die Lage dieses Biotops und die Landkreise Bodenseekreis und Konstanz als Projektkulisse waren kein Zufall. Zu Beginn des Projekts 2004 koordinierte Peter Berthold die Maßnahmen gemeinsam mit dem Büro Planstatt Senner aus Überlingen. Berthold lebte damals und heute in Billafingen. Unterstützung bekam er von vielen ehrenamtlichen Mitarbeitern, die sich in einer Lenkungsgruppe organisiert hatten.

Seit 2012 kümmert sich das Projektbüro in Stockach um den Biotopverbund und führt damit die ursprüngliche Idee von Berthold und Sielmann weiter. Mittlerweile hat das Team an 38 Standorten 116 Einzelmaßnahmen umgesetzt. Diese reichen von der Anlage neuer Stillgewässer über die Pflege und Weiterentwicklung von Streuobstwiesen bis hin zu Beweidungsprojekten auf extensivem Grünland. So entstanden neue Lebensräume in der Landschaft. In den Schilfgürteln der neuen Weiher brüten wieder Teichrohrsänger, Rohrammer und Zwergtaucher. Gelbbauchunke und Laubfrosch finden neue Laichgewässer. Auf den Streuobstwiesen leben bis zu 5000 Tier- und Pflanzenarten. Außerdem fördert die Heinz-Sielmann-Stiftung ein Projekt zur Erhaltung alter Birnensorten, um diese vor dem Aussterben zu bewahren. Gemeinsam mit Partnern aus der Region, wie etwa den 17 Städten und Gemeinden, den Landkreisen, der Stiftung Naturschutzfonds Baden-Württemberg und anderen Naturschutzverbänden, wurde ein beispielgebendes Verbundprojekt ermöglicht. Das Modell Biotopverbund ist auf andere Regionen übertragbar. Die Mitarbeiter der Stiftung haben dafür ihr Fachwissen und ihre Erfahrung in einer Broschüre zusammengestellt und laden zum Nachmachen ein. Der Nachbarlandkreis hat dieses Angebot aufgegriffen. Anfang Februar wurde der Spaten als Auftakt für den Biotopverbund Ravensburg feierlich in die Erde gestochen. „Nur was wir kennen, können wir schützen“ war einer der Leitsätze Sielmanns. Das Naturerleben für Groß und Klein wurde ein zentraler Stiftungszweck. Zum Jubiläum laden die Mitarbeiter alle Interessierten zu besonderen Veranstaltungen und „Expeditionen ins Tierreich“ ein. Experten und Kooperationspartner der Stiftung bieten geführte Exkursionen zu Singvögeln, Orchideenwiesen, Libellen und Fledermäusen an.

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