Ein Bösendorf-Flügel für die Musikschule

Lesedauer: 5 Min
Fünf Schüler an einem Klavier? Da braucht es doch dringend vier weitere!
Fünf Schüler an einem Klavier? Da braucht es doch dringend vier weitere! (Foto: Christel Voith)

Ihr Jubiläumskonzert zum zehnjährigen Bestehen hat die am 1. Oktober 2007 gegründete Förderstiftung Musikschule Markdorf im vergangenen Jahr lieber verschoben, um nicht in der Fülle der Jubiläumsveranstaltungen der Stadt unterzugehen. Dafür hat sie jetzt am Samstagnachmittag in der gut gefüllten Stadthalle ihren elften Geburtstag gefeiert.

Zu einem Geburtstag gehören Geschenke, doch hier hat die Jubilarin ihrerseits die Musikschule beschenkt: mit einem Bösendorf-Flügel, von dem nicht nur die 140 Klavierschüler profitieren, sondern die Musikschule überhaupt, denn wie Musikschulleiter Gerhard Eberl sagte, brauche man ein Klavier auch für jegliche Art von Kammermusik. Wie dringend das hier symbolisch überreichte Instrument benötigt wurde – das echte steht schon an Ort und Stelle –, zeigten mit Witz fünf Kinder, die sich vor dem einzigen Klavier auf der Bühne drängten und zehnhändig „Old Banjo“ spielten.

Ein Kraftakt war die Finanzierung für die Förderstiftung, zumal die Zinsen für das Stiftungskapital nahe Null liegen. Es bedurfte findiger Köpfe, um dennoch den Stiftungszweck – eine Hilfe zur Sachausstattung und die Förderung sozial schwacher Schüler – zu erfüllen. Stiftungsvorstand Edgar Sieber blickte kurz zurück auf den Beginn, als sogleich 100 000 Euro Kapital erreicht wurden, inzwischen sei es auf über 150 000 Euro angewachsen. Bei fehlenden Zinsen können die Ziele nur dank Spenden verwirklicht werden, so werden beispielsweise zweijährig Stiftungskonzerte angeboten. Edgar Sieber und seinen Vorstandskollegen Gerhard Barisch und Gerhard Eberl war es eine Freude, den früheren Vorstand Uli Vollmer und die früheren Kuratoriumsmitglieder Doris Kiefer und Renate Tafelmair zu ehren, die mit ihrer Initiative und ihren Ideen die Stiftung von Anfang an unterstützt und vorangetrieben hatten.

Bürgermeister Georg Riedmann hob in seinem Grußwort hervor, dass die Musikschule aus privater Initiative entstanden sei, das i-Tüpfele sei dann die Gründung der Stiftung gewesen, die in den elf Jahren 41 000 Euro an die Musikschule ausgeschüttet und ihr jetzt ein ganz besonderes Geschenk gemacht habe: „ein gutes Beispiel bürgerschaftlichen Engagements nicht der Worte, sondern der Taten“. Bei solchem Engagement könnten sich auch Kommunalpolitiker ihrer Verpflichtung nicht entziehen. Derzeit werde ein Fördermodus erarbeitet, der eine stabile und zuverlässige Basis für die kommunale Förderung der Musikschule schaffe.

Wie alle Redner hervorhoben, ist dieser Efolg weitgehend dem persönlichen Einsatz Einzelner zu verdanken. Schon beim Startkapital hätten drei Stifter sich mit über 10 000 Euro beteiligt. „Das Geld ist gut investiert“, kommentierte Unternehmer Albert Weber, der als „indirektes“ Geschenk für die Stiftung eine Überraschung mitbrachte, die den Musikschulleiter „sprachlos“ werden ließ: Die Familie spendet 10 000 Euro, die gleich bei der Musikschule ankommen sollen, dazu, „wenn die Musikschule es wünscht“, bis zum 25. Geburtstag der Stiftung eine jährliche Verzinsung mit 10 Prozent, sprich jedes Jahr 1000 Euro. Herzlich dankte Musikschulleiter Eberl dem großzügigen Sponsor und der Förderstiftung.

Schließlich wartete auf die zahlreichen Gäste noch ein ganz besonderes Highlight: das „Duo Complett“ aus Freiburg. Exzellente Akrobaten, Jongleure und Equilibristen kann man auch im Zirkus sehen – dass sie aber kopfüber, kopfunter, auf Händen, Füßen oder Kopf stehend musizieren oder sich sechs Banjos zuwerfen und zugleich noch darauf eine Melodie zupfen, das war schlichtweg umwerfend.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen