Eigentümer des Heggbacher Hofs erwägt Abbruch

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In der Scheuer zur Straße hin befand sich früher ein Torkel. Im hinteren Teil des Gebäudes wurden unter anderem Wandmalereien en
In der Scheuer zur Straße hin befand sich früher ein Torkel. Im hinteren Teil des Gebäudes wurden unter anderem Wandmalereien entdeckt. (Foto: bbb)
Schwäbische Zeitung

Der Markdorfer Bauträger Betz und Weber würde den denkmalgeschützten Heggbacher Hof in der Spitalstraße gerne abreißen. Diesen Willen hat er zumindest gegenüber der Stadtverwaltung Markdorf formuliert. Doch ob es wirklich soweit kommt, ist fraglich. Fakt ist, dass ein Antrag auf denkmalschutzrechtliche Genehmigung zum Abbruch des Gebäudes aktuell nicht vorliegt.

Unterlagen für ein Kenntnisgabeverfahren hat Betz und Weber bei der Markdorfer Stadtverwaltung zwar eingereicht. Doch damit habe sich der Bauträger nicht nur an die falsche Stelle gewandt, sondern auch in rechtlicher Hinsicht den falschen Weg gewählt, sagt Torsten Schneider vom Baurechtsamt. Denn zum einen ist der Hof denkmalgeschützt. Das bedeutet, dass nicht die Stadtverwaltung, sondern die untere Denkmalschutzbehörde für den Abbruch eines denkmalgeschützen Gebäudes zuständig ist. In Markdorf liegt die untere Denkmalschutzbehörde beim Gemeindeverwaltungsverband. Die Stadtverwaltung ist also schlichtweg der falsche Adressat für einen Abbruchantrag.

Zum anderen ist das Grundstück des Heggbacher Hofs mit einer Veränderungssperre belegt. „Das heißt, es darf nichts verändert werden. Das schließt auch einen Abbruch ein“, sagt Torsten Schneider. Der Markdorfer Gemeinderat hatte im Januar beschlossen, einen Bebauungsplan namens „Am Stadtgraben“ aufzustellen, der dann auch für den Bereich um den Heggbacher Hof gelten soll. Bis der Bebauungsplan in Kraft tritt, gilt die Veränderungssperre. Will Betz und Weber den Heggbacher Hof abbrechen, muss der Bauträger bei der Stadtverwaltung auch einen Antrag auf Aufhebung der Veränderungssperre stellen. Die Markdorfer Stadtverwaltung habe die Unterlagen des Kenntnisgabeverfahrens wieder an Betz und Weber zurückgeschickt. „Wir haben den Hinweis gegeben, dass es sich um das falsche Verfahren handelt“, sagt Schneider.

Erhaltungsfähigkeit wird geprüft

Doch welche Voraussetzungen müssen erfüllt sein, damit ein denkmalgeschütztes Gebäude überhaupt abgebrochen werden darf? „Das sind Einzelfallentscheidungen“, sagt Désirée Bodesheim, Pressereferentin des Regierungspräsidiums Stuttgart, bei dem das Landesdenkmalamt als obere Denkmalschutzbehörde angesiedelt ist. Sollte ein Abbruchantrag für den Heggbacher Hof eingehen, wird das Landesdenkmalamt zwar nicht die Entscheidung treffen. Es wird lediglich eine Stellungnahme dazu abgeben.

Ein Kriterium für einen etwaigen Abbruch ist, ob das Gebäude als erhaltungswürdig und erhaltungsfähig eingestuft wird. „In einem ersten Schritt prüft das Landesdenkmalamt die Erhaltungsfähigkeit des Kulturdenkmals“, erläutert Désirée Bodesheim. „In einem zweiten Schritt wird dann die Zumutbarkeit der Erhaltung des Kulturdenkmals seitens der unteren Denkmalschutzbehörde in Abstimmung mit dem Landesdenkmalamt geprüft.“ Die Zustimmung zum Abbruch werde von der unteren Denkmalschutzbehörde erteilt, sofern die Zumutbarkeit der Erhaltung des Kulturdenkmals nicht mehr gegeben ist. Vor einem Abbruch werde außerdem geprüft, ob es aufgeschlossene Kaufinteressenten gibt. „Der Eigentümer muss nachweisen können, dass er versucht hat, das Gebäude zu verkaufen“, sagt sie. Im Fall des Heggbacher Hofs gebe es einen Kaufinteressenten.

Dass es tatsächlich zum Abbruch des Heggbacher Hofs kommt, kann sich Torsten Schneider nicht vorstellen. „Substanziell ist er in einem guten Zustand. Der Heggbacher Hof ist ein gesundes Gebäude“, sagt er. Für Kulturdenkmäler gelte die Erhaltungspflicht, solange sie für die Eigentümer im Rahmen des Zumutbaren seien. „Dazu gehört wohl auch, die Fenster und Türen nicht wochenlang offen stehen zu lassen“, sagt er. Damit spielt er auf Hinweise an, die immer wieder vonseiten der Bevölkerung an die Stadtverwaltung herangetragen werden, wonach beim Heggbacher Hof wochenlang Fenster oder Türen offen stehen würden.

Was Betz und Weber plant

Der Markdorfer Bauträger Betz und Weber hat den Heggbacher Hof 2010 von privater Hand für 250 000 Euro gekauft. Im hinteren Teil des Gebäudes wollte Alexander Weber selbst einziehen, in der Scheuer zur Spitalstraße hin wollte das Unternehmen seine Geschäftsräume einrichten. Für die Umnutzung lag bereits 2012 eine Baugenehmigung vor, deren Gültigkeit inzwischen wieder abgelaufen ist. In der Zwischenzeit wurden verschiedene Entwurfsvorschläge für das Restgrundstück erarbeitet. Der Plan war, vor der Sanierung auf dem Restgrundstück ein Mehrfamilienhaus zu bauen. Der Stadt Markdorf waren die Entwürfe für die verbleibende Fläche allesamt zu groß und zu massiv. Im Januar lehnte der Gemeinderat den Bauantrag für ein Mehrfamilienhaus mit sechs Wohneinheiten und einer Tiefgarage ab. Der Bauträger hatte angegeben, das Mehrfamilienhaus bauen zu wollen, um die Kosten für die aufwändige Sanierung des Heggbacher Hofs zu kompensieren.

Wie Bürgermeister Georg Riedmann damals in öffentlicher Sitzung schilderte, hatte Betz und Weber der Stadtverwaltung im Vorfeld verschiedene Angebote zur Übernahme des Heggbacher Hofs gemacht. Das letzte Angebot sei bei 600 000 Euro gelegen, doch Betz und Weber habe auch den Tausch des Heggbacher Hofs mit der Spitalstraße 2 ins Spiel gebracht. Ein dritter Vorschlag war, sämtliche 13 Grundstücke, die die Stadt Markdorf dieses Jahr in Markdorf Süd für den Bau von Einfamilienhäusern verkaufen will, gegen das denkmalgeschützte Gebäude zu tauschen. Riedmann hält einen Kaufpreis von 350 000 Euro für denkbar.

Warum der Hof erhaltenswert ist

Wie das Landesdenkmalamt mitteilt, handelt es sich beim Heggbacher Hof nach dem Denkmalschutzgesetz um ein Kulturdenkmal. Der Klosterhof, bestehend aus Wohnteil und angrenzendem Torkel, geht im Kern bis auf das 14. Jahrhundert zurück. Im Wesentlichen stammt das Bauwerk aus dem 15. und 16. Jahrhundert. In Markdorf gab es früher 18 Klosterhöfe mit zugehörigen Weinbergen und „Torkel“. Einer dieser wenigen bis unsere Zeit überlieferten Klosterhöfe ist der Heggbacher Hof.

„An der Erhaltung des ehemaligen Heggbacher Hofs, dessen Bauweise und Anordnung der Baukörper den vergangenen Klosterbesitz in der Stadt Markdorf bezeugen, besteht aus künstlerischen, wissenschaftlichen und heimatgeschichtlichen Gründen ein öffentliches Interesse“, schreibt das Landesdenkmalamt. Gegen das Abbruchvorhaben bestünden aus denkmalfachlicher Sicht erhebliche Bedenken.

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