Die Hauptschule bleibt massiv unter Druck

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Schwäbische Zeitung
Redaktionsleiter

116 neue und 68 versetzte Lehrer fangen zum neuen Schuljahr im Bereich des Staatlichen Schulamts Markdorf ihre Arbeit in den beiden Landkreisen Bodenseekreis und Ravensburg an. Die Zahlen befänden sich laut Amtsleiter Klaus Moosmann fast auf Vorjahresniveau: „Wir sind zufrieden“, sagte er am Rande der Begrüßungsveranstaltung am Freitag in der Markdorfer Stadthalle.

Über 4000 Lehrer sind für die 33852 Schüler an den 82 Grund-, 18 Real-, 15 Gemeinschafts-, 27 Werk- oder Haupt- sowie 21 Förder- und Sonderschulen, für die das Schulamt verantwortlich ist, in den beiden Landkreisen zuständig. Moosmann betonte, dass die Anzahl der Schüler in den Eingangsklassen angestiegen sei. Dennoch würden im Vergleich zum abgelaufenen Schuljahr 561 weniger Kinder und Jugendliche unterrichtet.

Realschule verliert Schüler

Aufgrund der vier neuen Gemeinschaftsschulen, die zu diesem Schuljahr ihren Betrieb starten, geht die Schülerzahl an den Haupt- und Werkrealschulen massiv zurück, im Bodenseekreis um elf Prozent, im Landkreis Ravensburg um 12,8 Prozent. Auch die Realschule ist weiter unter Druck. So besuchen jetzt nur noch 6219 Kinder und Jugendliche diese Schulform im Landkreis Ravensburg (minus 4,3 Prozent) sowie 3982 im Bodenseekreis (minus 6,2 Prozent).

Im Vergleich dazu bleiben die Schülerzahlen an den Gemeinschaftsschulen recht gering. Darin liegt auch der Grund für den starken prozentualen Anstieg. Gingen im vergangenen Jahr im Bodenseekreis 90 Schüler in diese Schulform, sind es nun 384 (plus 326,7 Prozent), im Landkreis Ravensburg steigt die Zahl von 526 auf 900 Schüler (plus 71,1 Prozent).

Feedback-Kultur lernen

Schulamtsleiter Moosmann betonte, dass die Lehrer die Lernprozesse aus der Sicht der Lernenenden sehen sollten: „Wir müssen den Kindern Zeit geben, eine Aufgabe zu lösen. Mancher braucht dazu einfach länger“, sagte er. Die Lehrer sollten zudem von den Kindern und Jugendlichen ein Feedback einfordern. So sollten sie immer mal wieder fragen, ob die Schüler mit ihrer Arbeit zufrieden sind, schließlich seien die Lehrer entscheidend für den Lernerfolg.

„In der Bildungslandschaft geht derzeit viel drunter und drüber“, sparte Moosmann nicht mit Kritik an der Bildungspolitik im Land Baden-Württemberg. Er berichtete, dass am Mitwoch Kultusminister Andreas Stoch (SPD) in Stuttgart betonte habe, nun zu versuchen, die Wellen zu glätten. Markdorfs Bürgermeister Georg Riedmann sprach gar davon, dass die Schüler aktuell durch die Bildungspolitik „gebeutelt“ würden.

Ottmar Rupp, Vorsitzender des Örtlichen Personalrats, skizzierte ein Bildungslandschaft im Wandel. Dazu nannte er neben weiteren Stichpunkten etwa die Inklusion, die neuen Bildunsgpläne oder die regionale Schulentwicklung. Gerade die Integration von behinderten Kindern werde immer wichtiger. Das Ziel müsse es sein, trotz dieser Umstände, den Schülern eine „möglichst gute Bildung zu geben“. Daher plädierte er für faire Arbeitsbedingungen durch andere Arbeitszeit- und Schulleitermodelle, moderne Arbeitsplätze und eine Angleichung von Deputaten und Bezahlung.

Mit Blick auf das Internet mahnte Schulrat Ulrich F. Damm einen behutsamen Umgang mit den Sozialen Netzwerken an: „Beachten Sie sorgsam, was sie in einer Community schreiben. Die Themen Schüler und Schule haben dort keinen Platz“, sagte er. Zudem sollten die neuen Lehrer darauf achten, dass es gearde im Bezug auf ältere Schüler zu keinen Missverständnissen kommen kann: „Seien Sie vorsichtig“, sagt er.

Auch Moosmann hatte einen Tipp für die Lehrer dabei: „Stecken Sie mit Ihrem Lächeln Ihre Kollegen an“, sagte er. So könnten sie ihre neue Schule leicht und schnell zu ihrer Schule machen.

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