Das erste Mal alleine unterwegs

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Schwäbische Zeitung

Ein halbes Jahr fahren Ralf König aus Urnau und sein Kumpel Johannes Herr mit ihrem Bus quer durch Europa. Dabei sind sie immer auf der Suche nach anderen Freestyle-Fußballern. Heute: Der Aufbruch.

Endlich! Nach monatelanger Planung ist es nun soweit: Ab sofort werden wir für mehrere Monate mit unserem VW-Camper auf Europas Straßen unterwegs sein, um die kulturellen Unterschiede innerhalb Süd-West-Europa zu erkunden und so viele Freestyle-Fußballer wie möglich zu treffen. Zu Beginn ist es ein neues, eher unbeschreibliches Gefühl: Das erste Mal allein unterwegs für einen längeren Zeitraum, das erste Mal auf sich allein gestellt, das erste Mal selbst kochen und Wäsche waschen.

Voller Vorfreude also starten wir den Trip an einem wunderschönen Donnerstagnachmittag in Richtung Freiburg, als urplötzlich die Kupplung unseres schon ein wenig in die Jahre gekommenen VW-Busses Probleme bereitet und wir mitten auf einer Kreuzung stehen bleiben – was für ein Schock. Müssen wir unsere Reise schon am ersten Tag abblasen?

Glücklicherweise handelt es sich um einen relativ geringen Schaden, der noch am darauffolgenden Tag behoben werden kann, sodass wir unsere Tour wie geplant in Richtung Heilbronn fortsetzen können. Dort treffen wir den ersten Freestyle-Footballer unseres Trips, bei dem wir zwei Tage unterkommen können. Erfreulicherweise hat Ricardo Zugang zu einer Halle, weshalb wir trotz des schlechten Wetters intensiv trainieren können.

Begleitet von Muskelkater geht es nun weiter nach Seebach zu David, einem im Vergleich noch jungen Freestyler der Szene. Er zeigt uns nicht nur die Schönheit des Schwarzwaldes, sondern auch die wunderschöne Aussicht vom Hornisgrinde über den Ortenaukreis. Hier wird es ernst: Wir entscheiden uns, die Nächte zum ersten Mal in freier Natur – ohne Strom und Sanitäranlagen – zu verbringen, um bei Sonnenaufgang weitere Freestyle-Clips aufzunehmen.

Nach einer wohltuenden Dusche an einem Autohof geht die Reise weiter nach Straßburg. Die Stadtbesichtigung beenden wir mit einer kleinen Trickfußballshow auf dem Münstervorplatz. Daraufhin entscheiden wir uns, weitere deutsche Freestyler in Stuttgart, Mainz und Frankfurt zu besuchen. Zur Belohnung der anstrengenden vorangegangenen Tage gönnen wir uns einen erstmaligen Restaurantbesuch.

Gestärkt und voller Energie starten wir nach Luxemburg, wo wir zuerst die Stadt besichtigen und später dann zwei Tage auf einem Campingplatz verbringen. Erstmals müssen wir hier unser Essen selbst zubereiten, was sich als eine super Erfahrung herausstellt. Der Abwasch wird hierbei leider nicht von Mama übernommen. Die zwei folgenden Tage im Ausland kommen wir ganz ohne Internet aus, was in der heutigen Zeit eher ungewohnt ist. Jedoch wird uns hier bewusst, dass wir in näherer Zukunft wohl des Öfteren auf das World Wide Web verzichten werden müssen. Denn nun geht es zum letzten Mal wieder zurück in unser Heimatland, wenn auch sehr weit von unserem Heimatort entfernt. Über Belgien fahren wir für drei Tage in den Norden Deutschlands, genauer gesagt nach Paderborn zu dem aus Rottweil stammenden Mike Niidas.

Begleitet von Straßenaufritten in der Paderborner Fußgängerzone haben wir eine super Zeit. Die vielen Trainingseinheiten fordern ihren Tribut: bergeweise Wäsche. Auch hier müssen wir ohne die Hilfe unserer Mütter auskommen (bis auf einige Tipps bezüglich des Waschprogramms, sowie der Wäschetrennung).

Voller Elan und frischer Kleidung machen wir uns am Samstag auf den Weg nach Holland, wo wir an einem „Freestylemeeting“ mit der niederländischen Freestyle-Elite teilnehmen werden.

In den folgenden Wochen werden wir unsere Reise dann Richtung Süden über Belgien, Frankreich nach Spanien bis Portugal fortführen. Dann hoffentlich mit etwas besserem Wetter und wärmeren Temperaturen.

Weitere Bilder und Videos gibt es im Internet unter

facebook.com/freestyle.bw

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