BUND und Nabu fordern Ausbau der B 31-neu

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 Der Laubfrosch ist gefährdet.
Der Laubfrosch ist gefährdet. (Foto: Gerhard Kersting)
Schwäbische Zeitung

Die Naturschutzverbände BUND Markdorf und Nabu Bodensee befürworten den dreispurigen Ausbau der B 31-neu zwischen Immenstaad und Meersburg auf der bestehenden Trasse. „Dies würde zu einer Minimierung des Flächenverbrauchs führen, die überregional bedeutsamen Bestände der Fauna und Flora weitgehend erhalten und die geschützten, hochwertigen Biotoptypen im Wesentlichen bewahren“, schreiben die beiden Verbände in einer gemeinsamen Stellungnahme.

Sie unterstützen die von den Planern vorgeschlagenen Vorkehrungen zur Reduzierung der Lärmbelästigung und zum Sichtschutz, die etwa einen Tunnel bei Hagnau sowie eine Überdeckelung der B 31 bei Stetten und Immenstaad umfassen. Einem Neubau der B 31 auf den Trassen B oder C können die Verbände hingegen nicht zustimmen, heißt es.

Laut Stellungnahme kartierten die Gutachter im nördlichen Bereich des Untersuchungsraums geschützte und hochwertige Biotoptypen mit einer Gesamtfläche von 147 Hektar. Insbesondere die Wälder im Untersuchungsgebiet seien mit einer hohen bis sehr hohen Wertstufe belegt. Bei der sogenannten faunistischen Erfassung seien insgesamt 115 Vogelarten nachgewiesen worden, davon 92 Brutvogelarten und 23 Gastvögel. Acht Arten werden den stark gefährdeten und sechs den gefährdeten Brutvogelarten zugerechnet. Weitere gefährdete Arten gehören zu den Nahrungsgästen und Durchzüglern.

Zudem seien insgesamt 17 Fledermausarten dokumentiert worden, von denen laut Pressemitteilung drei den vom Aussterben bedrohten, fünf den stark gefährdeten und vier den gefährdeten Arten zuzuordnen sind. Die funktionalen Beziehungen zwischen Quartier- und Jagdgebieten umfassen einen Großteil des Untersuchungsgebiets. Erfasst worden seien auch insgesamt acht Arten der Amphibien und drei der Reptilien, wovon zwei Arten (Laubfrosch und Gelbbauchunke) ebenfalls stark gefährdet sind.

Wertvolle Waldgebiete

Im Rahmen der Gesamtbewertung der Fauna werde deutlich, wie die Trassenbündel B und C durch „überregional bedeutsame“ und „regional bedeutsame“ Flächen führen würden, sowohl im Bereich des Weingartenwalds und im Osten bei der Durchfahrung des Naturschutzgebiets Lipbachsenke. Betroffen sind durch die Trasse C auch die wertvollen Waldgebiete Ikeles Holz und Weiher Holz, heißt es.

„Ein vierspuriger Neubau der B 31-neu auf einer der zu den Trassenbündeln B und C gehörenden Linie wäre eine Katastrophe für die hier ,noch’ vorhandene Biodiversität“, heißt es. Eine solche Straßenführung südlich oder nördlich des Waldes Weingarten mit einem Zaun auf beiden Straßenseiten wäre laut BUND und Nabu ein schwerer Eingriff in die Biotopstruktur der vorhandenen Fauna. Auf den Flächen südlich dieser Trassen sei mit einer starken Einschränkung der Biodiversität zu rechnen, da eine neue Bundesstraße eine starke Trennungswirkung hätte. Die südlich gelegenen Flächen würden aus Sicht der Naturschutzverbände binnen weniger Jahre verarmen, wie dies bereits gegenwärtig beidseitig der bestehenden B 31 der Fall sei. Die Nutzung des Gebietes beidseitig einer neuen Straße zu Erholungszwecken wäre stark eingeschränkt, wenn nicht gar ausgeschlossen.

Laut BUND und Nabu würde der sparsame Umgang mit freien Flächen, also der Ausbau auf der bestehenden B 31, dazu beitragen, natürliche Lebensräume, wertvolle Böden, land- und forstwirtschaftliche Nutzflächen und die Artenvielfalt zu erhalten, da die bestehende B 31 bereits auf aus Naturschutzsicht verarmt eingestuften Flächen verlaufe. Für die Trassen B und C mit insgesamt jeweils rund elf Kilometer neu zu bauenden Teilstrecken würden allerdings etwa 50 Hektar Flächen von höchster Schutzwürdigkeit beziehungsweise landwirtschaftlich genutzte Flächen verbraucht. „Insbesondere das Naturschutzgebiet Lipbachsenke muss erhalten werden“, schreiben die Naturschutzverbände. Selten gewordene Lebensgemeinschaften und -räume im Bereich der dortigen Lehmgrubengewässer sowie des angrenzenden Auewaldes als Lebensstätte und Rückzugsgebiet für eine Vielzahl seltener oder in ihrem Bestand gefährdeter Tier- und Pflanzenarten müssen werden.

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