Brutaler Raubüberfall - Männer müssen bis zu neuneinhalb Jahre ins Gefängnis

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Sechs Männer müssen sich vor dem Landgericht Konstanz wegen schweren Raubes und der gewerbsmäßigen Bandenhehlerei verantworten.
Sechs Männer müssen sich vor dem Landgericht Konstanz wegen schweren Raubes und der gewerbsmäßigen Bandenhehlerei verantworten. Gegen das Urteil können sie innerhalb einer Woche in Revision gehen. (Foto: Archiv: Barbara Baur)

Haftstrafen für alle sechs Angeklagten im Prozess um einen Raubüberfall in einem Wohnhaus in Markdorf im Mai 2018: Das Landgericht Konstanz hat am Freitag die Männer zu Freiheitsstrafen zwischen einem Jahr und neun Monaten sowie neun Jahren und sechs Monaten verurteilt. Das Gericht folgte damit weitgehend dem Antrag der Staatsanwaltschaft Konstanz.

Das Gericht sieht es als erwiesen an, dass die sechs Männer zwischen 22 und 34 Jahren mit teils kosovarischer, teils bosnischer Staatsangehörigkeit an einem brutalen Raubüberfall in Markdorf beteiligt waren. Vier von ihnen haben sich in der Nacht auf den 23. Mai gewaltsam Zutritt in ein Wohnhaus in der Bernhardstraße verschafft. Sie weckten die drei Bewohner, fesselten sie und drohten ihnen mit einer Pistole und zwei Messern, um an Geld und Wertgegenstände zu gelangen. Der fünfte Angeklagte hatte den Tatort ausgewählt und die Bewohner ausgespäht, der sechste die Beute im Kosovo zu Geld gemacht.

Die Angeklagten hatten ihre Beteiligung an dem Raubüberfall in unterschiedlichem Umfang zugegeben. Einer von ihnen, ein 24-Jähriger, hatte sich selbst der Polizei gestellt und ein umfassendes Geständnis abgelegt. Er will sich der Gruppe lediglich für die eine Tat angeschlossen haben, gab aber an, bis unmittelbar vor dem Überfall nichts von den Plänen gewusst zu haben. Laut eigener Aussage habe er Geld benötigt, um seinen Cannabis- und Kokainkonsum zu finanzieren. Trotz seiner Drogensucht sah das Gericht „keine Anzeichen für eine Beeinträchtigung im Hinblick auf das Tatgeschehen“.

Unklarheiten herrschten vor allem bezüglich der Rolle des jüngsten Angeklagten. „Unter anderem Chat-Protokolle lassen den Schluss darauf zu, dass er die zentrale Figur in der Gruppierung war, sich um die Organisation gekümmert und die Kommunikation übernommen hat“, sagte der Staatsanwalt in seinem Plädoyer. Auch bei der Tatausführung soll er „ziemlich dominant agiert“ haben. Für ihn forderte der Staatsanwalt mit neun Jahren und sechs Monaten die höchste der Strafe.

Eigene Rolle heruntergespielt

Der 22-Jährige stritt dies ab. Er sei weder der Anführer der Gruppe, noch habe er sich aktiv an der Tat beteiligt. Er habe lediglich das Auto zum Tatort gefahren. Darüber hinaus präsentierte er sein Alter, sein Stottern und psychische Beeinträchtigungen als Gründe dafür, dass er nicht der „Chef“ sein könne. Als Haupttäter hatte er am ersten Verhandlungstag einen Verwandten des 24-Jährigen ins Spiel gebracht. Ermittlungen der Polizei hatten allerdings ergeben, dass ein Mann mit dem genannten Namen zwar existiert, als Täter aber nicht infrage kommt. „Ich möchte verurteilt werden für das, was ich getan habe und nicht für das, was ich nicht getan habe“, sagte er an den Richter gewandt. „Bitte zerstören Sie mich nicht.“

Auch die anderen Angeklagten versuchten teilweise, ihre Rolle herunterzuspielen und sich als ahnungslose Mittäter darzustellen. Sie gaben etwa an, nicht gewusst zu haben, dass sich in dem Haus zum Zeitpunkt des Einbruchs Menschen befanden. In diesem Fall würde es sich um Wohnungseinbruchsdiebstahl handeln – und die Täter würden ein niedrigeres Strafmaß erwarten. Einer von ihnen verwies zudem darauf, dass er erhebliche Mengen an Drogen und Alkohol konsumiere. „Es gibt zwei Dinge, die verwundern“, sagte der Staatsanwalt über ihn. „Entzugserscheinungen, die bei diesem Konsum zu erwarten wären, waren während der Untersuchungshaft überhaupt nicht ersichtlich. Außerdem legen Chat-Protokolle nahe, dass der Verlust seiner Arbeitsstelle nicht auf den Drogenkonsum zurückzuführen ist.“

Einer der Männer, der beim Raubüberfall nicht dabei war, hatte zwar gestanden, den Hinweis auf das Haus als mögliches Tatobjekt gegeben zu haben. Er wies jedoch ebenfalls den Vorwurf von sich, von der Anwesenheit der Bewohner gewusst zu haben. Allerdings hatte er im Chat den Hinweis auf einen Tresor gegeben und unter anderem den Tipp geäußert: „Nur alte Leute, kein Hund.“ Außerdem beobachte die Polizei bei Observierungen, dass er mit der Gruppe zur Vorbereitung einer neuen Tat Klebeband und Stirnlampen kaufte. Darüber hinaus feilschte er mit dem 22-Jährigen um seinen Anteil der Beute, der mit 30 Prozent doch „erheblich“ war, wie es der Richter formulierte.

Folgen für Geschädigte enorm

Das Gericht blieb mit seinem Urteil nah an dem Strafmaß, das der Staatsanwalt gefordert hatte. Demnach muss der 22-Jährige wegen besonders schweren Raubes für neun Jahre und sechs Monate in Haft. Zwei weitere unmittelbar an der Tat Beteiligte müssen ebenfalls wegen besonders schweren Raubes für acht Jahre ins Gefängnis. Von den direkten Tätern bekam der 24-Jährige, der nicht als Bandenmitglied zählt, eine Strafe von sechs Jahren wegen schweren Raubes. Zur Behandlung seiner Drogensucht kommt er zunächst zum Maßregelvollzug in eine Entzugsklinik.

Der Hinweisgeber, der persönlich nicht am Überfall beteiligt war, muss wegen besonders schweren Raubes fünf Jahre ins Gefängnis. Das Gericht sah auch ihn in einer Schlüsselposition. Der sechste Angeklagte, der die Beute im Kosovo verkauft hatte, bekommt eine Freiheitsstrafe von einem Jahr und neun Monaten wegen Bandenhehlerei.

„Minderschwere Fälle liegen nicht vor“, sagte der Richter bei der Urteilsbegründung. Die Folgen für die Geschädigten seien aufgrund der „brutal langen Tatausführung“ von fast einer Stunde nach wie vor enorm. Die Verurteilten haben das Recht, innerhalb einer Woche schriftlich Revision einzulegen.

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