Bischofsschloss: Sanierung kostet wohl 18,4 Millionen

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Architekt Berthold Braunger hängt in der Stadthalle die Pläne für das Bischofsschloss auf, die sein Büro Braunger und Wörtz ers
Architekt Berthold Braunger hängt in der Stadthalle die Pläne für das Bischofsschloss auf, die sein Büro Braunger und Wörtz erstellt haben. (Foto: bbb)

Geplant ist, dass der Gemeinderat in einer seiner nächsten Sitzungen den Baubeschluss fassen wird. Voraussichtlich wird es am 24. Juli soweit sein.

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18,4 Millionen Euro – so viel sollen die Sanierung und der Umbau des Markdorfer Bischofsschlosses zum Rathaus kosten. Diese Zahl nannte Architekt Marcus Wörtz vom Ulmer Büro Braunger und Wörtz in einer öffentlichen Gemeinderatssitzung am Mittwochabend in der Stadthalle. Das Interesse an diesen Informationen war groß: Hunderte Bürger waren zum Zuhören gekommen.

In den 18,4 Millionen Euro sind rund 2,65 Millionen für Archäologie und Restauration enthalten. Für den Brandschutz fallen 6150 00 Euro an. Die Abdichtung des Zwischenbaus aus den 1980er-Jahren wird gut 200000 Euro kosten und die Baustelleneinrichtung und Beweissicherung knapp 170 000 Euro.

„Uns ist sehr bewusst, dass wir am Herzen von Markdorf arbeiten dürfen“, sagte Marcus Wörtz, bevor er die Entwurfs- und die Kostenplanung detailliert vorstellte. Um das historische Bauwerk zu untersuchen, sei ein großes Team bestehend aus Architekten, Stadtverwaltung, Ämtern, Behörden und Spezialgutachtern notwendig gewesen. „In der Geschichte wurde mit einfachen und wahrhaften Materialien wie Naturstein und Holz gearbeitet. Deshalb setzen wir in unserem Entwurf auf Schlichtheit und Einfachheit“, sagte er. Grundgedanke sei, die Geschichte des Bischofsschlosses für alle Bürger und Gäste der Stadt erlebbar zu machen.

Stadtmauer wird integriert

Zum Bischofsschloss gehören neben dem markanten Turm das barocke Neue Schloss, die Scheuer mit Stadtmauer und ein Zwischenbau aus den 1980er-Jahren, der hauptsächlich unterirdisch errichtet wurde. Die Scheuer wurde ebenfalls in den 80er-Jahren großteils neu aufgebaut. Diese Teile sind nicht denkmalgeschützt und werden abgebrochen. Erhalten werden müssen aber die historischen Elemente wie die Stadtmauer, die in den Bau integriert ist. Basierend auf diesen Elementen soll die neue Scheuer errichtet werden.

Um überhaupt Planen und Kosten berechnen zu können, waren umfangreiche Untersuchungen in allen Teilen des Bischofsschlosses erforderlich. Wie Wörtz erläuterte, wurden Wände untersucht, um festzustellen, welche Baustoffe dafür verwendet wurden. Dies lässt Rückschlüsse auf das Alter zu. „Die Wände wurden historisch kartiert“, sagt er. Die ältesten Teile seien aus dem 11. Jahrhundert und somit vor dem Bau des Turms errichtet worden.

Bei den Untersuchungen wurde auch der Zustand des Gebäudes und einer Statik begutachtet. Dabei stellten die Fachleute beispielsweise fest, dass in den 80er-Jahren Sandstein aus Italien verbaut, historisch jedoch Meersburger Sandstein genutzt wurde. Während das Gestein aus der Region winterliche Temperaturen aushalte, seien an den italienischen Steinen, die zum Beispiel am Turm und an der Balustrade der Treppe am Neuen Schloss verbaut wurden, schon nach verhältnismäßig kurzer Zeit Frostschäden und Abplatzungen erkennbar. „Die können auch runterfallen“, sagte Wörtz.

Brandschutz nachbessern

Mit der Statik gibt es hingegen keine Probleme. In den 80er-Jahren, als der Turm bereits einzustürzen drohte, seien stabile Stahlträger eingebaut worden. Sie entsprächen allerdings nicht den aktuellen Brandschutzbestimmungen und müssen dementsprechend verkleidet werden. Auch die Fenster aus den 80ern seien in Ordnung, sodass sie nur neu gestrichen werden müssten.

Wörtz erläuterte auch die geplante Raumaufteilung. Die Scheuer soll eine ähnliche Gestalt bekommen, aber innen eine ganz neue Aufteilung. Im Erdgeschoss sollen das Bürgerbüro und das Amt für öffentliche Ordnung einziehen, im Dachgeschoss ein kleiner Sitzungssaal eingerichtet werden. Im Erdgeschoss des Turms soll ein kleines Café eingerichtet, ein „Ratscaféle“, wie Wörtz es nannte. Drüber sollen das Finanzamt und das Stadtbauamt einziehen, der Rittersaal im oberen Teil des Turms soll bleiben. Das Finanzamt soll sich auch über das Neue Schloss erstrecken. Dort sollen außerdem das Büro des Bürgermeisters und die Hauptverwaltung Platz finden. Über den Zugang im Bürgerbüro und Aufzüge sollen auch Turm und Neues Schloss barrierefrei erreichbar sein.

Für den Innenhof empfehlen die Planer ein Pflaster aus Granit. Das Café könnte auf dem westlichen Teil des Platzes einen Außenbereich einrichten. Im Osten könnte ein Wasserspiel eingerichtet werden. Das Wasser erinnere an eine Viehtränke, die es früher an dieser Stelle gab. Insgesamt soll der Innenhof, der mit Spalierobst begrünt werden soll, eine Art Rückzugsort werden und zum Verweilen einladen, heiß es.

Die Baustellenzufahrt könnte über die Ulrichstraße erfolgen, sagte Wörtz. In der Marktstraße könnten auch schwere Fahrzeuge wenden. Somit konnte man auf eine extra Baustraße verzichten. Große Bauteile könnten mit einem Autokran im Stadtgraben über das Schloss in den Innenhof gelupft werden.

Das sagen Bürgermeister und Gemeinderäte

Als Bürgermeister Georg Riedmann den Tagesordnungspunkt aufrief, war es ihm wichtig zu erläutern, „wo die Henne war und wo das Ei“. Immer wieder werde er mit der Behauptung konfrontiert, dass die Stadt den Betrieb des Hotels gestoppt hätte. Doch es sei genau umgekehrt. „Die Betreiber wollten in dieser Konstruktion nicht mehr weitermachen“, sagte er. Erst dann sei die Stadt als Käufer ins Spiel gekommen. Die Entscheidung sei für ihn klar. „Mit diesem Projekt sind wir auf dem richtigen Weg.“

Die CDU-Fraktion signalisierte ihre Zustimmung zu dem Projekt. „Wir sind überzeugt, dass mit dem Umzug des Rathauses ein Mehrwert für unser Stadtbild, die Rathaus-Mitarbeiter und für die Bürger entsteht“, sagte Fraktionssprecherin Susanne Sträßle. Der Bürgerservice werde modern und barrierefrei eingerichtet. Auf Schnickschnack werde dennoch verzichtet. Die Differenz zur ersten großen Kostenschätzung von 11,8 Millionen Euro sei im Rahmen, denn schon damals sei klar gewesen, dass genauere Untersuchungen notwendig sind. „Wir sollten uns an die Umsetzung machen“, sagte sie.

Dietmar Bitzenhofer von den Freien Wählern bewertete das Ergebnis ähnlich. Wegen der genauen Planung sei mit relativ wenigen Unwägbarkeiten zu rechnen, trotzdem könnten die Zahlen sich nochmals verändern. Bedenkenträger sollten schnellstmöglich in die Gänge kommen und konkrete, realistische und finanzierbare Vorschläge zu alternativen Nutzungen machen. „Nur ein Nein ist nicht genug“, sagte er.

Uwe Achilles (SPD) kritisierte vor allem, dass die Planungen als barrierefrei bezeichnet werden. Denn die Planer könnten bei den Aufzügen zwar eine europäische Norm einhalten, eine deutsche DIN-Norm könne aber nicht erfüllt werden. „Das gehört zur Ehrlichkeit mit dazu“, sagte er. Was die Kosten betreffe, sei seine persönliche Schmerzgrenze überschritten. Deshalb sprach er sich für einen Bürgerentscheid aus.

„Der Rathausumzug ins Bischofsschloss ist aus unserer Sicht alternativlos“, sagte Christiane Osswald, Sprecherin der Umweltgruppe. Um andere Nutzungsideen sozialer oder kultureller Art umzusetzen, müsste viel Geld investiert werden. Und würde das Rathaus nicht dort einziehen, müsste da, wo jetzt das Rathaus steht, für grob geschätzte 14,5 Millionen Euro gebaut werden. „18,4 Millionen Euro sind viel Geld, aber wir bekommen etwas ganz Besonderes dafür.“

Geplant ist, dass der Gemeinderat in einer seiner nächsten Sitzungen den Baubeschluss fassen wird. Voraussichtlich wird es am 24. Juli soweit sein.

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