B31-Vorschläge gehen in drei Richtungen

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Die Planung der neuen B31 bei Meersburg läuft seit Jahren. Aber welche Trasse ist die Richtige?
Die Planung der neuen B31 bei Meersburg läuft seit Jahren. Aber welche Trasse ist die Richtige? (Foto: Barbara Baur)
Schwäbische Zeitung

Dass die B 31 zwischen Immenstaad und Meersburg ausgebaut wird, steht fest. Doch wo die Straße verlaufen wird, ob es bei der bestehenden Trasse bleibt oder ob sie verlegt wird, ist noch völlig offen. Das Regierungspräsidium Tübingen, das für den Bau der Straße verantwortlich ist, will den Planungsprozess so transparent wie möglich gestalten und hat dafür ein Dialogforum ins Leben gerufen. Der Dialog wird vom Team Ewen begleitet, einem Darmstädter Büro, das auf Konflikt- und Prozessmanagement spezialisiert ist. SZ-Redakteurin Barbara Baur hat sich mit Christoph Ewen über das Projekt unterhalten.

Herr Ewen, wie weit sind die Planungen und der Dialogprozess zum Ausbau der B 31 fortgeschritten?

Wir sind mitten in einem guten Dialog und in der Hoffnung, eine geeignete Trasse zu finden. Seit 40 Jahren sind sich fast alle einig, dass die bisherige B 31 nicht mehr ausreicht. Aber keiner will, dass eine neue Straße hinter seinem Haus vorbeiführt. Jetzt versuchen wir, eine Trasse zu finden, die nach der Abwägung aller Fakten für alle Beteiligten die bestmögliche Variante ist. Einen Konsens, mit dem jeder absolut zufrieden ist, wird es wahrscheinlich nicht geben. Aber um ein möglichst optimales Ergebnis zu erzielen, gibt es den Dialog, bei dem die Sachfragen transparent dargelegt werden.

Wie wollen Sie das erreichen?

Im Dialogforum werden Fragen, Hinweise und Ideen von Bürgern, interessierten Akteuren und Institutionen besprochen. Für das Dialogforum wurden zufällig ausgewählte Bürger eingeladen, zu den interessierten Akteuren gehören Initiativen, Verbände und Kammern. Außerdem beziehen wir in den beiden Facharbeitskreisen Fachleute aus der Region ein, zum Beispiel die Polizei, Kreisverwaltung und Umweltverbände. Das Regierungspräsidium hat zugesagt, die Hinweise aus der Region einzubeziehen, soweit das möglich ist.

Wer beteiligt sich noch an der Suche nach einer geeigneten Trasse?

Es gibt noch einen politischen Begleitkreis, der aus den Bürgermeistern der betroffenen Gemeinden, dem Landrat und dem Vorsitzenden des Regionalverbands besteht. Seine Aufgabe ist es, die politischen Vorstellungen der Region in Planung und Dialog einfließen zu lassen. Zusätzlich gibt es die beiden Facharbeitskreise Verkehr und Umwelt. Ihre Aufgabe ist es, wichtige Themen wie Verkehr, Naturschutz und Landwirtschaft zu klären. In den Fachkreisen stellen die Gutachter ihre Vorgehensweise vor und holen sich Feedback. Für das Verkehrsgutachten etwa musste überlegt werden, wo welche Fahrzeuge gezählt werden können, um eine Prognose zu machen, mit wieviel Verkehr wir in den Jahren 2030/2035 rechnen müssen. Erst auf dieser Grundlage kann erarbeitet werden, was für eine Straße wir brauchen.

Woher kann man jetzt schon wissen, wieviel Verkehr 2035 durch die Region fließt?

Man kann nur Annahmen treffen. Aber was jetzt schon bekannt ist, ist die demographische Entwicklung und dass wir uns in einer wirtschaftsstarken und wachsenden Region mit Urlaubern und Messebesuchern befinden. Doch es zeichnet sich auch ab, dass die Zuwächse im Verkehr nicht mehr so stark sein werden wie in den vergangen 20 Jahren.

Was wird noch berücksichtigt?

Wichtig sind vor allem noch die Umweltfragen. Zum einen sind Tiere und Pflanzen betroffen, zum anderen Wasser, Boden, Luft, Klima und die bisherige Nutzung durch den Menschen. Es wird auch untersucht, ob es Betriebe gibt, die durch den Flächenverbrauch der Straße in ihrer Existenz bedroht werden würden. Schließlich wird abgewogen, welche Faktoren wie wichtig sind.

Wie werden mögliche Trassen dann näher eingegrenzt?

Ein technischer Planer schaut sich die Varianten genauer an. Er beginnt dann mit einer groben Planung. Denn die Trassen müssen genauer beschrieben werden, wenn man sie miteinander vergleichen will. Dann sieht man zum Beispiel erst, wie viele lärmbetroffene Menschen es gibt, wie der Eingriff in den Wasserhaushalt aussieht, was grundsätzlich nicht geht oder was machbar ist.

Wie bekommt man all das unter ein Dach?

Es ist ein Wechselspiel zwischen Gutachterarbeit und dem Dialog. Man kann es sich vorstellen wie einen Trichter, in den man immer tiefer eintaucht. Manche Varianten fallen durch diesen Prozess weg. Uns ist es wichtig, dass die Akteure in der Region wissen, warum manche Varianten wegfallen und das so transparent wie möglich gearbeitet wird.

Können Sie erläutern, wie eine Sitzung beim Dialogforum abläuft?

Zu den Treffen kommen etwa 30 Leute, die sich in einem Stuhlkreis zusammensetzen. Teilweise arbeiten wir auch in Kleingruppen. Am Anfang haben wir die Interessensgruppen und die Zufallsbürger zeitweise getrennt moderiert, um die Zufallsbürger zu stärken. Denn wir haben die Erfahrung gemacht, dass die Vertreter der Interessensgruppen sehr eloquent sind. Inzwischen haben wir eine ganz erfrischende, gute Mischung aus speziell Interessierten und normalen Bürgern. Wir sammeln die Kommentare und hören uns an, was den Teilnehmern wichtig ist. Die Planer schauen, wie sich die Ideen im Rahmen des Möglichen verwirklichen lassen könnten. Die Teilnehmer kommen untereinander sowie mit dem Planungsteam und den Gutachtern ins Gespräch. Die Kunst wird am Ende sein, so durchs Gelände zu kommen, dass man es nicht vollkommen verunstaltet, wertvolle Flächen wie Rebflächen oder Obstplantagen erhält und die Menschen vor Lärm schützt.

Wieviele Verkehrsinitiativen gibt es zwischen Immenstaad und Meersburg und für welche Varianten setzen sich die Akteure ein?

Es gibt inzwischen in jedem Ort eine Initiative, also insgesamt fünf. Inhaltlich gibt es drei große Richtungen. Die einen wollen weg vom Ufer weil sie finden, dass dort alles zu eng und zu dicht besiedelt ist. Andere wollen Meersburg und Ittendorf schützen und sind für die Ausbauvariante. Die Umweltverbände finden, dass sowieso zu viele Straßen gebaut werden und sind für die Verbesserung der bestehenden Straße.

Warum nimmt das Regierungspräsidium mit dem Dialogforum so einen großen Aufwand auf sich?

Das langfristige Ziel ist, dass am Ende das Planfeststellungsverfahren reibungsloser läuft. Das Regierungspräsidium hofft, schon im Vorfeld alles abzuklären, was stichhaltig gegen die Straße sprechen könnte. Gleichzeitig soll der Frieden in der Region möglichst gesichert werden.

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