Bürgermeister lehnt Mehrfamilienhaus aus Protest ab

Lesedauer: 4 Min
 Ortsbegehung im Februar: Bauamtsleiter Michael Schlegel (links) und Bürgermeister Georg Riedmann (rechts) erläutern den Mitglie
Ortsbegehung im Februar: Bauamtsleiter Michael Schlegel (links) und Bürgermeister Georg Riedmann (rechts) erläutern den Mitgliedern des Technischen Ausschusses sowie etlichen Nachbarn die Baupläne für ein Mehrfamilienhaus in der Straße „Zum Säntisblick“. (Foto: Archiv Brigitte Walters)

Bauvorhaben sorgen oft für Unruhe bei Anwohnern, vor allem wenn große Gebäude in begehrter Lage geplant werden. In Markdorf plant ein Bauträger am Gehrenberg an der Straße „Zum Säntisblick“ ein Mehrfamilienhaus mit sechs Wohneinheiten und Tiefgarage – auf einem Grundstück, auf dem bisher ein Einfamilienhaus steht. Der Technische Ausschuss stimmte den beantragten Befreiungen vom Bebauungsplan am Dienstag dennoch mehrheitlich zu.

Offenbar schlägt der Stadtverwaltung jede Menge Misstrauen entgegen, wenn es um die Genehmigung solcher Projekte geht. Dies ließ Bürgermeister Georg Riedmann zu Beginn der Diskussion durchblicken. Die Verwaltung werde vorschlagen, die Befreiungen – Flachdach und Tiefgarage – abzulehnen. „Wir haben einen gültigen Bebauungsplan. Würde der Bauantrag dem Bebauungsplan zu 100 Prozent entsprechen, hätten wir keine Chance, an dem Projekt etwas zu verändern“, sagte er. Er wies darauf hin, dass der Bebauungsplan deutlich größere Häuser erlauben als die bestehende Bebauung. Sprich: Bisher wurden die Baufenster längst nicht ausgenutzt. Und in der Nachbarschaft seien bereits Befreiungen erteilt worden.

Während sich die Höhe des geplanten Hauses am Bebauungsplan richtete, ist ein Flachdach nicht vorgesehen, sondern ein Satteldach. Aus Sicht der Verwaltung könne das Flachdach aber zugestanden werden, wenn der Bauträger auf dem eigenen Grundstück noch Besucherparkplätze plane. Denn die Straße sei zu schmal, um noch weitere Autos am Rand zu parken. Aus Sicht der Verwaltung sei das ein annehmbarer Kompromiss. Dennoch werde dem Technischen Ausschuss im Beschlussvorschlag empfohlen, das Projekt abzulehnen.

Die Konsequenz könne allerdings sein, dass ein Satteldach – wie im Bebauungsplan vorgesehen – gebaut, aber auf die Besucherstellplätze verzichtet werde. Für die Nachbarn sei das die schlechtere Variante. „Wir machen das nur, weil wir uns dem Vorwurf nicht mehr aussetzen wollen, dass wir mit Bauträgern gemeinsame Sache machen wollen“, sagte Riedmann. „Wir spüren kein Vertrauen aus der vorwiegenden Mehrheit des Gemeinderats und der Bevölkerung.“ Dabei gehe es bei der Genehmigung von Bauanträgen stets darum, eine möglichst verträgliche Lösung für die Nachbarschaft zu finden.

Uwe Achilles (SPD) sagte mit Blick auf Befreiungen, die in der Nachbarschaft bereits erteilt wurden: „Ich tue mir schwer, diesen Bauantrag anders zu behandeln.“ Erich Wild (CDU) wies darauf hin, dass die beantragte Tiefgarage ein Vorteil sei. Markus Heimgartner (FW) sah keine andere Möglichkeit, als den Befreiungen zuzustimmen. Roland Hepting (UWG) signalisierte Skepsis gegenüber dem Projekt. Das jetzige Haus sei keine Bruchbude. „Das ist reine Spekulation“, sagte er mit Blick auf die Lage. Das sei nicht die Meinung der Fraktion, entgegnete Christiane Oßwald, ebenfalls UWG. „Uns bleibt nichts anderes übrig, auch wenn wir uns so ein großes Gebäude nicht wünschen“, sagte sie. Aber der Gemeinderat müsse sich an geltendes Recht halten. Der Technische Ausschuss lehnte den Beschlussvorschlag, die Befreiungen nicht zu erteilen, bei zwei Gegenstimmen (Riedmann und Hepting) ab.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen