Bürgermeister Georg Riedmann spricht die wichtigsten Themen Markdorfs an

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Bürgermeister Georg Riedmann berichtet über erledigte Projekte und anstehende Investitionen.
Bürgermeister Georg Riedmann berichtet über erledigte Projekte und anstehende Investitionen. (Foto: Fotos: brigitte walters)
Brigitte Walters

Eine etwas andere Rede hat es von Bürgermeister Georg Riedmann am Samstag beim Neujahrsempfang in der vollen Stadthalle gegeben. Im Gegensatz zu den Vorjahren, in denen politische Themen im Mittelpunkt standen, berichtete er in diesem Jahr über die abgearbeiteten Projekte und die für 2020 geplanten Investitionen, damit widersprach er auch Äußerungen zu einem Sanierungsstau in der Stadt.

Im abgelaufenen Jahr sei in die Infrastruktur so viel investiert worden, wie seit langem nicht mehr, die halbe Stadt sei umgegraben worden, wie die Kreuzgasse, Möggenweiler und die Eisenbahnstraße. Das Wachstum der Stadt in den vergangenen Jahren machte die Investitionen in die Frischwasser- und Abwasserleitungen notwendig, weil sie teilweise zu klein dimensioniert waren. So musste ein neuer Abwassersammler von Lipbach Richtung Kläranlage verlegt werden. Teilweise mussten zudem marode Leitungen ausgetauscht werden. Dabei seien viele Millionen Euro verbaut worden, von diesen Investitionen sei nichts mehr sichtbar, wenn der Asphalt wieder aufgetragen ist, stellte Riedmann fest. Ähnlich sei es auch bei der städtischen Beteiligung an der Sanierung des Bildungszentrums und der Sporthalle, rund 7,5 Millionen Euro betrage der Markdorfer Anteil, bei den laufenden Kosten betrage der jährliche Anteil etwa eine Million Euro.

Ein weiterer Schwerpunkt der Investitionen sei der Bereich Bildung und Erziehung, nach den Kindergärten in Leimbach und Ittendorf, wird derzeit ein neuer in Markdorf-Süd gebaut, seit fast einem Jahr gibt es einen Waldkindergarten, mit den Planungen zur Erweiterung des Kindergartens St. Elisabeth sei begonnen worden. Für manche seien diese Aufgaben eher eine Last, weil anderes Wünschenswerte dahinter zurückstehen müsse, doch damit erfülle die Stadt gesetzliche Auflagen und Vorgaben. Zudem sollte weiterhin Kinder- und Familienfreundlichkeit ein wichtiger Standortfaktor für Markdorf bleiben, bekräftigte Riedmann. Allerdings gelte es darauf zu achten, dass die räumliche Infrastruktur angemessen bleibe, liegen die Baukosten für eine Kindergartengruppe inzwischen bei unglaublichen über einer Million Euro.

Für den bemängelten Sanierungsstau gebe es keinen Grund, mit der Projektliste befinde sich die Stadt sehr hart am Rande des finanziell machbaren, verdeutlichte der Bürgermeister. Es sei richtig, dass aus der Vergangenheit einiges aufzuholen sei, das sei aber normal für eine Stadt, die sich seit Jahrzehnten so dynamisch entwickelt habe. Einige aktuelle Investitionen gehen in den Bereich der freiwilligen Leistungen, dabei nannte er den Sport- und Freizeitbereich und die Sanierung und den Ausbau der Skateranlage, der neue Kunstrasenplatz, die anderen Plätze in der Gehrenbergsportanlage wurden bereits saniert. „Die Investitionsrate liegt deutlich über dem Schnitt früherer Jahre.“

Aufgrund von Anregungen aus der Geschäftswelt sei die Blaue Zone von zwei auf drei Stunden Parkdauer verlängert worden, berichtete Riedmann aus dem Bereich Verkehr. Auch im Bereich der Stadtgrabenstraße wird es Änderungen geben. Ein Kreisel vor der Stadthalle, die Fußgängerampeln am Latsche-Platz werden entfernt, dafür wird der Straßenbelag farblich verändert, um deutlich zu machen, dass dort die Fußgänger Vorfahrt haben. Als Versuchsstrecke soll der Gemeindeverbindungsweg zwischen Kluftern und Markdorf als Radfahrstraße ausgewiesen werden, das bedeutet, hier gilt für Autofahrer Tempo 30.

Es gebe immer wieder Anregungen und Wünsche zu Verkehrssituationen in der Stadt, einige können erfüllt werden, aber nicht immer seien die Bürger mit den Entscheidungen der Verkehrsbehörde einverstanden, warb Riedmann um Verständnis. Selbst Eltern würden ihm zustimmen, wenn er vorschlage, weniger Kinder und Jugendliche mit dem Auto zum Kindergarten oder zur Schule transportieren, um die verkehrliche Situation zu verbessern. Wie wäre es mit dem Jahr des autofreien Schülertransportes, schlug Riedmann vor, dafür gab es Applaus der Zuhörer.

Im Bereich des ÖPNV soll der Städteschnellbus ab dem Sommer stündlich fahren, wenn der Kreis Ravensburg dem zustimmt, dies bedeutete für die Bewohner der Ortsteile Stadel, Hepbach, Leimbach und Ittendorf eine stündliche Busverbindung in die Kernstadt. Zum Thema Südumfahrung sei die Stadt gebunden, die abschließende Entscheidung zum Bau treffe der Kreistag. Ob seine Forderung nach einer weiteren formalen Beteiligung der Stadt Markdorf erhört werde, scheine ihm nach aktueller Einschätzung eher ungewiss, erklärte Riedmann. Die Trasse B, die vom Regierungspräsidium für die Weiterplanung der B 31-neu empfohlen werde, halte er für kompromissfähig, jetzt müssten alle miteinander versuchen, die vorhandenen Schwierigkeiten für diese Trasse zu mindern, für Stetten, Immenstaad, aber auch für den Weingartner Wald.

Bereits vor einem Jahr habe er auf die Probleme und Herausforderungen hingewiesen, die es auf der Suche nach guten Nutzungsmöglichkeiten für das Bischofsschloss gibt. Vor dem Bürgerentscheid sei bereits darauf hingewiesen worden, dass eine Alternativlösung als städtische Investition nicht neben all den anderen wichtigen Aufgaben angegangen werden könne, erinnerte Riedmann. Für die Nutzung als Rathaus sei keine Luxussanierung geplant worden. Egal, ob Museum, Bibliothek, Bürgerzentrum oder Seniorenwohnen, die notwendige Sanierung und der Umbau werde sich im erarbeiteten Preissegment bewegen. Er bat um Geduld, bis eine nachhaltige Lösung gefunden werde. Dabei sei wichtig, die Altstadt müsse davon profitieren, die bisherigen öffentlichen Nutzungen sollen weiterhin möglich sein und Gastronomie sollte ins Schloss und den Schlosshof einladen. In welcher Struktur dieses Ziel erreicht werde, sei für ihn nachrangig, er sei sicher, dass ein solches Ziel mit privaten Partnern schneller erreichbar sei. Werde ein solcher Weg gewünscht, müsse er in großem gesellschaftlichen Einvernehmen gegangen werden, sonst werde kein Partner gefunden. Jetzt gelte es, den Förderrahmen nicht aufs Spiel zu setzen und die Planungen zur Sanierung des Rathauses fortzusetzen.

Nach dem sich die bisherige Planung zur Sanierung und Anbau der Jakob-Gretser-Grundschule als kaum finanzierbar erweise, müsse nach anderen Lösungen gesucht werden. Der Bau der neuen Turnhalle könne wohl nur auf der Freifläche neben der Schule erfolgen, da jede Bebauung in den Garwiedenweg hinein, jene Probleme und Kosten auslösen werde, die dem vorliegenden Entwurf wohl finanziell das Genick brechen werden.

Abschließend stellte Riedmann fest, dass derzeit alles möglich sei und deshalb alles erwartet werde, so könne die Gesellschaft nicht weitermachen. Der Auftrag des Staates und der Kommunen müsse neu diskutiert und definiert werden. Die Kommunen können kein Rundum-Sorglos-Paket bieten, Freiheit bedeute auch Eigenverantwortung.

Gute Wünsche zum Neuen Jahr aus der Partnerstadt Ensisheim überbrachte Brigitte Kühlburger. Sie erinnerte an die gelungenen Feiern zum 45-jährigen Partnerschaftsjubiläum im vergangenen Jahr. Im zweiten Teil des Neujahrsempfangs wurden wieder viele Markdorfer für ihr ehrenamtliches Engagement geehrt. Sei es im sozialen Bereich, in Vereinen, in Kultur und Sport oder Schule, sie alle erhielten als Anerkennung Urkunden. Für den musikalischen Rahmen des Empfangs sorgte der Musikverein Ittendorf unter der Leitung von Alexander Keller und der Frauenchor Ton in Ton unter der Leitung von Thomas Möller. Der Chor feiert in diesem Jahr sein zehnjähriges Bestehen.

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