Bärte dürfen keinen Stress kriegen

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Winfried Böhm weiß: Der Bart darf nur zart ausgebürstet werden. (Foto: reb)
Stefanie Rebhan

Es war nicht der chinesische Kinnbart und auch nicht der kaiserliche Backenbart, der den gebürtigen Markdorfer Winfried Böhm auf den dritten Platz des Siegertreppchens bei der Internationalen Deutschen Bartmeisterschaft gehoben hat. Nein, er gewann jüngst in Bad Schussenried Bronze in der Kategorie „Vollbart naturale – Oberlippe gestylt“ – schon zum zweiten Mal in seiner bärtigen Karriere. „Der richtige Schwung des Oberlippenbartes ist wichtig. Aus der Form raus zur Harmonie“, beschreibt Böhm sein Erfolgsrezept.

Der ganze Saal tobt, wenn sich die Bartträger in 18 Kategorien bei der Meisterschaft präsentieren. „Auf das Dabeisein kommt es mir an, auf das Bad in der Menge“, sagt Böhm. Vor der Bewertung durch eine siebenköpfige Jury braucht der 62-jährige Markdorfer rund 90 Minuten, bis er seinen Bart in Form gebracht hat – dabei helfen ihm Fön, Creme und Spray, Zupfen, Streichen und Zwirbeln. „Dann wird er zart ausgebürstet, so dass er sich ein wenig biegt und schön fällt“, so Winfried Böhm. Die Kandidaten müssen dann zweimal an der Jury vorbeigehen und ihren Kopf hin und her drehen, damit – wie bei Modemodels – rundum alles gesehen wird.

Seinen Bart trägt Böhm schon seit 1978. Nur einmal hat er ihn abrasiert und sich nicht wohlgefühlt. „Es war zudem ziemlich kalt ums Kinn herum. Da habe ich entschieden, dass ich meinen Bart für immer tragen möchte“, so der 62-Jährige, der gestern Geburtstag hatte. Die Idee hat er von seinem Großvater, für dessen Bart Böhm schon immer geschwärmt hat. Heute ist er Mitglied im Schwäbischen Bart- und Schnauzerclub Schömberg. Dort weiß man auch: Wenn man den Bart zu viel pflegt, kriegt er Stress. Dann fallen die Barthaare aus.

Reaktionen sind drollig

Stress kann es auch anderweitig geben, nämlich beim Kaffeetrinken oder Suppelöffeln. Eine Serviette als Tropfenfänger am Oberlippenbart ist ein Muss. „Wenn es schöne Designs für Schnabeltassen gäbe, würde ich mir glatt eine zulegen. Aber nicht, wenn die alle nach Krankenhaus aussehen“, sagt Winfried Böhm.

Das Tapfere am Bartträger sei jedoch nicht das geschickte Essen, sondern die Rechtfertigung, dass man überhaupt einen Bart trägt. Die meisten Reaktionen der Menschen seien aber positiv. „Kleinere Kinder denken an den Weihnachtsmann und verstecken sich dann hinter Mama. Das ist drollig und herzig. Wenn andere ihre Freude an meinem Bart haben, sind das die Highlights für mich“, findet Böhm, der als Feinmechaniker und Markdorfer Nachtwächter arbeitet.

Die nächsten Wettbewerbe steuert Winfried Böhm im September in Frankreich und in Leinfelden-Echterdingen an, wo 2013 die Bart-Weltmeisterschaft stattfindet. Aber Vorsicht, mit Bärten ist manchmal nicht zu scherzen. Im vergangenen Jahr musste Böhm zu Hause bleiben, weil er sich beim Verbrennen seiner Gartenabfälle die Hälfte seines Bartes versengt hat. (sz)

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