Ein Überlinger muss sich vor dem Landgericht Konstanz verantworten.
Ein Überlinger muss sich vor dem Landgericht Konstanz verantworten. (Foto: David Ebener)

Wegen des Verdachts auf zehnfachen schweren sexuellen Missbrauch zweier kleiner Mädchen muss sich derzeit ein 49-jähriger Mann aus Überlingen vor dem Landgericht Konstanz verantworten. Die Taten sollen zwischen Januar 2016 und dem Sommer vorigen Jahres begangen worden sein. Die Mädchen waren damals zwischen vier und fünf sowie zwischen acht und neun Jahre alt. Es soll sich um die Töchter einer ehemaligen Lebensgefährtin handeln.

Zum Teil soll der Angeklagte sich in seiner Wohnung in Überlingen an den Kindern vergangen haben. Häufig soll der in einem Reinigungsunternehmen tätige Mann eines oder auch beide Mädchen mit zu seiner Arbeitsstelle genommen haben. Dort habe er die Kinder in Schulungsräumen und in einem Kellerraum unter anderem zum Oralverkehr gezwungen, heißt es in der Anklage.

Der erste Prozesstag begann mit einem kleinen Eklat. Die Anwälte des 49-Jährigen bezeichneten die harte Anklagebank aus Holz, auf der ihr Mandant im Konstanzer Landgericht aufgrund der räumlichen Gegebenheiten Platz nehmen musste, als „Sünderbänkchen“.

Aussage nur ohne Öffentlichkeit

Dort sitzen zu müssen, bedeute eine Degradierung ihres Mandanten, stellten sie fest. Sie beantragten förmlich, den Mann neben sich in einem weichen Sessel sitzen zu lassen. Nur so sei eine reibungslose Kommunikation möglich, argumentierten sie. Das Gericht lehnte den Antrag mit Verweis auf die geltenden Sicherheitsvorschriften ab. Danach erklärte der 49-Jährige, er wolle vor Gericht gar nichts mehr sagen, denn er habe schon bei der Polizei und beim Haftrichter Angaben gemacht. Im Gerichtssaal wolle er sich nur äußern, wenn die Öffentlichkeit ausgeschlossen werde.

Seine Verteidiger begründeten die Forderung damit, dass im Prozess sehr persönliche Dinge in Bezug auf die sexuellen Vorlieben und die schwere Kindheit ihres Mandanten zur Sprache kämen. Gleichzeitig stellten sie in Aussicht, dass der 49-Jährige unter Ausschluss der Öffentlichkeit ein Geständnis ablegen werde. Somit bliebe den Kindern eine weitere Befragung erspart. Das Gericht folgte dem Antrag und setzte die Verhandlung ohne Publikum fort. Der 49-Jährige sitzt seit acht Monaten in Untersuchungshaft. Zum Prozess, der auf zwei Verhandlungstage angesetzt ist, sind vier Zeugen und ein Sachverständiger geladen. Die Mädchen werden von einer Anwältin vertreten, die Nebenklage erhoben hat. Ein Urteil wird für Ende der Woche erwartet.

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