150 Markdorfer wollen mitreden

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Rund 150 Markdorfer sind zur ersten Veranstaltung des Bürgerdialogs in die Stadthalle gekommen.
Rund 150 Markdorfer sind zur ersten Veranstaltung des Bürgerdialogs in die Stadthalle gekommen. (Foto: Fotos: Brigitte Walters)
Brigitte Walters

Die Stadt Markdorf will neue Wege gehen, um mit den Bürgern ins Gespräch zu kommen, ihre Ideen und Meinungen zu wichtigen Themen der Stadtentwicklung zu erfahren. Dazu gab es am vergangenen Samstag das erste Dialoggespräch, das geprägt war von intensiven Diskussionen in einer positiven Atmosphäre, mit einigen neuen Ideen und Anregungen.

Es habe sich gezeigt, dass die bisherige Bürgerbeteiligung im Rahmen von Bürgerversammlungen nicht mehr geeignet sei, mit den Markdorfern ins Gespräch zu kommen, es müssen neue Wege gegangen werden, da die bisherigen nicht so erfolgreich waren, begründete Bürgermeister Georg Riedmann den Start des Bürgerdialogs. Dieser war erfolgreich, rund 150 Markdorfer waren gekommen, um die Themen Rathaus, Rathaus-Areal und Marktplatz, Sanierung und Nutzung Bischofsschloss, städtebaulicher Rahmenplan und Zukunftsstrategie zum Standortmarketing zu diskutieren. Als fachlich versierten Begleiter hat die Stadt die Agentur „Trans Lake“ aus Konstanz gewonnen, die bereits einige Städte bei der Umsetzung von schwierigen kommunalen Themen begleitet und beraten hat.

Mit einem kurzen Rückblick auf die Befragungen zum Bürgerentscheid startete Professor Frank Brettschneider von der Universität Hohenheim, über die Untersuchungsergebnisse hat die „Schwäbische Zeitung“ bereits ausführlich berichtet. Anschließend erläuterte Brettschneider Faktoren für eine erfolgreiche Bürgerbeteiligung. Dabei sei es wichtig, die Bürger frühzeitig einzubeziehen, es müsse Entscheidungsspielräume geben, ebenso seien die unterschiedlichen Interessen einzubinden. Wichtig sei es, eine aufgeschlossene, wertschätzende Grundhaltung zu praktizieren, es empfehle sich eine professionelle Prozessgestaltung, zudem müssen klare Rahmenbedingungen für die gemeinschaftliche Diskussion festgelegt werden. Brettschneider appellierte an die Zuhörer, respektvoll miteinander umzugehen, andere Meinungen zu akzeptieren, bereit zu sein, die eigene Position zu überdenken. Nach einer kurzen Umfrage per Smartphone und einer kreativen Phase, in der Tischgruppen ihre Meinungen, Anregungen und Ideen zu den fünf Themen notierten, wurden die Ergebnisse in kurzen Schlagworten vorgetragen.

Beim städtebaulichen Rahmenplan soll Markdorf weiter wachsen, dabei aber die Natur berücksichtigen, ebenso müsse es Änderungen bei der Mobilität geben. Zum Thema Bischofsschloss wurde vorgeschlagen, dies in eine Stiftung einzubringen, dann wären wieder alle Optionen offen. Es solle öffentlich, sozial und kommerziell genutzt werden. Die Nachbarhäuser vom Haus Dosch sollten erworben werden, um eine größere Planung für den Einzelhandel zu ermöglichen. Eine Spontanfrage ergab, dass fast alle Teilnehmer in der Stadthalle einen Verkauf des Bischofsschlosses ablehnten.

Das Rathaus müsse im Zentrum bleiben, zusätzlich könnten auch der Adler und das Alte Schulhaus von der Verwaltung genutzt werden. Mit einem Neubau werde mehr Flexibilität erreicht, allerdings müsse der nicht am jetzigen Standort entstehen. Zukünftig soll der Bereich zwischen Kirche, Adler und Rathaus und der Marktplatz autofrei sein, eine Tiefgarage wurde angeregt. Beim Thema Standortmarketing wurde Markdorf als traditionell, zukunftsorientiert, offen und gastfreundlich beschrieben. Es gebe eine hohe Lebensqualität, kulturelles Leben, eine gute Nahversorgung und eine tolle Landschaft. Für die Zukunft sei eine nachhaltige Verkehrsplanung mit verkehrsberuhigten Bereichen notwendig.

Kritik gab es von einigen Teilnehmern, die sich zuerst eine Diskussion und Festlegung des städtebaulichen Rahmenplans wünschten. Zudem wurde die konkrete Frage nach einer zukünftigen Nutzung des Bischofsschlosses vermisst.

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