Valerij Petasch beeindruckt mit subtilem Spiel

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Als sensibler Künstler begeisterte Valerij Petasch beim Klavierkonzert im Langenargener Münzhof.
Als sensibler Künstler begeisterte Valerij Petasch beim Klavierkonzert im Langenargener Münzhof. (Foto: hv)
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Gut gefüllt hat sich der Münzhof zum kostenlosen Konzert mit dem russischen Pianisten Valerij Petasch, der mit verinnerlichtem Spiel beeindruckte. Eine besondere Überraschung war dabei der herrliche Klang des alten Steinways, der früher im Schloss stand und nach erfolgreicher Auffrischung keineswegs nur sein Gnadenbrot genießt, sondern unter den Händen eines guten Pianisten wirklich zum Strahlen kommt.

Ruhig sitzt der Konzertpianist und Komponist Valerij Petasch, Dozent an der Universität Ulm, am Donnerstagabend am Flügel, den Blick nach innen gerichtet, ganz auf die aus seinem Innern aufsteigende Musik hörend. Wie unterschiedlich hat man Chopin, der im ersten Teil auf dem Programm stand, schon erlebt. Dieser russische Künstler hat sich sehr intensiv mit dem Komponisten befasst, seinem Willen Note für Note nachgespürt. Es gelingt ihm, die Emotionen, die in den Werken stecken, überzeugend herüberzubringen, ohne Schmerz und Verzweiflung wie auch Freude mit aller Wucht in die Tasten zu hämmern.

Nicht nur Chopin

Behutsam setzte die Nocturne Des-Dur ein, fein und silbern klang die Musik, verführte zum Träumen, ehe sie sich leise entfernte. Nachdenklich setzte das Impromptu Fis-Dur ein, sprudelte kraftvoll glitzernd empor. Fein und tastend entspann sich der Walzer f-Moll, ehe bei der Tarantella das flinke Spiel der Hände fast schwindlig machte. Hell und beglückend kam das Preludium Des-Dur herüber, während der Pianist im Preludium d-Moll einen aufgewühlten Seelenzustand malte.

Entgegen der Ankündigung eines reinen Chopin-Abends begann der zweite Teil mit dem Rondo capriccioso von Mendelssohn Bartholdy mit romantischem Klangzauber pur und endete mit Franz Liszts facettenreichen „Wiener Abenden“ nach Franz Schubert. Eine Bereicherung waren Valerij Petaschs drei dazwischenliegende Eigenkompositionen. Zwei „Ausflüge in die Kindheit“ evozierten zärtlich-sehnsuchtsvolle und ausgelassene Erinnerungen. Ob der Titel „Wenn die Kraniche ziehen“ sich auf den berühmten russischen Spielfilm oder auf das eindrucksvolle Schauspiel des herbstlichen Kranichzugs bezieht, blieb offen, doch imposant war die leise fließende Musik, die sich zu einem mitreißenden Strom entwickelte.

Sehr differenziert kamen alle Werke herüber, in überzeugender eigenständiger Interpretation. Dass Petasch die Technik bis in subtile Feinheiten beherrscht, versteht sich da von selbst. Darum ein Abend, der zeigte, wie schön, wie ergreifend Klaviermusik sein kann, wenn der Interpret nicht virtuoses Können, sondern die Liebe zu den Werken in den Mittelpunkt stellt. Wie der Beifall zeigte, ist die Botschaft angekommen und verstanden worden. Zum Dank spielte Petasch Chopins Ballade Nr. 2 F-Dur und ließ den Abend leise ausklingen.

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