So lebte man in Langenargen vor 300 Jahren

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So lebte man in Langenargen vor 300 Jahren
So lebte man in Langenargen vor 300 Jahren (Foto: Repro: Kolpingsfamilie)
Schwäbische Zeitung

Der Vortrag der Kolpingsfamilie Langenargen zum Doppeljubiläum von Spital und St. Martinskirche im September dieses Jahres hat großen Anklang gefunden. Mehr als 80 Personen fanden sich im katholischen Gemeindesaal zu diesem Vortrag mit vielen Bildern aus der Ortsgeschichte ein.

„Ein Jubiläum bietet die Chance der Identitätsfindung und -festigung eines Gemeinwesens. Im Blick zurück finden wir in unserer Gegenwart Halt, tragen das Bewährte in die Zukunft, sind offen für neue Entwicklungen.“ Mit dieser Feststellung eröffnete der Referent Reinhard Schick seine Ausführungen.

Er erläuterte nicht nur die geschichtliche Entwicklung, das Ortsbild, die Herrschaftsverhältnisse und die Situation der Grafenfamilie um das Jahr 1718, sondern er zeichnete auch ein anschauliches Bild vom Leben der einfachen Leute in Langenargen: „Für diese Menschen war Langenargen kein idyllisches, gemütliches Städtchen am Ufer des Bodensees, sondern sie hatten einen ständigen Kampf ums Überleben zu bestehen“, führte Referent Reinhard Schick aus.

Einwohner sind Leibeigene

Es gab nur wenige wohlhabende und begüterte Familien. Sämtliche Einwohner waren Leibeigene des Grafen in doppelter Abhängigkeit: Pflicht zu Frondiensten, Eingriffe in das persönliche Leben (Genehmigung der Ortswechsels, der Heirat und so weiter) und dazu noch Abgaben für Erblehen oder Schupflehen an Grund und Boden.

Kleine Nutzflächen

Fast die Hälfte der landwirtschaftlichen Betriebe lagen unter einem Hektar, also etwa einer Fläche von 100 mal 100 Metern – zum Sterben zu viel, zum Leben zu wenig. Die Menschen waren auf Zuverdienst als kleine Handwerker, Hilfsarbeiter oder Tagelöhner angewiesen.

Die Bedeutung des Mühlkanals mit verschiedenen Mühlen, Hammerschmiede, Bleicherei und Rotgerberei war ein erster Ansatzpunkt für die vorindustrielle Entwicklung im Osten von Langenargen. Informationen zu Handel und Gewerbe, zum berüchtigten Münzwesen der Montfort-Grafen, zu Brauchtum und Mundart gaben weitere Einblicke in die Lebensweise der damaligen Menschen.

„Der Blick zurück könnte Grund sein zu mehr Zufriedenheit mit unserem heutigen Leben in Wohlstand und Frieden“ schloss Reinhard Schick seinen Vortrag, wie die Kolpingsfamilie schreibt.

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