Rotary-Preisträgerin Helen Hai Lun Yu stellt Können unter Beweis

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Helen Hai Lun Yu stellt ihr Können im Schloss unter Beweis.
Helen Hai Lun Yu stellt ihr Können im Schloss unter Beweis. (Foto: Christian Lewang)
Gerd Kurat

Erst im Februar hat Helen Hai Lun Yu den Rotary-Jugend-Musikpreis in Lindau gewonnen. Nun gab die inzwischen 15-jährige Chinesin, die in Kanada aufgewachsen ist und seit kurzem an der Musikhochschule in Hannover studiert, ihren ersten Klavierabend bei den Schlosskonzerten in Langenargen. Im Programm mit Werken aus dem Barock, der Klassik und Romantik bis hin zur Moderne konnte die junge Pianistin ihren hohen Leistungsstand unter Beweis stellen.

In den beiden Beispielen aus dem Wohltemperierten Klavier von Johann Sebastian Bach, Präludium und Fuge in c-moll und e-moll, begann die Pianistin jeweils mit stimmiger Linienentwicklung in flüssigem Präludieren. Deutliche Themeneinsätze, heitere Zwischenspiele oder effektvolle Engführungen waren in den Fugen zu hören.

Nach Bach hätte der Unterschied zur Klaviersonate Nr. 17 in d-Moll von Ludwig van Beethoven kaum größer sein können. Steht der erste Satz doch am Anfang einer neuen Manier: Weg von starren Formen – hin zu einem Entwicklungsprozess. Starke Kontraste, mit aufwühlenden Steigerungen bis zum brausenden Sturm, der fast schon ein Orkan war, brachten die verwirrende Wiedersprüchlichkeit des ersten Satzes deutlich zum Ausdruck.

Kantable Melodien mit reichem Figurenwerk, weichen Übergängen folgten im zurückgenommenen Adagio. Über der durchlaufenden Sechzehntel-Motorik entwickelte Helen Hai Lun Yu den geforderten tänzerischen Charakter im Allegretto.

Drei Beispiele aus Etüden, op. 10 und op.25, von Frédéric Chopin gaben einen Einblick in das tägliche Übungsprogramm. Legato-Terzen, lyrischer Gesang oder Training auf den schwarzen Tasten waren die gestellten Aufgaben, die souverän gemeistert wurden. Vielleicht schafft es die junge Künstlerin künftig, ihre überschäumende Kraft ein wenig zu zügeln, damit sich eingefügte Fortissimo-Stellen besser dem jeweiligen Gesamtcharakter unterordnen.

Den „Faschingsschwank aus Wien“ hat Robert Schumann nach einem nicht so erfolgreichen Aufenthalt in Wien um 1839 komponiert. Mit dem Untertitel „Fantasiebilder“, es gibt keine literarischen Überschriften zu den fünf Sätzen, will Schumann den Ausführenden und den Zuhörer anregen, seiner eigenen Fantasie freien Lauf zu lassen.

Im ersten Satz, mit seinem prägnanten ländlerischen Rondothema, gab Helen Hai Lun Yu den vielen Überraschungen, auch mal mit bitterer Ironie, farbige Ausdruckswechsel. Rhythmisch stockend, etwas melancholisch, wurde die kurze Romanze zum nachdenklichen Haltepunkt.

Mit schönen Echowirkungen, rhythmisch federnd, und Freude am parodistischen Verwandlungsspiel überraschte das heitere Scherzino. Im bewegt figurativen Intermezzo, virtuos ausgespielt, war der darüber gelegte einstimmige „Nachtgesang“ gut hörbar. Das Finale, im Gegensatz zum vorangehenden romantischen Klang, führte in großer Klarheit des Sonatensatzes zum jubelnden Ausklang des Maskenfestes. In den beiden Zugaben von Claude Debussy und Franz Liszt für den verdient lang anhaltenden Beifall überraschte die Pianistin spürbar befreit, sehr einfühlsam und mit spürbarer echter Spielfreude.

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