Rücktritt: Narrenchef lässt in Zukunft andere machen

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„Ich durfte eine unbeschreibliche Herzlichkeit erleben“: ANR-Präsident Charlie Maier (links) hat in seiner Amtszeit viele verdie (Foto: lix)
Schwäbische Zeitung
stellv. Regionalleiterin

Es ist offenbar die Zeit, in der sich führende Männer verabschieden. Denn nicht nur Papst Benedikt XVI. hat seinen Rücktritt angekündigt, auch Charlie Maier aus Langenargen legt sein Amt demnächst nieder. Seit zwölf Jahren ist er Präsident des Alemannischen Narrenrings (ANR) und steht an der Spitze von 87 Zünften mit 26 000 Mitgliedern zwischen Rorschach in der Schweiz und Oberkochen im Ostalbkreis.

„Es ist genug, jetzt sind Jüngere an der Reihe“, sagt der 70-Jährige dazu, warum der ANR auf seinem Konvent am 20. April im Langenargener Münzhof einen Nachfolger wählen muss. Das Präsidium führe bereits Gespräche mit potenziellen Kandidaten. Jemanden zu finden, der als Chefnarr in Frage kommt, sei allerdings nicht ganz einfach. Der Amtsinhaber ahnt, woran das liegen könnte: „ANR-Präsident zu sein ist eine riesengroße Ehre, eine wunderschöne Aufgabe, aber auch sehr zeitaufwändig.“

Von wegen am Aschermittwoch ist alles vorbei: „Nach der Fasnet isch vor der Fasnet, und dann geht das Organisieren vor vorne los. Das ist ein Ganzjahresjob“, versichert Charlie Maier. Zu den Pflichten gehöre es unter anderem, den Ring nach innen und außen zu vertreten. Die Folge: In der Hochsaison ist der ANR-Präsident komplett ausgebucht. Dazu komme das Übliche, was Vereinsvorsitzende so machen, wie Termine abstimmen oder Tagesordnungen festlegen.

Sein Lohn: „Ich habe Land und Leute kennengelernt. Dabei sind viele Freundschaften entstanden, und ich durfte eine unbeschreibliche Herzlichkeit erleben.“ Und das nicht nur während der Fasnet auf Bällen, Zunftmeisterempfängen oder Narrensprüngen, sondern auch im Frühling, Sommer und Herbst, wenn die Zünfte zu Narrenmarsch, Vatertagshock oder Sommerfest einladen. „Manche Narren sind in zivil zuerst gar nicht zu erkennen“, verrät der 70-Jährige.

Kein Wunder, dass der scheidende ANR-Präsident in zwölf Jahren viel zu viele Anekdoten erlebt hat, um die schönste erzählen zu können. Zwei Höhepunkte seiner Amtszeit will er dagegen sofort und gerne nennen: „Das Ringtreffen 2006 in Leutkirch und das 2011 in Biberach.“ Das Besondere an dieser Art von Veranstaltung: Sie findet nur alle vier bis fünf Jahre statt, „und es gilt eine Teilnahmepflicht für alle Zünfte, weshalb zwischen 8000 und 10000 Hästräger auf der Straße sind“. Ein beeindruckendes Spektakel, das einer nahezu perfekten Organisation bedürfe, damit es geordnet und problemlos ablaufe.

Charlie Maier macht’s vor

Und weil sich auch der größte Narr nicht um alles alleine kümmern kann, wird ihm Hilfestellung geleistet: „Wir haben ein tolles Präsidium, das mich immer unterstützt hat“, betont Charlie Maier. Trotzdem müsse er erkennen, „es lässt einfach nach“. Anzeichen dafür: „Beim Narrensprung in Ulm habe ich den Häfler Fanfarenzug Graf Zeppelin mit dem Seehasen-Fanfarenzug verwechselt, und bin damit knapp an einer 50-Liter-Bier-Strafe vorbeigeschrammt. Und beim Gschellabstauben in Friedrichshafen habe ich die Orden vergessen.“ Sein Glück: „Mir wird schnell verziehen.“ Verständlich. Wer so strahlt und verschmitzt lächelt, dem kann eben niemand lange böse sein.

Was seine Karriere auf dem Gebiet der Fasnet angeht, ist sich der 70-Jährige trotzdem sicher: „Nach 14 Jahren im Zunftrat der Langenargener Dammglonker, davon zehn als Zunftmeister, und zwölf Jahren als ANR-Präsident lasse ich jetzt andere machen.“

Dass beim Konvent im April weißer Rauch aufsteigt, sobald es einen neuen Narrenchef gibt, ist zwar unwahrscheinlich. Welche Bedeutung dem Amt zukommt, ist jedoch eindeutig. Charlie Maier erklärt nicht umsonst: „Ich hab’s vorgemacht. Kaum hatte ich meinen Rücktritt erklärt, hat der Papst nachgezogen.“

Auch Narren sind gemeinsam stark

„Die Fasnet hat Hochkonjunktur“, sagt ANR-Präsident Charlie Maier, der zukünftig die Fasnet als Langenargener Dammglonker erleben will. 87 Zünfte mit 26.000 Mitgliedern, unter ihnen zwischen 15.000 und 16.000 aktive Hästräger, sind im Alemannischen Narrenring organisiert, der 1969 in Friedrichshafen gegründet worden ist.

„Reine Hexenzünfte nehmen wir gar nicht mehr bei uns auf“, erklärt er. Der Grund: „Es gibt so viele, das ist nichts Neues.“ Aber auch alle anderen müssen sich erst beweisen: „Bewerber werden von uns intensiv geprüft. Derzeit gibt es drei, die Sumpfhexen aus Bürgermoss, die Affenfamilie Ankenreute und die Narrenzunft Mochenwangen.“

Bereits dazu gehören Narrenzünfte wie die aus Friedrichshafen, Ravensburg, Biberach oder Ulm. Mitglied zu sein, bringe den Vorteil, dass auch Narren gemeinsam stärker seien. Vergleichbare Organisationen sind die Vereinigung Schwäbisch-Alemannischer Narrenzünfte (VSAN), der die Historische Narrenzunft Markdorf angehört, und der Verband Alb-Bodensee-oberschwäbischer Narrenvereine (VAN), in dem die Galleyengeister Ettenkirch integriert sind.

www.alemannischer-narrenring.de

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