Publikumsnahe Atmosphäre beim Kammerkonzert

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 Das Szymanowski-Streichquartett spielt auch mit Klarinettist Alexander Neubauer.
Das Szymanowski-Streichquartett spielt auch mit Klarinettist Alexander Neubauer. (Foto: Christian Lewang)
Gerd Kurat

Dem Szymanowski-Streichquartett ist am Freitag in Langenargen zusammen mit Klarinettist Alexander Neubauer und Pianist Peter Vogel ein Abend auf höchstem musikalischem Niveau in einer sehr persönlichen, nie abgehobenen, sehr publikumsnahen Atmosphäre gelungen. So durfte nach heiterem Haydn und „romantischem“ Mozart im Konzertsaal im Schloss Montfort beim „lieben Augustin“ zum Schluss auch herzhaft gelacht werden. Also keine Kammermusik im Elfenbeinturm.

Die hohe Kunst des homogenen Quartettspiels konnte man in Haydn’s op. 33 Nr. 3 bewundern. Agata Szymczewska und Robert Kowalski, im Verlauf des Konzerts wechselweise erste oder zweite Violine, Volodia Mykytka, Viola, und Alexey Stadler, Cello, gaben dem breit angelegten ersten Sonatensatz klarste Struktur. Mit viel Spaß wurden die eingewobenen „Vogelmotive“ mit Vorschlägen, Trillern oder Terzen hervorgehoben. Sehr schöne Stimmungsbilder entstanden im fließenden, zurückgenommenen Liedsatz oder affektstarkem, dichten vierstimmigen Gewebe mit großen dynamischen Wechseln auf engstem Raum. Spritzig artikuliert das humoristische Thema des finalen Rondos mit folkloristisch gefärbten Zwischenspielen in ausgelassener Spielfreude.

In der „Kleinen Suite“ des Schweizer Komponisten Frédéric Bolli, Jahrgang 1953, für Streichquartett, bewiesen die Streicher ihr feines Gespür für Neue Musik. Die musikalischen „Tapas“ in Form von Gavotte, Sarabande, Menuett und Gigue lebten von durchgehender Bewegung oder im satten Akkordspiel in langen sonoren Flächen. Leicht verspielt das Menuett und zum Schluss eine schnelle, kanonartige Gigue.

Zwei Klangwelten verschmelzen

Alexander Neubauer ergänzte das Streichquartett beim Klarinettenquintett von Wolfgang Amadeus Mozart op. 581. Zwei Klangwelten verschmolzen zu einem unnachahmlichen Klangzauber: Der hoch emotionale, dunkel, warm, alle Farbmischungen der Registerunterschiede auskostende Klarinettenton Neubauers und der ausdrucksstarke Gesamtklang des Szymanowski-Quartetts. Die Interpretation lebte vom aufeinander eingehenden „Konzertieren“, weniger vom solistischen Hervortreten. Im Larghetto allerdings führte Neubauer mit expressiver, ansatzlos entwickelter Tongestaltung in berührende Ausdrucksregionen über dahinschwebendem Streichergrund. Nach den Variationen des Finalsatzes mit virtuosem Figurenwerk und kleine Soli, aber auch intensivem Adagio-Ruhepunkt, setzte ein schmissiger Kehraus den Schlusspunkt. Das Klavierquintett von Peter Vogel geht auf sein 2018 entstandenes Klavierkonzert zurück. Erst zwei Tage vorher in Konstanz uraufgeführt, brachte Vogel seine Bearbeitung auch in Langenargen zur Uraufführung. Zu Beginn, nach kleinem Anschub, noch sehr geerdet mit prägnanten rhythmischen Patterns im Wechsel zwischen Klavier und Streichquartett oder fließenden Akkorddurchgängen über Pizziccato der Streicher. Kraftvolle Tutti-Stellen führten zur ersten, noch sehr melodisch geprägten Kadenz am Klavier.

Auf eine schöne Klangstudie zum Quartettklang folgte die zweite Kadenz, die zum jazzigen Abschnitt überleitete. Nun war Vogel mit einnehmenden Improvisationen ganz in seinem Element. Ließ aber auch über einer starken Bass-Linie seine Mitspieler zu Wort kommen. Nach dem musikalischen Spaß „Vom lieben Augustin“, ebenfalls aus der Feder von Vogel, mit allen Solisten des Abends, wollte der verdiente Beifall nicht enden.

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